Wer war Carl Zeiss?

Eine Biografie

Carl Zeiss wurde am 11. September 1816 in Weimar geboren. Seit 1846 stellte er in Jena Mikroskope her. Gemeinsam mit Ernst Abbe gelang es ihm den Mikroskopbau auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Das war der Grundstein für das heute weltweit agierende Unternehmen ZEISS.

Erfahren Sie mehr über den Firmengründer Carl Zeiss und seinen Lebensweg.

Vorfahren

Von Buttstädt nach Weimar

Die Vorfahren von Carl Zeiss lebten in kleinen Landgemeinden rund um Weimar. Sie waren Handwerker, Staatsbedienstete und Pfarrer.

Kindheit und Jugend

1816 bis 1834

Goethe, Schiller, Herder und Wieland, die vier berühmtesten deutschen Dichter ihrer Zeit, dazu der „Musenhof“ um die hoch gebildete Herzogin Anna Amalia – Weimar zu Beginn des 19. Jahrhunderts gilt als Wiege nationaler Kultur. Neuere historische Forschungen zeigen, dass dieses Bild unvollständig ist. Tatsächlich war Weimar viel eher eine Stadt der Handwerker. Sie erbrachten einen Großteil der lokalen Wirtschaftsleistung. Die zahlungskräftigsten Kunden kamen aus der herzoglichen Familie und dem dazugehörigen Hofstaat einschließlich der hohen Beamtenschaft. Luxusgüter waren gefragt und entsprechend groß war die Bandbreite kunstfertiger Gewerke.

In dieses Umfeld wurde Carl Zeiss am 11. September als Sohn von Friederike Zeiss und dem Hofdrechselmeister August Zeiss geboren.

Zeitgenossen in Weimar
Goethe (1749 - 1832) © Wikimedia Commons- public domain
Goethe (1749 - 1832) | Der 'Dichterfürst' Johann Wolfgang v. Goethe (1749 – 1832) wird heute als der Haupt-Repräsentant der deutschsprachigen Dichtung sowie Wegbereiter des 'Sturm und Drang' und der 'Klassik' angesehen. Seit 1775 wirkte er in Weimar. Er bekleidete zahlreiche politische und administrative Ämter, etwa ab 1776 als 'Geheimer Legationsrat' und ab 1782 als 'Finanzminister'. Neben seinen administrativen und schriftstellerischen Arbeiten veröffentlichte er auch systematische Naturstudien.
Christian August Vulpius (1762 – 1827) © Wikimedia Commons / public domain
Christian August Vulpius (1762 – 1827) | Er war der Schwager Goethes. Er und natürlich auch seine Schwester hatten gemeinsame Vorfahren mit Carl Zeiss. Der Bibliothekar verfasste viel gelesene Trivialliteratur. Der Roman 'Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann' und seine Fortsetzungen machten ihn berühmt.
Caroline Jagemann (1777 – 1848) © Wikimedia Commons / public domain
Caroline Jagemann (1777 – 1848) | Sie lebte von 1806 bis zu ihrem Tod 1848 in Weimar am Herderplatz 16. Sie gilt heute nicht nur als eine der bedeutendsten tragischen Schauspielerinnen der Weimarer Klassik, sondern sie hatte als Intendantin des Hoftheaters auch einen starken Einfluss auf die Theaterszene Weimars. Sie war zudem die Geliebte des Herzogs Karl August.
Maria Pawlowna (1786 – 1859) © Wikimedia Commons / public domain
Maria Pawlowna (1786 – 1859) | Die Großfürstin von Russland und Tochter des russischen Zaren Paul I., wurde 1804 durch ihre Vermählung mit Carl Friedrich Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1828 war sie Großherzogin und erlangte vor allem als Förderin der Künste und durch ihr soziales Engagement am Weimarer Hof besondere Bedeutung. Sie verlieh der Stadt neuen Glanz.
Johann Peter Eckermann (1792 – 1854) © Wikimedia Commons / public domain
Johann Peter Eckermann (1792 – 1854) | Er war Schriftsteller, enger Vertrauter Goethes, Lehrer des Erbprinzen Carl Alexander und Bibliothekar der Großherzogin Maria Pawlowna. Er lebte von 1823 bis zu seinem Tod 1854 in Weimar. Besonders für seine 'Gespräche mit Goethe' ist er heute bekannt. Er wohnte zeitweise in der Marktstraße 9, nahe von Carl Zeiss' Geburtsstätte.
Franz Liszt (1811 – 1886) © Wikimedia Commons / public domain
Franz Liszt (1811 – 1886) | Der weithin bekannte Komponist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller lebte von 1843 bis 1861 in Weimar. Er wirkte hier als Kapellmeister des Großherzogs.

