Glossar

Dieses Glossar beinhaltet Schlüsselbegriffe im Prozess der Wiedervereinigung von Carl Zeiss Ost und West. Außerdem werden Begriffe und Institutionen erklärt, die für das Verständnis dieser besonderen Wiedervereinigungsgeschichte relevant sind.

  • A

    Auerbacher Vereinbarung
    Die Auerbacher Vereinbarung regelte im September 1990 die Nutzungsrechte der Warenzeichen von Carl Zeiss in Deutschland neu. Die bisherige Regelung durch die Londoner Vereinbarung von 1971 basierte auf der Existenz zweier deutscher Staaten. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober bestand daher die Gefahr, dass beide Unternehmen in Deutschland unter dem Namen "Carl Zeiss" auftreten. Dies hätte zu erneuten Rechtsstreitigkeiten führen können. Der westliche Konzern sollte den Namen „Carl Zeiss“ führen. Er verwendete weiterhin ein quadratisches Warenzeichen mit dem Schriftzug „ZEISS“ und der geographischen Bezeichnung „West Germany“. Der ehemalige VEB Carl Zeiss sollte als „Jenoptik Carl Zeiss Jena GmbH“ auftreten und durfte das Linsenzeichen mit der Schrift „Carl Zeiss Jena“ weiter nutzen.

  • B

    Biebelried
    Biebelried ist ein kleiner Ort in Unterfranken, an der Kreuzung der Autobahnen A3 und A7 zwischen Oberkochen und Jena. Im Einigungsprozess von Carl Zeiss Ost und West trafen sich die Verhandlungspartner mehrmals in der kleinen fränkischen Gemeinde. Vor 1989 war Biebelried bereits ein regelmäßig genutzter Ort für Besprechungen zwischen Vertretern der westdeutschen Stiftungsunternehmen Carl Zeiss, Oberkochen, und Schott, Mainz.

    Biebelrieder Absichtserklärung
    Vereinbarung vom 29. Mai 1990, in der Carl Zeiss, Oberkochen, der VEB Carl Zeiss JENA, der VEB Jenaer Glaswerk und die SCHOTT Glaswerke, Mainz ihre gemeinsame Absicht erklären, sich in einer Carl-Zeiss-Stiftung zusammenzuschließen, sobald es aus wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten vertretbar ist.

  • C

    Carl-Zeiss-Stiftung
    Die Carl-Zeiss-Stiftung wurde 1889 von Ernst Abbe gegründet. Die Stiftung ist alleinige Eigentümerin der Unternehmen Carl Zeiss und Schott. Seit 2004 ist die Carl-Zeiss-Stiftung Alleininhaberin der Aktienanteile der SCHOTT AG und der Carl Zeiss AG. Ziel und Aufgabe der Stiftung ist, die beiden Unternehmen wirtschaftlich zu sichern und zu fördern. Durch die Unternehmen sollen allgemeine wirtschaftliche und gemeinnützige Interessen und Einrichtungen unterstützt werden. Die Stiftung selbst soll Forschung und Lehre, vor allem in den Natur- und Ingenieurswissenschaften, unmittelbar fördern.

  • D
  • E

    Ernst-Abbe-Stiftung
    Die gemeinnützige Stiftung wurde im Juni 1992 in Jena gegründet. Das nichtindustrielle Vermögen der Carl-Zeiss-Stiftung in Jena ging auf sie über, nachdem die Carl-Zeiss-Stiftungen in Baden-Württemberg und Thüringen zusammengeführt worden waren. Die Ernst-Abbe-Stiftung dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation sowie sozialen Zwecken.
    Ernst Abbe Stiftung

  • F
  • G

    G-Betrieb
    Der Betrieb für Optischen Präzisionsgerätebau, auch G-Betrieb genannt, war der größte Jenaer Betrieb des VEB Carl Zeiss JENA. Im G-Betrieb wurden unter anderem optische Präzisionsinstrumente für die Halbleiterindustrie, Messtechnik für den Einsatz in der Industrie, Planetariumsprojektoren, Teleskope und optische Medizintechnik gefertigt. Der wichtigste Produktionsstandort des Betriebes befand sich im Gebäude 6/70, wo heute der Großteil der Beschäftigten von Carl Zeiss in Jena arbeitet.

