Die Geschichte eines Unternehmens und seiner Mitarbeiter

Stefan Richard, Industriemechaniker bei Carl Zeiss in Jena, ist 22 Jahre alt und wie sein jüngerer Bruder Harald bereits in der vierten Generation bei Carl Zeiss. Der Vater hat hier gearbeitet, die Tante, der Onkel, alle Großeltern und zwei Urgroßväter. In einem Interview mit Redakteuren des Mitarbeitermagazins von Carl Zeiss im Frühjahr 2011 erzählten drei Familienmitglieder über ihre Arbeit bei dem Unternehmen.

 

Herbert Blumentritt

Herbert Blumentritt (75 Jahre)

1950 bis 1992 bei Carl Zeiss in Jena

„Schon mein Vater war bei Carl Zeiss. Eigentlich stammte er aus Bad Kösen in Sachsen-Anhalt und hat Dreher im Kalkwerk gelernt. Als ein Schulfreund 1925 nach Jena fuhr, um sich bei Carl Zeiss zu bewerben, ist er mitgefahren. Den Freund haben sie nicht eingestellt, dafür wollten sie meinen Vater, denn Dreher waren in der Schleiferei für den Planetariumsbau dringend gesucht.

Nach meiner Schule 1950 fing ich eine Ausbildung zum Feinmechaniker bei Carl Zeiss an und bin dann durch einen glücklichen Umstand gleich in der Versuchswerkstatt gelandet. Eigentlich hatte ich aber immer einen anderen Traum: Ich wollte unbedingt zur Feuerwehr. Mein Vater war seit 1930 bei der Betriebsfeuerwehr bei Carl Zeiss – das war ansteckend. Immer wenn ich mein Fahrrad vor dem Werk abholte, konnte ich die Feuerwehrleute beim Üben beobachten.

 

Nach Abschluss meiner Lehre 1952 habe ich mich bei der Freiwilligen Feuerwehr angemeldet und zuerst nebenberuflich dort gearbeitet. 1968 wurde ich dann stellvertretender Feuerwehrleiter und war endlich hauptamtlicher Feuerwehrmann. Der Dienst ging 24 Stunden lang – von sieben bis sieben. Eine Wachgruppe blieb über Nacht und ging dann gleich wieder zur Arbeit. Da kamen schon rund 500 Stunden extra im Jahr für die Feuerwehr zusammen, was für die Familie oft nicht leicht war. Aber meine Frau wusste, dass die Feuerwehr an erster Stelle steht, bevor sie mich geheiratet hat. Nach der Wende wurde dann alles neu aufgeteilt, auch die Feuerwehr. 1992 bekamen meine Frau und ich die Möglichkeit, früher in den Vorruhestand zu gehen. Das war damals eine gute Lösung.“

Frank Richard

Frank Richard (50 Jahre)

1977 bis 1992 bei Carl Zeiss in Jena

„Seit ich denken kann, kenne ich Carl Zeiss. Mein Großvater hat bei Carl Zeiss gearbeitet, mein Vater auch, außerdem war der Patenbetrieb meiner Schule der M-Betrieb, wo die Mikroskope gefertigt wurden. Dort haben alle älteren Schüler zweimal im Monat gearbeitet. Carl Zeiss war also einfach überall.

Als Kind habe ich mich sehr für Flugzeugmodellbau interessiert. Ich ging in die Arbeitsgemeinschaft Flugzeugbau und habe alle möglichen Sachen zusammengebaut, auch ohne Anleitung. Ich bin dann nach der Schule zu Carl Zeiss gegangen, um Werkzeugmacher zu werden. Danach musste ich drei Jahre zur Armee. Ich wollte unbedingt zu den Luftstreitkräften, dort arbeitete ich als Flugzeugmechaniker. Dann ging es zurück zu Carl Zeiss, dort war ich bis 1992. Als das Hauptwerk aufgelöst wurde, erhielt ich die Kündigung und war maßlos enttäuscht.

 

Mein Sohn war gerade zwei Jahre alt, sein Bruder eineinhalb Jahre und meine Frau war Hausfrau. Ich kam in die sogenannte Warteschleife. Einmal im Monat musste ich fragen, ob es etwas für mich gibt. Während dieser Zeit begann ich meine Arbeit in der Motorradwerkstatt eines Bekannten. Nach 15 Jahren hat sich das Geschäft aber nicht mehr gelohnt. Seit 2007 arbeite ich bei der Firma LUCAS, die von einem ehemaligen Zeissianer gegründet wurde. Ich bin sehr stolz auf meine Söhne, die sich wirklich toll entwickelt haben. Ich konnte meine Interessen und Neigungen an beide weitergeben, besonders die handwerklichen Fähigkeiten. Ich würde gern wieder bei Carl Zeiss arbeiten, da ich mich immer noch als Zeissianer fühle.“

Stefan Richard

Stefan Richard (22 Jahre)

seit 2005 bei Carl Zeiss in Jena

„Die Begeisterung für die Feuerwehr habe ich von meinen Großvätern geerbt. Früher, wenn wir unseren Vater von der Arbeit abgeholt haben, sind wir noch oft zu Opa in die Feuerwehr. Das war das Größte für meinen Bruder und mich – da haben wir uns den Virus eingefangen. Aber auch der Modellbau faszinierte mich schon sehr früh. Ich habe gern mit Legosteinen gespielt. Ich kann mich noch erinnern, dass die Legosteine in alten Carl Zeiss Kisten nach Farbe sortiert waren. Unser Vater hat auch immer viel Wert auf einen ordentlichen Arbeitsplatz gelegt: Pinzetten und andere Werkzeuge waren immer sauber auf dem Tisch angeordnet. Eines Tages bekamen wir einen Modellbaukasten, den wir zu dritt zusammenbauten. Das war so toll, dass ich von da an meine Zeit in den Modellbau gesteckt habe. Feilen, Schleifen, Spachteln und Lackieren waren für mich das Schönste.

 

Die Schule fiel mir leicht und mit meinem guten Abschluss standen mir eigentlich alle Türen offen. Ich hatte bereits die Zusage, bei der Bundeswehr Industriemechaniker zu lernen. Nachdem ich aber eine Schnupperlehre im Jenaer Bildungszentrum gemacht habe, wollte ich lieber zu Carl Zeiss. 2005 habe ich dann glücklicherweise meine Ausbildung angefangen und durchlief innerhalb der dreieinhalb Jahre verschiedene Bereiche. Als ich als frischgebackener Industriemechaniker im Funktionsmusterbau eingesetzt wurde, war das für mich wie ein Hauptgewinn. Ich konnte montieren, drehen und fräsen – einfach perfekt. Statt Wehr- oder Zivildienst habe ich mich für die nächsten sechs Jahre beim Katastrophenschutz der Feuerwehr verpflichtet.“

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