Stationen seiner Jugend in Weimar
Stadtplan, 1826. Quelle: Klassik Stiftung Weimar

Ausbildung und Wanderjahre

1834 bis 1845

Carl Zeiss verließ Ostern 1834 seine Heimatstadt und wählte als erste Station seines weiteren Bildungsweges ein naheliegendes Ziel: Jena, gut 20 Kilometer östlich gelegen und Sitz der Landesuniversität.
In Jena bestimmte die Universität über Wohl und Wehe der Stadt. Die cives academici – Studierende, Professoren und andere Universitätsangehörige, die allesamt einer eigenen Gerichtsbarkeit unterstanden – machten zwar weniger als ein Fünftel der städtischen Bevölkerung aus, aber ihre Wirtschaftskraft ging weit darüber hinaus.

Während in Weimar die Herstellung von Luxusgütern florierte, besaß Jena eine größere Bandbreite an technischen Gewerken wie Kupferschmieden, Uhrmacher- und Mechanikerwerkstätten, die zum Teil von Aufträgen mit wissenschaftlichem Bezug lebten.
Ansonsten bot die Stadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein trübes Bild. Nach einer kurzen Blüte um 1800, die mit Namen wie Friedrich Schiller, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Schelling, Johann Gottlieb Fichte oder Friedrich Schlegel verbunden ist, befand sich die Universität im Niedergang. Erst allmählich stieg die Zahl der Studenten wieder.

Wegmarken seiner Ausbildung
Karte des Deutschen Bundes ab 1830. Quelle: GEI-Digital

Unternehmensgründung

1846 in Jena
Carl Zeiss im 34./35. Lebensjahr © Carl Schenk, ZEISS Archiv
Carl Zeiss im 34./35. Lebensjahr

Elf Jahre beruflicher Ausbildung lagen hinter Carl Zeiss, als er am Michaelistag (29. September) des Jahres 1845 nach Jena zurückkehrte. Bevor an die Gründung einer Firma zu denken war, benötigte Zeiss eine Aufenthaltsgenehmigung. Der einfachste Weg bestand in der Immatrikulation an der Universität.

Erst am 10. Mai 1846 richtete Zeiss dann ein Gesuch um Bewilligung der Niederlassung als Mechaniker an die Großherzogliche Landesdirektion. Trotz seiner ausgezeichneten Referenzen musste er sich einer umfangreichen fachlichen Eignungsprüfung bei der Weimarer Oberbaubehörde unterziehen. Zeiss machte in seinen Antworten keinen Hehl daraus, dass er die Prüfungsfragen als Zumutung und Zeitverschwendung betrachtete.

Die Behörde war darüber offenbar verschnupft und ließ den Antrag erst einmal liegen. Am 21. Oktober wurde Carl Zeiss ungeduldig und fragte nach. Erst jetzt holte der zuständige Baurat den Vorgang wieder aus der Schublade. Nun ging alles reibungslos: Am 19. November 1846 erteilte die Landesdirektion in Weimar Zeiss die Konzession und informierte den Jenaer Stadtrat; am 26. November erhielt Zeiss eine entsprechende Mitteilung von ihm und am 8. Dezember wurde er Bürger von Jena.