    Generaldirektor
    In der DDR war Generaldirektor die Bezeichnung des obersten Leiters eines Kombinates.

  • H
  • I
  • J

    Jenaer Glaswerk, VEB
    1884 gründeten Otto Schott, Ernst Abbe, Carl und Roderich Zeiss das Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen, das später in Jenaer Glaswerk SCHOTT & Genossen umbenannt wurde. Seit 1891 ist die Carl-Zeiss-Stiftung alleinige Eigentümerin des Unternehmens. Das Glaswerk wurde 1948 enteignet und in einen VEB umgewandelt. Der Hersteller von Spezialglas, zum Beispiel optischen Gläsern, Thermometerglas und hitzebeständigen Haushaltsgläsern, hieß ab dieser Zeit VEB Jenaer Glaswerk. Er wurde später in das Kombinat VEB Carl Zeiss JENA eingegliedert.

    Am 29. Juni 1990 wurde das Kombinat aufgelöst und der VEB Jenaer Glaswerk in die Jenaer Glaswerk GmbH umgewandelt.
    Während der Teilung Deutschlands existierten zwei Unternehmen, die aus dem ehemaligen Jenaer Glaswerk SCHOTT & Genossen hervorgegangen waren, der VEB Jenaer Glaswerk und die Schott Glaswerke Mainz. Auch SCHOTT ist heute wiedervereinigt, mit Sitz in Mainz.

  • K

    Kombinat
    Ein Kombinat war eine konzernartige Gruppe von Volkseigenen Betrieben in der Zentralverwaltungswirtschaft der DDR. Der größte VEB war als sogenannter Stammbetrieb in der Regel Namensgeber. Die zusammengeschlossenen Betriebe hatten ähnliche Produktprofile. Im Kombinat waren Produktion, Forschung, Entwicklung und Absatz einer Branche zusammengeschlossen.

    Das Kombinat VEB Carl Zeiss JENA vereinte fast die gesamte feinmechanisch-optische Industrie der DDR und beschäftigte ca. 60.000 Mitarbeiter. Neben dem VEB Carl Zeiss JENA waren dem Kombinat angegliedert: VEB Elektromat Dresden, VEB Feinmess Dresden, VEB Feinmesszeugfabrik Suhl, VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden, VEB Freiberger Präzisionsmechanik, VEB Generalauftragnehmer Elektroinvest Jena, VEB Hochvakuum Dresden, VEB Jenaer Glaswerk, VEB Kamerafabrik Freital, VEB Pentacon Dresden, VEB Pentacon Feinoptisches Werk Görlitz, VEB Rathenower Optische Werke.

  • L

    Londoner Vereinbarung
    Nach jahrelangen weltweiten Rechtsstreitigkeiten regelte die im April 1971 unterzeichnete Londoner Vereinbarung die Verwendung des Warenzeichens und des Firmennamens von Carl Zeiss in Ost und West. Danach sollte der VEB Carl Zeiss Jena im Ostblock den Namen „Carl Zeiss“ verwenden. Carl Zeiss, Oberkochen, trat hier unter dem Namen „Opton“ auf. In den meisten westeuropäischen Staaten und den USA agierte das westdeutsche Unternehmen unter dem Namen „Carl Zeiss“. Der VEB verwendete den Namen „Jenoptik“. In anderen Ländern der Welt, zum Beispiel in Großbritannien und in den Staaten des Commonwealth, gab es ein geregeltes Miteinander. Hier verwendeten beide Unternehmen den Namen „Carl Zeiss“, allerdings ergänzt durch den Zusatz „West Germany“ bzw. „Jena“.

