Aus Beton wird Glas

– Die Sanierung des Kompaktbaus 6/70

Ein Gebäude mit der Grundfläche von sechs Fußballfeldern und etwa 50 Metern Höhe schnellstmöglich zu sanieren, das war der Plan, den es ab 1991 umzusetzen galt. Aus dem ehemaligen Produktions- bau 6/70 an der heutigen Carl-Zeiss-Promenade sollte der neue Hauptsitz von Carl Zeiss Jena werden. Die Herausforderung dabei: Die Produktion anderer Carl Zeiss Standorte in Jena, inklusive Maschinen, Personal und Mobiliar, musste in das Gebäude 70 umziehen, während die Fertigung weiterlief.

Das Gebäude 70 besaß 1991 nur wenig Charme – ein Koloss aus Beton, Stahltüren und endlosen Gängen. Deshalb lautete die Devise für die Modernisierung des Komplexes: Licht, Luft und Raum. „Unsere Mitarbeiter sollen von jedem Arbeitsplatz aus ein Stück Himmel sehen können“, war der Wunsch der damaligen Geschäftsführung.

Die Betonfront der Südfassade (links) am Gebäude 6/70 um 1978.

Die Betonfront der Südfassade (links) am Gebäude 6/70 um 1978.

Die Betonfront der Südfassade (links) am Gebäude 6/70 um 1978.
Mit einem Kran wurden 1995 die insgesamt 173 Betonplatten von der Südfassade entfernt.

Mit einem Kran wurden 1995 die insgesamt 173 Betonplatten von der Südfassade entfernt.

Mit einem Kran wurden 1995 die insgesamt 173 Betonplatten von der Südfassade entfernt.
Sanierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes 70.

Sanierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes 70.

Sanierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes 70.
Deckenarbeiten im Innenraum des Gebäudes 70.

Deckenarbeiten im Innenraum des Gebäudes 70.

Deckenarbeiten im Innenraum des Gebäudes 70.
Die gläserne Front an der Südfassade des Gebäudes 70 im Jahr 2006.

Die gläserne Front an der Südfassade des Gebäudes 70 im Jahr 2006.

Die gläserne Front an der Südfassade des Gebäudes 70 im Jahr 2006.
Die zwei gläsernen Fahrstühle gewähren seit 1995 den Blick über die Dächer von Jena.

Die zwei gläsernen Fahrstühle gewähren seit 1995 den Blick über die Dächer von Jena.

Die zwei gläsernen Fahrstühle gewähren seit 1995 den Blick über die Dächer von Jena.

Herausforderungen der freien Marktwirtschaft

Die freie Marktwirtschaft war 1991 noch Neuland und brachte beim Umbau des Gebäudes 70 einige Herausforderungen mit sich. Alle Angebote der Handwerksbetriebe und Firmen mussten mit einem Gegenangebot in Qualität und Preis verglichen werden. Vor 1989 gab es eine solche Vielfalt an Dienstleistern nicht. Zusätzlich drängte bei der Modernisierung des Gebäudes die Zeit – nicht nur, weil die während des Umbaus ausgelagerten Bereiche zusätzliche Kosten verursachten, sondern auch, da mehr als geplant saniert werden musste.

Sanierungsarbeiten und ungewollte Wanderschaften

Im Innenbereich war für die groben Arbeiten der „Specht“, ein hydraulischer Abbruchhammer, zuständig. Er entfernte die massiven Wände der ehemaligen Gänge, die als Rettungstunnel ausgelegt waren. In die Ost- und Westfassade des Südbaus wurden Zwischengeschosse eingezogen. Damit in den an die Baustellen angrenzenden Räumen weiterhin ZEISS Geräte in gewohnter Qualität produziert werden konnten, waren aufwendige Arbeiten zur Trennung der Bereiche notwendig.

Viele Wände und Decken erhielten einen neuen Anstrich und die Fußböden eine Rundumerneuerung. Handwerker verlegten die Elektrik, installierten neue Gasanlagen und modernisierten die Belüftungssysteme. Während die sanitären Anlagen instandgesetzt wurden, durften die Zeissianer die Toiletten in einigen Gebäudearealen nicht benutzen. Die Mitarbeiterzeitschrift sprach deswegen 1992 sogar von „ungewollten Wanderungen“, die die Angestellten einzelner Bereiche zurücklegen mussten, um ein stilles Örtchen zu finden. Auch auf fließendes Wasser mussten sie infolge der Umbindung der Trinkwasserleitungen zeitweilig verzichten.

Von 1993 bis 1995 wurden die 173 Betonplatten an der Südfassade entfernt und durch eine gläserne Front ersetzt.

Carl Zeiss in Jena erhält seine Visitenkarte

Bis Ende 1996 war der Südbau des Gebäudes 70 nahezu vollständig modernisiert. 1994 erhielt das Dach das neue Logo von Carl Zeiss und verband damit die Standorte in Ost und West auch äußerlich. Sieben Jahre später wurde es durch ein nun beleuchtetes Logo ersetzt. Die Familie von insgesamt 15 vorhandenen Fahrstühlen komplettierten die „Gläsernen Zwillinge“, die seit 1995 den Blick über die Dächer von Jena gewähren. Seither sind sie mit dem darüberstehenden Logo die Visitenkarte des Unternehmens am Standort Jena.

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