Reise durch Raum und Zeit
Ob Astronaut, Animationsfilmer, Fotokünstler oder Zukunftsforscher – in unserer Interviewserie zum 120-jährigen Jubiläum von Carl Zeiss Photoobjektive hat uns jeder der Experten auf eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit und Zukunft mitgenommen. Eines haben alle Interviewpartner gemeinsam: Begeisterung, Leidenschaft und den festen Glauben an viele zukünftige Errungenschaften in Fotografie und Film. Zum Abschluss blicken Dr. Winfried Scherle, Leiter des Geschäftsbereichs Photoobjektive und Dr. Dieter Brocksch, Leiter des Carl Zeiss Museums, zusammenfassend auf die Interviewserie, das Jubiläumsjahr und in die Zukunft.
Astronaut Ulf Merbold weiß aus eigener Erfahrung: Nur Neugier und der Drang, um die nächste Ecke zu schauen, bringen den Menschen voran. In Zukunft vielleicht bis auf den Mars. Und dabei wird die Fotografie, dessen ist sich Merbold sicher, eine weiterhin zentrale Aufgabe haben: Den zu Hause gebliebenen zu zeigen, wie es dort oben aussieht. So wie uns vor vielen Jahren schon Neil Armstrong mit seinen unvergessenen Bildern – aufgenommen mit einer Hasselblad-Kamera und ZEISS Objektiv - den Mond ein Stückchen näher brachte. Für Ulf Merbold steht fest, dass es auch in ferner Zukunft noch Kameras und Objektive geben wird – zum Beispiel beim Besuch des ersten Menschen auf dem Mars.
Wer kann heute schon vorhersagen, ob Objektiven von Carl Zeiss die Ehre zu Teil werden wird, die ersten Schritte der Menschheit auf dem Mars zu dokumentieren! Doch Ansporn genug wird es in Oberkochen und Jena allemal sein, auch diesen Meilenstein der künftigen Raumfahrtgeschichte zu begleiten. Schließlich stehen Qualität und Nachhaltigkeit der ZEISS-Produkte von Beginn an für den Unternehmenserfolg - vom ersten Anastigmaten, über berühmte Optikdesigns wie Tessar oder Planar bis hin zu den aktuellen Objektiven für Spiegelreflexkameras und Kinofilmproduktionen.
Dank prägnanter Eigennamen wurden Objektive zum persönlichen Begleiter
„Auf all das können wir sehr stolz sein“, sagt Dr. Winfried Scherle. „Bei vielen visionären Entwicklungen in der Foto- und Filmgeschichte hat unser Unternehmen eine wichtige Rolle gespielt. Das wünschen wir uns natürlich auch für die nächsten 120 Jahre.“ Für Carl Zeiss Museumsdirektor Dieter Brocksch brachten neben brillanten Leistungen von Mitarbeitern auch die prägnanten Namen der ZEISS Objektive den Erfolg: „Dadurch wurden unsere Produkte den Endkunden zum persönlichen Begleiter.“ Als Beispiel nennt Dr. Brocksch das Tessar. Bildschärfe und Abbildungsbrillanz des 1902 entwickelten Objektivs führten zum Slogan ‚Das Adlerauge Ihrer Kamera‘, welcher sich bis weit in die 1950er Jahre hielt. „Dies ist eine sehr lange Zeitspanne in der mitunter kurzlebigen Werbewelt und unterstreicht die Nachhaltigkeit unserer Produkte“, so Brocksch.
Auf eine vergleichbar kurze Zeitspanne blickt das heutige digitale Zeitalter - doch hat es für Film und Fotografie schon monumentale Veränderungen gebracht. Alles wird immer schneller, kleiner und technisch brillanter. Bestes Beispiel ist der Guinness Buch Weltrekord des britischen Animationsstudios Aardman. Mit ihrem kreativen Stop-Motion-Film, in dem sie eine gerade mal neun Millimeter große Filmfigur auf eine Abenteuerreise schickten, haben die Produzenten eindrucksvoll bewiesen, was heute bereits im filmischen Miniaturbereich möglich ist. Gedreht wurde der Streifen mit einem Nokia N8 Smartphone mit integriertem ZEISS Objektiv.