  • M

    Mammutsitzung
    Als „Mammutsitzung“ wird die über zwölf Stunden lange Sitzung in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1991 bezeichnet, in der Vertreter der Carl-Zeiss-Stiftung, von Carl Zeiss, Oberkochen, der Jenoptik Carl Zeiss Jena GmbH, Schott, Mainz und der Jenaer Glaswerk GmbH mit der Treuhand über die Zukunft von Carl Zeiss verhandelten. Als Ergebnis konnte Dr. Horst Skoludek als Sprecher des Oberkochener Vorstandes den Erfolg verkünden: „Zeiss wird wieder eine Familie.“

    Montagsdemonstration
    Die sogenannten Montagsdemonstrationen wurden zum Signal der friedlichen Revolution in der DDR. Mit dem Ruf "Wir sind das Volk" meldeten sich Woche für Woche Hunderttausende DDR-Bürger nicht nur montags zu Wort. Die Montagsdemonstrationen erhielten ihren Namen nach den Demonstrationen, die ab September 1989 im Anschluss an die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche jeden Montag stattfanden. Ab Oktober 1989 gingen die Menschen auch in Jena auf die Straße.

  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T

    Treuhandanstalt
    Die "Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums" wurde im März 1990 vom Ministerrat der DDR gegründet. Sie übernahm die Kombinate und damit die Volkseigenen Betriebe (VEB) mit dem Auftrag, sie zu entflechten und die Nachfolgeunternehmen in Kapitalgesellschaften umzuwandeln. Die Privatisierung der VEB und die "Verwertung volkseigenen Vermögens nach den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft" (Treuhandgesetz 2 Abs. 1) rückte ab dem Sommer 1990 stärker in den Fokus.

    Treuhandgesetz
    Im Treuhandgesetz vom 01.07.1990 strebte die Regierung der DDR an, das Volkseigentum, darunter auch die Betriebe, schnellstmöglich zu privatisieren, d. h. an Interessenten zu verkaufen. Das materielle und finanzielle Vermögen des Kombinats VEB Carl Zeiss Jena ging mit dem Gesetz in das Eigentum der späteren Jenoptik Carl Zeiss JENA GmbH über. Alleiniger Gesellschafter war die Treuhandanstalt.
    Details bei der Bundeszentrale für politische Bildung

  • U
  • V

    VEB Carl Zeiss JENA
    Carl Zeiss Jena wurde zum 1.7.1948 gegen den Widerstand der Belegschaft verstaatlicht. Zum VEB Carl Zeiss JENA gehörten die Betriebe für optischen Präzisionsgerätebau, für Mikroskope und wissenschaftlichen Gerätebau, für Optik, für Zulieferung, für Entwicklung wissenschaftlich technischer Ausrüstungen und für Rationalisierung. Außerdem zählten das Forschungszentrum, der Außenhandelsbetrieb, die Betriebe Gera, Saalfeld, Eisfeld und Lommatzsch und der Ingenieurbetrieb für Anlagenbau Suhl zum VEB Carl Zeiss JENA, der 1965 Leitbetrieb der feinmechanisch-optischen Industrie der DDR wurde.

    Volkskammer
    Bezeichnung für das Parlament der DDR, dem formal obersten Gesetzgebungsorgan. Faktisch hatte die Volkskammer bis zur Wende nur ein begrenztes politisches Gewicht, dem die politisch wichtigeren Gremien, Ministerrat und Staatsrat gegenüberstanden und das zudem durch die führende Rolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands eingeschränkt wurde.

  • W

    Wirtschafts- und Währungsunion
    Mit der Wirtschafts- und Währungsunion vom 01.07.1990 wurde die D-Mark als Zahlungsmittel in der DDR eingeführt.

  • X
  • Y
  • Z
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