Einfaches Mikroskop aus dem Jahr 1847 (Sammlung Mappes)
Einfaches Mikroskop aus dem Jahr 1847 (Sammlung Mappes)

Stationen in Jena
Stadtplan, 1892. Quelle: Stadtmuseum Jena

Zeitgenossen in Jena
Jakob Friedrich Fries (1773 – 1843) © Wikimedia Commons/public domain
Jakob Friedrich Fries (1773 – 1843) | Im Wintersemester 1835/36 besuchte Carl Zeiss ein Kolleg über Experimentalphysik bei ihm. Fries hatte wegen seiner Nähe zu demokratischen Kreisen 1819 seine Professur verloren. 1824 erhielt der überzeugte Burschenschafter und Antisemit die Erlaubnis, wieder Vorlesungen zu halten, allerdings zunächst nur in den 'unpolitischen' naturwissenschaftlichen Fächern. Von ihm gingen wichtige Impulse für die beobachtenden Naturwissenschaften aus.
Johann Wolfgang Döbereiner (1780 – 1849) © ZEISS Archiv
Johann Wolfgang Döbereiner (1780 – 1849) | Der Chemiker und Apotheker gilt als einer der wichtigsten Vordenker des Periodensystems der Elemente. Berühmt ist das nach ihm benannte Feuerzeug, das mit Schwefelsäure funktioniert. Er erhielt 1810 von Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach die außerordentliche Professur für Chemie und Pharmazie an der Universität Jena. Zusammen mit Friedrich Körner befasste er sich mit der Glasherstellung.
Karl Snell (1806 – 1886) © ZEISS Archiv
Karl Snell (1806 – 1886) | Der Mathematiker, Physiker und Naturphilosoph war Professor an der Universität Jena. In dieser Funktion war er nicht nur der Lehrer von Gottlob Frege, sondern auch Förderer der akademischen Laufbahn Ernst Abbes. Durch seine Verbindungen zu Abbe und durch sein Engagement als liberaler Politiker und Gegner Bismarcks hatte er auch einen Einfluss auf das Statut der Carl Zeiss-Stiftung.
Ernst Haeckel (1834 – 1919) © ZEISS Archiv
Ernst Haeckel (1834 – 1919) | Der über den deutschen Sprachraum hinaus bekannte Biologe schätzte die Instrumente aus Carl Zeiss' Werkstatt als Wissenschaftler und stand auch in Briefkontakt mit Carl Zeiss. Er beantragte die Ehrendoktorwürde der Universität Jena für Carl Zeiss.
Rudolf Eucken (1846 – 1926) © ZEISS Archiv
Rudolf Eucken (1846 – 1926) | wurde 1874 auf eine Professur für Philosophie an der Universität in Jena berufen. 1908 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Trotzdem ist sein Werk heute weitgehend vergessen.
Gottlob Frege (1848 – 1925) © Wikimedia Commons/public domain
Gottlob Frege (1848 – 1925) | Heutige Computertechnik und Informatik wäre ohne die Entwicklung der formalen Sprache durch den Mathematiker, Philosophen und Logiker nicht denkbar. Ernst Abbe war einer seiner Lehrer. Sein Studium und seine Professur wurden durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert.
Gründer
Historisches Mikroskop
1846
Der Gründer
1. Einfaches Mikroskop

Frühes Unternehmen

1846 bis 1857

Zeiss hatte das Glück, bereits mit der ersten Stellenausschreibung einen Mitarbeiter zu gewinnen, der entscheidend zum Aufstieg der Firma beitragen sollte: August Löber (1830 – 1912).

Der Handwerkersohn war mit 17 Jahren eigentlich zu alt für die von Zeiss avisierte Position, jedoch befand er sich in einer sozialen Notlage, weil im Januar 1847 sein Vater verstorben war. Ob dies ein Grund für die Einstellung war und ob es in der kleinen Stadt Jena überhaupt weitere Bewerber gab, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass Löber in 44 Dienstjahren von der Hilfskraft zum Werkmeister und schließlich zum Leiter der Fertigung und zum wichtigsten Ausbilder aufstieg. Moritz von Rohr berichtet, wie Löber in einer späteren Phase seiner Karriere am Umsatz beteiligt und zu einem wohlhabenden Mann wurde. Dies beweist die außergewöhnliche Wertschätzung, die der Werkmeister im Unternehmen genoss, obwohl er innerhalb der Belegschaft als reizbarer und autoritärer Vorgesetzter galt.

