Kinder der Wende

Sie wurden geboren, nachdem die Mauer gefallen war, die Ost und West für 40 Jahre trennte: Tobias Filp und Tim Hoga absolvieren gerade ihre Ausbildung bei Carl Zeiss in Oberkochen, Tina Vogler und Nils Puschendorf am Standort Jena. Sie haben die Grenze selbst nicht mehr erlebt, sind alle in einem wieder vereinten Deutschland aufgewachsen.

In einem Interview mit Redakteuren des Mitarbeitermagazins von Carl Zeiss, CZiB, im Herbst 2009 erzählten sie, was sie über die DDR wissen und was ihnen die deutsche Einheit bedeutet.

CZiB: Was wisst ihr über die DDR?

TIM: Eigentlich weiß ich nur das, was wir in der Schule hatten. In der DDR gab es die Planwirtschaft mit festen Preisen für Produkte. Darüber habe ich einmal einen Vortrag gehalten.

TINA: Für uns wurde das Thema DDR und Mauerfall in der Schule auch relativ flach gehalten. Im Vordergrund standen eher die geschichtlichen Hintergründe der Zeit davor. Von meinen Eltern weiß ich auch nicht sehr viel. Sie haben manchmal über die Pionierorganisation gesprochen und die Lieder, die dort gesungen wurden.


CZiB: Was fällt euch zur Wiedervereinigung ein?

TIM: Über den Mauerfall und wie alles zustande gekommen ist, haben wir auch nur grob in der Schule gesprochen. Über Gorbatschow und Kohl und dass die Menschen aus dem Osten in den Westen gestürmt sind.


CZiB: Ist die deutsche Wiedervereinigung für euch heute überhaupt noch ein Thema?

TOBIAS: Unter Freunden, also im privaten Bereich, eigentlich nie. Wir können uns selbst gar nicht vorstellen, wie es damals war. Wir sind auf die Welt gekommen, wo alles eins war.

TINA: Ich persönlich denke, dass in unserer Generation dieser Konflikt Ost-West eigentlich kaum eine Rolle spielt und es nur wenige Unterschiede gibt. Wir sind einfach in die Zeit hineingeboren und kennen es nicht anders.


CZiB: Gibt es denn noch Vorurteile zwischen Ost und West?

NILS: Nicht direkt, obwohl wir manchmal wegen unseres Thüringer Dialektes etwas belächelt werden, besonders im Urlaub.

TIM: Mit dem Schwäbischen ist das auch nicht anders.


CZiB: Dann erübrigt sich die Frage, ob ihr euch als Ossis beziehungsweise Wessis fühlt?

TINA: Ich fühle mich als Deutsche.
(Anmerkung der Redaktion: Alle anderen nicken.)


CZiB: Welche Erfahrungen habt ihr mit der anderen Seite?

TINA: Ich bin in Jena Vorsitzende der Jugendausbildungsvertretung und reise deshalb für Lehrgänge häufig in die alten Bundesländer. Ich wurde immer genauso behandelt wie jeder andere Teilnehmer. Da wurden keine Unterschiede gemacht.


CZiB: Wie sieht es innerhalb von Carl Zeiss aus? Gibt es da Vorurteile zwischen Ost und West?

TOBIAS: Carl Zeiss ist Carl Zeiss. Es ist ein Betrieb und wir gehören zusammen. Da gibt es keinen großen Unterschied.

NILS: Ich würde mir manchmal noch mehr Austausch wünschen, besonders auch unter den Azubis. Man weiß gar nicht so viel über den Hauptsitz in Oberkochen.


CZiB: Was wäre, wenn euch nach der Ausbildung eine Stelle am jeweils anderen Standort angeboten würde?

TIM: Ich habe hier die Familie und meine Freundin, spiele aktiv Handball. Da fällt das nicht so leicht: Carl Zeiss ist allerdings ein Betrieb mit einem großen Namen. Das ist ja wie bei den Fußballprofis. Als Real Madrid Mesut Özil gefragt hat, ob er nach Madrid gehen will, da hat er auch Ja gesagt. Solche Chancen lässt man sich nicht entgehen …

TINA: Heutzutage stehen einem viele Wege offen und als junger Mensch muss man auch flexibel sein. Warum nicht Oberkochen? Warum nicht mal ins Ausland?


CZiB: Wie stellt ihr euch eure Zukunft bei Carl Zeiss vor?

TOBIAS: Ich möchte zuerst meine Ausbildung erfolgreich beenden und dann weiter bei Carl Zeiss arbeiten und eventuell studieren.

TINA: Ich möchte nach meiner Ausbildung erst mal arbeiten und ein bisschen Geld verdienen, dann aber versuchen, über den Betrieb irgendwelche Weiterbildungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Ich habe mein Abitur gemacht, ich denke, dass mir da einige Wege offenstehen.

 

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