Die Legende lebt: VICTORY HT im Erlebnisbericht

Zugegeben, die Dialyt 7x42 B T* Ferngläser aus dem Hause Carl Zeiss sind bis heute echte Legenden. Viele Naturbeobachter lieben sie. Und wer ein solches Fernglas besitzt, hütet es wie einen Schatz. Ich besitze leider keine dieser Legenden. Umso mehr freute es mich zu hören, dass Carl Zeiss erneut ein Glas mit Legenden-Potenzial herausbringt. Ich war aber auch skeptisch. Viel habe ich bereits über das neue VICTORY HT gehört und gelesen. Würde sich all dies bei der Vogelbeobachtung bestätigen?

 

Meine ersten Erfahrungen mit dem VICTORY HT sammelte ich an der Nordsee – weites Land, wilde See und wunderbare Möglichkeiten für die Vogelbeobachtung. Mein Ziel an diesem Tag war ein Koog an der Grenze zu Dänemark. Dieser Koog zeichnet sich durch große Schilfflächen, Überschwemmungsbereiche und weites Vorland aus. Erster Stopp war eine kleine Beobachtungshütte hinter einem Schilfstreifen mit Blick auf eine tiefe Brackwasserfläche.

Hier rasteten gerade ein paar Nonnengänse und versuchten, das bei der Futtersuche auf den angrenzenden Äckern verschmutzte Federkleid zu reinigen. Schwarz und Weiß, was für eine Gelegenheit! Die Kopfzeichnung der Gänse ermöglichte es mir, die Optik bei Idealbedingungen auf Farbsäume zu testen. Das Konzept hielt schon mal, was es versprach: Die Farbsäume waren kaum wahrnehmbar. Direkt vor der Beobachtungshütte zog plötzlich ein kleiner Trupp Bartmeisen durch das Schilf. Jetzt galt es, schnell und präzise zu fokussieren, denn die kleinen Vögel warteten nicht. Ich drehte am Fokussierrad – auf den Punkt! Die Tiere waren scharf zu sehen; ohne lästiges Zurückfokussieren fand ich den idealen Schärfepunkt und konnte die Kleinen in ihrer ganzen Pracht genießen.

Langsam wurde es Zeit. Die Flut lief auf. Die Limikolen flogen aus dem Watt hinein auf die Sumpfflächen, um dort weiter nach Nahrung zu suchen. Ihre Nahrungsgründe im Watt würden die nächsten sechs Stunden weitestgehend unter Wasser liegen. Ich lief los. Vier Kilometer Fußmarsch lagen noch vor mir, bis ich die ideale Fläche erreichte. Das Fernglas ließ sich erstaunlich angenehm tragen und war kaum eine Belastung für die Nackenmuskulatur. Die Limikolenstelle erreichte ich daher erstaunlich ausgeruht.

 

Einige Uferschnepfen waren schon da; vielleicht waren es Brutpaare, die eben ihre Reviere besetzten. Wunderbar gab das Glas die Farben der schönen Vögel wieder. Das ziegelrote Kopf-, Hals- und Brustgefieder, die schwarz und orange gefärbten Rückenfedern und das braungraue Flügelgefieder. Es war eine wahre Freude, den Vögeln durch das VICTORY HT bei der Nahrungssuche zuzusehen. Je weiter die Flut auflief, desto mehr Limikolen kamen herein. Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Zwerg- und Temminckstrandläufer wuselten auf den Schlickflächen herum; in den tieferen Bereichen der Fläche gründelten Krickenten. Langsam ging die Sonne in meinem Rücken unter. Also wieder zurück zum Auto, denn ich wollte im letzten Tageslicht nach Eulen suchen.

Dem braunen Ungetüm, das auf meinem Weg zurück zum Auto in einiger Entfernung saß, schenkte ich noch keine Aufmerksamkeit. Leider, denn plötzlich flog keine 20 Meter von mir entfernt der Seeadler auf. Hektisch griff ich zum Fernglas. Sofort und sicher lag mein Zeigefinger auf dem Fokussierrad und ich hatte das Fernglas sicher in der Hand. Das waren die entscheidenden Sekunden bei der Beobachtung, die mir bei anderen Ferngläsern so oft fehlten, wenn plötzlich Vögel wie aus dem Nichts vor mir auftauchen. Majestätisch zog der Seeadler von dannen, voller Panik stieben die Gänse von den Salzwiesen auf. Aber der Seeadler schien diesen Abend keinen Hunger mehr zu haben. Ich musste weiter, Eulen waren gefragt. Mir kamen Zweifel, ob ich es noch rechtzeitig schaffen würde, denn die Sonne stand bereits tief. Im Wald angekommen war die Sonne bereits untergegangen und das letzte Tageslicht erlosch. Ein fraglicher Trost: Es war Vollmond.

 

In der Ferne hörte ich bereits einen Waldkauz rufen. Ich wusste, wo sich der Baum befand, in dem der Vogel tagsüber schlafen sollte, also ging ich los. Im Wald war es noch um einiges dunkler als am Parkplatz. Vielleicht würde ich ja Glück haben und wenigstens die Silhouette des Vogels sehen. Er saß noch im Baum und war anscheinend noch nicht hungrig. Erwartungsvoll hob ich das VICTORY HT 8x42 an die Augen ... wow! So deutlich habe ich selten einen Waldkauz bei Nacht gesehen! Trotz des nur geringen Lichtes konnte ich die weiße Befiederung um die Augen deutlich erkennen. Klar hoben sich die Konturen des Vogels von dem Baumstamm ab. Selbst die Strichelung des Brustgefieders ließ sich noch erkennen. Welch gelungener Abschluss für einen brillanten Tag der Vogelbeobachtung!

 

Mein Fazit: Dieses Glas überzeugte mich bereits am ersten Tag. Selbst heute, nach längerem Gebrauch des Glases, kann ich meinen Eindruck nur bestätigen: VICTORY HT von ZEISS hat nicht nur das Potential, zu einer Legende zu werden. Für mich ist es bereits eine Legende.

 

Sandra Pearson

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