Werkmeister August Löber mit Mechanikern und Lehrlingen, 1864

v.l.n.r.: Carl Müller, Friedrich Pfaffe, Joseph Rudolph, Wilhelm Böber, Heinrich Pape, Fritz Müller und August Löber (Foto: ZEISS Archiv).

Was wurde aus Ihnen?

Carl Müller (1849 – 1909)

Mit Eintritt 1864 gehörte er zu den frühesten Lehrlingen und Gesellen. Er qualifizierte sich zum Werkmeister in der Linsenfasserei und seit 1890 bei den photographischen Objektiven. Später wurde er die letzte Prüfinstanz für Ferngläser. (Foto: ZEISS Archiv)

Friedrich Pfaffe (1849 – ?)

Am 06.09.1863 begann er seine Tätigkeit bei Carl Zeiss als Schleifer. (Foto: ZEISS Archiv)

Joseph Rudolph (1841-1914)

Mit Eintritt am 23.02.1857 bildete ihn August Löber als zweiten Optikerlehrling aus. Er wurde später zum Werkmeister der Schleiferei für Mikrolinsen. (Foto: ZEISS Archiv)

Wilhelm Böber (1847 – ?)

Er war ab 15.04.1861 als dritter Optikerlehrling angestellt. Etwa seit 1883 stellte er Front- und Minerallinsen in seiner Privatwohnung als 'Heimoptiker' her. (Foto: ZEISS Archiv)

Heinrich Pape (1849-?)

Eingetreten am 02.01.1864 als Dreher, war er noch bis 1910 bei Carl Zeiss tätig. (Foto: ZEISS Archiv)

Fritz Müller (1847 – 1919)

Der begnadete Optiker trat 1861 in die Firma ein und wurde von Carl Zeiss persönlich angelernt. Bald schon leitete er die Mikrofasserei. Er war noch bis zu seiner Pensionierung 1913 als Obermeister bei Zeiss beschäftigt. (Foto: ZEISS Archiv)
1846-1857
5 Mitarbeiter
1. Zusammengesetztes Mikroskop

Familie

Heirat und Kinder
Carl Zeiss und Frau Ottilie mit Schwiegertochter, geb. Franziska Thierbach um 1885.
Carl Zeiss und Frau Ottilie mit Schwiegertochter, geb. Franziska Thierbach um 1885.

Über Carl Zeiss als Privatmensch weiß man nur wenig. Durch die Frau seines älteren Bruders hatte er offenbar Kontakt zu der Pastorenfamilie Schatter im thüringischen Neunhofen gefunden. Am 29. Mai 1849 heiratete Zeiss die Tochter des Pfarrers, Bertha Schatter.

Zeiss vertraute Jahre später seinem Freund K. O. Beck an, dass er damals eine glückliche Wahl getroffen habe, auch wenn die Braut praktisch kein Vermögen besaß. Das Eheglück währte nur kurz, denn schon einen Tag nach der Geburt des ersten Sohnes Roderich am 23. Februar 1850 verstarb Bertha. Sie wurde nur 22 Jahre alt.

In dieser Situation konnte sich Zeiss erneut auf die Unterstützung der Familie verlassen. Der als Halbwaise geborene Sohn Roderich wurde zunächst von den Schwiegereltern in Neunhofen aufgenommen. Therese Schatter pflegte ihren neu geborenen Enkel bis zu ihrem Tod im Februar 1851, fast genau ein Jahr nach dem Tod der Tochter. Nun nahm sich Zeiss' mittlere Schwester Hulda Roderichs an. Auch sie scheint oft in Neunhofen gewesen zu sein.

Im Jahr 1853 heiratete Zeiss erneut – und zwar Ottilie Trinkler (1819 – 1897), eine Pfarrerstochter aus der Stadt Triptis in Ostthüringen, die mit Zeiss’ erster Braut weitläufig verwandt war. Carl Zeiss selbst hat seine beiden Ehefrauen später wohlwollend als „geistliche Landpomeranzen“ bezeichnet. Aus der Ehe mit Ottilie gingen drei Kinder hervor: Karl Otto (1854 – 1925), Hedwig (1856 – 1935) und Sidonie (1861 – 1920).

