Brillenglasbeschichtungen sollten am besten alles können

BESSER SEHEN im Interview mit dem Produkt Management von DuraVision® Platinum, der robustesten Brillenglasbeschichtung von ZEISS, die es je gab.

Selbstverständlich benutzen wir unsere Brille Tag für Tag, ohne darüber nachzudenken, was unsere Brillengläser nicht nur optisch leisten, sondern wie robust sie sein müssen, um mit uns mithalten zu können. Das soll auch so sein! Keine Optik ist dauerhaft ähnlich starken mechanischen Belastungen und Umwelteinflüssen ausgesetzt, wie ein Brillenglas. Die Entwickler von Carl Zeiss arbeiten daran, Brillengläser immer besser zu veredeln und zu beschichten. BESSER SEHEN hat bei René Stanke, dem Produkt Manager von DuraVision® Platinum, nachgefragt, was moderne Brillenglasveredelungen ausmacht.

BESSER SEHEN: Lässt man sich bei einem Augenoptiker eine Brille anpassen, ist es meist so, dass der Auswahl der Brillenglasveredlung am Ende der Beratung kein so großes Augenmerk geschenkt wird. Man verlässt sich dabei gerne auf die Empfehlung des Augenoptikers. Dabei entscheidet sich doch hier viel in Bezug auf die Lebensdauer der Brillengläser sowie die Seh- und Reinigungseigenschaften. Auf was sollte der Brillenkäufer bei der Wahl der Beschichtung eigentlich achten?

Brillenglasbeschichtungen sollten am besten alles können

René Stanke, Produkt Manager für DuraVision® Platinum

René Stanke: Das stimmt. Brillenglasveredelungen können eine Menge leisten. Heutzutage werden in der Regel Kunststoffgläser verkauft. Kunststoff ist allerdings von Hause aus nicht so hart, widerstandsfähig und kratzresistent wie ein mineralisches Brillenglas. Deshalb ist für die Langlebigkeit der Brillengläser eine Hartschicht unbedingt empfehlenswert, um die Oberfläche unempfindlicher gegen mechanische Belastungen zu machen, die zu Kratzern und damit auch schlechteren Seheigenschaften führen.

 

Eine hochwertige Entspiegelung ist nicht nur wichtig, um besser auszusehen, sondern um störende Reflexionen durch das Brillenglas zu minimieren, z.B. beim Autofahren in der Nacht oder dem Lesen bei natürlichem sowie künstlichem Licht.

 

Zusätzlich sollte ein gutes Brillenglas nicht so leicht Schmutz, Staub und Fusseln anziehen und sich leicht reinigen lassen. Im Zusammenspiel können moderne Brillenglasveredelungen das Brillenglas zum robusten Alltagsgegenstand machen. Wir können allen Brillenkäufern nur raten, sich beim Augenoptiker genau nach der Leistungsfähigkeit der Brillenglasbeschichtung zu erkundigen.

 

BESSER SEHEN: Nun hat Carl Zeiss mit DuraVision® Platinum eine neue Brillenglasveredelung auf den Markt gebracht. Sie waren bei der Entwicklung dabei. Was macht DuraVision® Platinum aus? Was ist neu?

 

René Stanke: Basierend auf Marktuntersuchungen haben wir das komplette Beschichtungspaket von ZEISS Brillengläsern optimiert. Wir sprechen dabei hauptsächlich von den folgenden vier Produkteigenschaften:

 

Erstens haben wir ganz besonders an der Härte der Oberfläche des Brillenglases gearbeitet. Wir sind sehr stolz, dass erstmals eine Härte bei entspiegelten Kunststoffbrillengläsern erreicht wird, die der von vergleichbaren mineralischen Brillengläsern entspricht bzw. sie sogar übertrifft. Unsere Messungen haben ergeben, dass wir mit DuraVision® Platinum dreimal härtere Brillengläser produzieren als in der Vergangenheit.