Objektive sind wie weise alte Verwandte
Bei all dem Tempo, den der technische Fortschritt bringt, gleichen die Sätze von Fotokünstlerin Tanja Keetman einer wohltuenden Ruhe-Oase. „Mir hat zum Beispiel sehr gefallen, wie sie über die ‚Persönlichkeit von Objektiven‘ spricht, die für sie wie weise erfahrene Verwandte sind“, sagt Dr. Winfried Scherle. „Das ist ein schönes Plädoyer für die bewusste Fotografie, die in unserem Hause nach wie vor ein zentrales Leitbild ist.“ Der Bereichsleiter betont, dass ZEISS weiterhin auf hochwertige Objektive setzt und zum Beispiel die Spiegelreflex-Objektive mit manuellem Fokus derzeit sehr großes Interesse finden. „Mit ihnen kann man ein Bild bewusst gestalten, ohne sich auf Software und Automatiken verlassen zu müssen.“
Dass Foto- und Cinematografie insgesamt immer näher zusammenrücken, erläuterte Christian Bannert, Leiter der Entwicklung des Geschäftsbereichs Photoobjektive. Er betonte, dass es früher eine klare Grenze zwischen den Filmkameras fürs Kino und den Fotokameras für Bilder gab. Heute löst sich diese Trennung dagegen zunehmend auf, so dass inzwischen auch mit handlichen Spiegelreflexkameras kleine, professionelle Videos gedreht werden. Sequenzen davon kommen sogar ins Kino, wie zum Beispiel in Slumdog Millionär. Der Film wurde sowohl mit herkömmlichen professionellen Filmkameras als auch mit einer digitalen SLR- Kamera und ZEISS-Objektiven gedreht und erhielt dafür den Oscar für den besten Film 2009.
Kino von morgen – ein Leben in der Matrix?
Dass Kinofilme einmal zur perfekten Simulation werden könnten, warf Zukunftsforscher Dr. Karlheinz Steinmüller in die Waagschale. Der Zuschauer wird dann Teil der virtuellen Realität, ein Mitspieler in den Spielfilmen und Spielrealitäten der Zukunft. Vielleicht sei es irgendwann gar möglich, das menschliche Gehirn elektromagnetisch zu beeinflussen, so dass Kinos dann tatsächlich zu Traummaschinen würden – ein Leben in der Matrix sozusagen.
Nach der lehrreichen Interviewreise durch Raum und Zeit, darf man mehr als gespannt sein, was die Zukunft für Foto und Film bringen wird. Sicher ist, dass Carl Zeiss sie gemeinsam mit seinen Partnern Sony, Nokia, Logitech und ARRI aktiv mitgestalten wird. „Dabei werden Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit weiterhin die wichtigsten Triebfedern sein. Wenn wir diesen Dreisprung in bewährter Manier fortsetzen, ist mir für die nächsten 120 Jahre nicht bange“, sagt Dr. Dieter Brocksch. „Dann kann sich die Foto- und Filmwelt noch so schnell weiter drehen – Carl Zeiss wird bei den Themen Bildgüte, Farbe, Kontrast und Schärfe immer eine wichtige Rolle spielen.“ Und Dr. Winfried Scherle ergänzt: „Unser Blick richtet sich stets auf die gesamte Kette: Vom Objektiv, über Sensor und Datenverarbeitung, bis hin zur Nachbearbeitung. Gemeinsam mit unseren Partnern und unserem exzellenten Netzwerk in der Wissenschaft arbeiten wir an zukunftsfähigen Lösungen für höchste Bildqualität.“
