Für Carl Zeiss in der Welt unterwegs

Zwei Männer Mitte sechzig. Sie haben viele Orte in der Welt gesehen und noch mehr erlebt. Beide als Vertriebsmitarbeiter von Carl Zeiss. Der eine im Auftrag von Oberkochen, der andere für den damaligen VEB Carl Zeiss Jena. Im Sommer 2010 erzählten sie ihre Geschichte.

Über sieben Jahre im Iran

Messestand des VEB Carl Zeiss Jena in Teheran 1980.

Teheran, Ende 1978. Ausgangssperre. Die sonst lebendige Stadt ist stockfinster. Aus dem Dunkel dringen Stimmen hervor, die sich zu lauten Chorgesängen formieren.
„Die Iraner beteten alle auf ihren Dächern“, erinnert sich Hartmut Pache an die Zeit der politischen Unruhen.
Pache, der kurz zuvor sein Außenhandelsstudium abgeschlossen hat, wird bald darauf vom VEB Carl Zeiss Jena in den Iran delegiert, um dort einen Vertrieb aufzubauen. Seine Frau, auch Zeissianerin, und der knapp vierjährige Sohn sind mit dabei. „Die Geschäfte liefen trotz der angespannten Situation gut an“, sagt Pache.

Hartmut Pache an der ZEISS Spaltlampe bei der Messe Iran Med im Jahr 1993.

Hin und wieder wird er in Instituten zu ZEISS Geräten geführt, die nicht aus Jena stammen. „Einmal wies mich ein potenzieller Kunde auf die defekte Beleuchtung an seinem ZEISS Mikroskop hin“, erzählt der heute 63-Jährige. „Es war kein Gerät aus Jena, also rief ich bei der Oberkochener Vertretung in Teheran an.“ Dort trifft Pache zum ersten Mal auf Dieter Noedl, der mit seiner schwangeren Frau, ebenfalls Zeissianerin, gerade aus Ankara kommt.
Mit allen Ausländern werden beide Familien vor Weihnachten aus dem Iran evakuiert. Pache kehrt kurze Zeit später nach Teheran zurück und bleibt insgesamt sieben Jahre im Iran.

1992 in Jena: Pache und Noedl bei einer Vertriebsfeier.

Dann kommt die Wiedervereinigung in Deutschland. Der ersten Euphorie folgt wie bei vielen die Angst um den Arbeitsplatz. „Ich hatte die Kündigung schon in der Hand“, sagt Pache, der dann aber doch einen Job im wiedervereinigten Unternehmen in Jena findet. Ab 1995 verantwortet er den Mikroskopievertrieb im Mittleren Osten. 1992 treffen sich die Lebenswege von Pache und Noedl erneut.

Von Algier nach Jena

Noedl zeigt 1992 dem Präsidenten von Singapur am ZEISS Messestand ein Operationsmikroskop.

Nachdem Noedl den Iran verlassen hatte und seine Tochter in Heidenheim zur Welt gekommen war, erhielt er das Angebot, für Carl Zeiss in Singapur zu arbeiten. „Dort war ich ab Mitte 1979 im Vertrieb unter anderem für Thailand und Malaysia zuständig“, sagt Noedl, der insgesamt 15 Jahre in Südostasien lebte. In dieser Zeit schließt er zahlreiche Aufträge ab, darunter auch für ein Planetarium in Ost-Malaysia. An seinen Aufenthalt in Asien erinnert er sich gern.

Dieter Noedl auf Fotosafari in Kenia.

Auf die Frage nach der schönsten Zeit in seinem Berufsleben antwortet er: „Als ich in den Sechzigerjahren in Afrika gearbeitet habe“. Kurz nach seiner Ausbildung zum Feinmechaniker bei Carl Zeiss in Oberkochen geht er nach Kenia. Dort ist er zunächst beim Deutschen Entwicklungsdienst in Nairobi für die verschiedensten wissenschaftlichen Instrumente im Land zuständig. Später übernimmt er den Kundendienst der Carl Zeiss Vertretung in Kenia. „Das war ein Abenteuer. Ich war jung, konnte Land und Leute kennenlernen und sogar den Kilimandscharo besteigen“, erzählt der heute 66-Jährige begeistert.

Noedl in der ZEISS Vertretung in Nairobi.

1993 erhält Noedl noch einmal die Möglichkeit, in Nordafrika, genauer in Algerien, zu arbeiten. Aber auch dort spitzt sich die Lage wegen des Bürgerkriegs zu, sodass Noedl 1994 nach Oberkochen zurückkehrt.
In Jena arbeitet er ab 1997 im Vertrieb für die Mikroskopie und ist da für Asien und Australien verantwortlich. Drei Jahre später wird der Mikroskopvertrieb verlagert – auch Noedl und Pache gehen nach Göttingen und sind dort noch bis zu ihrem Ruhestand tätig.

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