 

Zweitens haben wir die Leistung der Entspiegelung deutlich verbessert. Jedes Brillenglas besitzt trotz Entspiegelung einen sogenannten Restreflex, d.h. Licht, das vom Brillenglas zurück reflektiert und daher nicht seinen Weg durch das Brillenglas ins Auge findet. Entspiegelungsqualitäten unterscheiden sich deshalb darin, wie gering der Restreflex gehalten werden kann. Wir konnten im Vergleich zu bisher diese Restreflektion noch einmal um 20% reduzieren.

 

Selbstverständlich wollen wir die herausragenden, patentierten Antistatik-Leistungen für ZEISS Brillengläser erhalten, damit nicht so schnell verschmutzen und deutlich weniger Staub und Fussel anziehen. Dies ist Produkteigenschaft Nr. 3.

 

Die vierte ist die äußerst leicht zu reinigende Brillenglasoberfläche durch unsere wasser- und ölabweisende Deckschicht. Ein Brillenglas mit DuraVision® Platinum-Beschichtungen reinigen Sie mit den ZEISS Reinigungsprodukten oder einfach unter fließendem, lauwarmem Wasser, schütteln die verbliebenen Wassertropfen ab, und Sie werden kaum mit einem Mikrofasertuch nachreiben müssen.

 

BESSER SEHEN: Wie kann man denn diese Verbesserungen testen – insbesondere die besseren Härteeigenschaften?

 

René Stanke: Wir machen intensive Labortests. Dabei wird beispielsweise eine Diamantspitze in eine klassische Brillenglasbeschichtung und das neue Vergleichsprodukt gedrückt. Nun misst man die dafür erforderliche Kraft solange, bis die Beschichtung der Kraft nicht mehr standhalten kann und bricht. So können wir die Härte einzelner Beschichtungen ermitteln und vergleichen. DuraVision® Platinum schnitt bei diesem Test um bis zu 50 Prozent besser ab als frühere Brillenglasveredelungen von ZEISS.

 

Uns waren aber Praxistests noch wichtiger, denn ein Brillenglas muss nicht im Labor bestehen, sondern beim täglichen Gebrauch. Wir gehen dabei von einer Lebensdauer von zwei bis drei Jahren aus, die wir bei diesem Test simuliert haben, um die Verschleißfestigkeit unserer neuen Beschichtung zu testen. Wir haben uns „Standardschmutz“ (wird beispielsweise auch in der Staubsaugerindustrie verwandt) besorgt, damit ein Brillenputztuch „beladen“ und mit einem definierten Druck jeweils 600 Mal Brillengläser mit einer herkömmlichen Beschichtung und der neuen DuraVision® Platinum-Beschichtung „geputzt“. Dann wurde unter dem Mikroskop das Resultat genau analysiert. Das Ergebnis: Das DuraVision® Platinum-Brillenglas zeigte nahezu keine Beschädigungen, während das Vergleichsprodukt bei diesem Test sehr deutlich verkratzt wurde.

 

BESSER SEHEN: Beeindruckend. Aber normalerweise sollte man dies seinen Brillengläsern doch nicht antun, oder?

 

René Stanke: Nein, bitte unsere Tests nicht nachahmen. Trotz allem, was moderne Brillenglasveredelungen leisten, sollte man mit seiner Brille pfleglich umgehen. Eine Vielzahl kleinster Kratzer kann ein Brillenglas auf Dauer beim Durchblick trüb erscheinen lassen, dies beeinträchtigt die Sicht und schadet zusätzlich erheblich der Entspiegelung. Bitte reinigen Sie Ihre Brillengläser nicht mit Kleidungsstücken, Papiertaschentüchern oder ähnlichem. Fließendes, lauwarmes Wasser oder das ZEISS Reinigungsspray und ein Brillenputztuch aus Mikrofasern sind für die tägliche Brillenreinigung empfehlenswert. Für zwischendurch gibt es die feuchten Brillenputztücher von ZEISS, welche die Beschichtung nicht angreifen. Noch ein Tipp: Bitte lassen Sie Ihre Brille nicht im Auto liegen. Die Hitze, die im Auto entstehen kann, schadet Ihrer Brille. Bitte gehen Sie nicht mit Brille in die Sauna oder legen Sie die Brille nicht auf den Gläsern ab. Ihre Brille wird es Ihnen mit langer Lebensdauer danken.

 

BESSER SEHEN: Absolut, denn es wäre ja wirklich schade, wenn beispielsweise individuell angepasste Gleitsichtbrillengläser nicht die Lebensdauer erfüllen, die sie haben sollten.

 

René Stanke: Stimmt. Beschädigungen, wie z.B. Kratzer können leider nicht aus Kunststoffgläsern herauspoliert oder das Glas neu veredelt werden. Das Brillenglas ist dann unwiderruflich beschädigt und muss gänzlich neu gefertigt werden, um seine volle Leistung wieder zu bringen.

 

BESSER SEHEN: Was hat Sie an der Entwicklung von DuraVision® Platinum bei ZEISS persönlich am stärksten beeindruckt?

 

René Stanke: Mein Highlight? Es sind eigentlich zwei: Zuerst, dass wir ein Brillenglas geschaffen haben, das die Härte von einem mineralischen Glas erreicht bzw. sogar übertrifft, und zweitens, dass wir die Entspiegelungsleistung noch einmal deutlich verbessern konnten.

So werden ZEISS Präzision-Brillengläser mit der neuen DuraVision® Platinum Veredelung versehen:

1. Zuerst wird das Halbfabrikat aus Kunststoff so bearbeitet, dass es die optischen und Trage-Eigenschaften besitzt, die der Brillenträger für das beste Seherlebnis benötigt. Das geschieht mit Drehen und Fräsen. Anschließend wird das Kunststoffglas auf optimale Transparenz poliert.

 

2. In einem Tauchbad wird dann der Hartlack aufgetragen, der in einer Art Ofen vollständig ausgehärtet wird. Damit erreicht das Glas eine gewisse Grundhärte und der Lack bildet das optimale Bindeglied zwischen dem Grundglas und der Entspiegelungsschicht.

 

3. Nun beginnt in einer Hochvakuumbeschichtungsanlage der Entspiegelungsprozess mit den einzelnen Entspiegelungsschichten. Insgesamt werden nun noch acht ultradünne Schichten aufgedampft. Metalloxide und Halbmetalloxide schlagen sich dabei im Wechsel auf der hartbeschichtete Brillenglasoberfläche nieder.

 

4. Während dieses Prozesses werden die Brillengläser basierend auf einem speziellen Verfahren mit energiereichen Ionen, also geladenen Teilchen, „beschossen“. Beim Auftreffen auf die Oberfläche geben die Ionen ihre Energie ab. So werden die einzelnen Beschichtungslagen verdichtet. Dadurch erhöht sich die Härte des gesamten Schichtsystems. Im Zusammenspiel mit dem Hartlack sorgt diese maßgeschneiderte Beschichtung für die Robustheit der Brillenglasbeschichtung.

 

5. Zusätzlich werden die von ZEISS patentierte antistatische Schicht und zuletzt die Clean Coat-Schicht, die das Brillenglas wasser- sowie ölabweisend und leicht zu reinigen macht, aufgetragen.

 

6. Nach der Tauchbeschichtung mit dem Hartlack dauert das Aufdampfen der einzelnen Schichten ca. eine dreiviertel Stunde in der Beschichtungsanlage. Doch damit ist lediglich die erste Seite des Brillenglases veredelt worden. Das Brillenglas wird gewendet, und die zweite Seite erfährt dieselbe Behandlung. Der gesamte Beschichtungsprozess muss unter staubfreien Reinraumbedingungen erfolgen. Kommt nur eine kleinste Verschmutzung (z.B. ein Staubkorn) auf das Brillenglas, dann wird dieses aussortiert.

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