Manual -Ein- und Ausnahmen dokumentiert
Im Manual notierte Carl Zeiss von 1848 bis 1863 akribisch seine Einnahmen und Ausgaben. Es dokumentiert nicht nur den Geschäftsverlauf eines kleinen Handwerksbetriebes, sondern hier sind auch die privaten Ausgaben verzeichnet. Das macht es zu einer hervorragenden sozialgeschichtlichen Quelle.

Bürger und Unternehmer

1857 bis 1866

Im Juli 1858 wurde Carl Zeiss durch das Großherzogliche Obereichamt in Weimar als stellvertretender Obereichmeister verpflichtet. Dadurch fiel ihm im Raum Jena die Aufsicht über Maße und Gewichte zu. Im September 1860 wurde er zum Universitätsmechaniker ernannt.

Ein weiteres Zeugnis gestiegenen Renommees war die Berufung zum Hofmechanikus im Jahr 1863.Von 1863 bis 1867 war er Mitglied im Gemeinderat. Gleichzeitig wurde er in seinem Stadtteil zum „Armenpfleger“, also zum ehrenamtlichen Verwalter der Spenden und Geldmittel für die kommunale Sozialfürsorge, bestimmt. 

Carl Zeiss Anfang der 1880er Jahre © Carl Bräunlich, ZEISS Archiv
Carl Zeiss Anfang der 1880er Jahre

1866 war für Carl Zeiss das erfolgreichste Jahr seit Gründung der Firma. 192 Mikroskope wurden fertiggestellt – 81 mehr als im Vorjahr. Carl Zeiss war also bereits ein erfolgreicher Unternehmer und ein angesehener Bürger, als sein Leben noch einmal eine entscheidende Wende nahm.

Zusammengesetztes Mikroskop aus dem Jahr 1862 (Sammlung Mappes)
Zusammengesetztes Mikroskop aus dem Jahr 1862 (Sammlung Mappes)
Historisches Mikroskop
1857-1866
5-6 Mitarbeiter
1.000 Mikroskope

Wegbegleiter Ernst Abbe

1866 bis 1878

Carl Zeiss hatte schon mehrfach versucht, die Herstellung von Mikroskopobjektiven auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Die Versuche von Friedrich Wilhelm Barfuß hatten zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt.

1866 begann er eine Zusammenarbeit mit Ernst Abbe.

Zunächst widmete sich Abbe der Entwicklung verschiedener Messgeräte zur genaueren Bestimmung der optischen Eigenschaften von Linsen – eine wichtige Voraussetzung für die rationelle Fertigung.

Die Arbeitsteilung zwischen Mechanik und Optik wurde intensiviert. Zugleich konstruierte Abbe einen neuartigen Beleuchtungsapparat. 

Ernst Abbe im Jahr 1888 © Carl Bräunlich, ZEISS Archiv
Ernst Abbe im Jahr 1888
Reisemikroskop nach Strasburger IIIc aus dem Jahr 1876 (Sammlung Mappes)
Reisemikroskop nach Strasburger IIIc aus dem Jahr 1876 (Sammlung Mappes)

1869 begann er mit der Berechnung von Objektiven. Diese Aufgabe stellte sich aber als schwierig heraus. Erst nach langwierigen Berechnungen und Versuchen gelang es, den Erfahrungsrückstand der Zeiss’schen Werkstatt gegenüber den seit langem etablierten Wettbewerbern auszugleichen und diese schließlich zu überflügeln.

Am 12. September 1871 konnte Abbe den Konstruktionsplan für ein starkes Wasser-Immersionsobjektiv präsentieren. Seit 1872 wurden alle Mikroskopobjektive nach den Berechnungen von Abbe hergestellt.

Immersionsobjektive

Ein durchschlagender Erfolg

Das erste homogene Öl-Immersionsobjektiv, dessen Entwicklung auf die Anregung von John Ware Stephenson zurückging, wurde seit Frühjahr 1877 gefertigt. Hierbei nutze man zwischen Untersuchungsobjekt und Objektiv eine Immersionsflüssigkeit, etwa Zedernholzöl, mit einem deutlich höheren Brechungsindex als Luft. Damit verbesserte sich – neben anderen Vorteilen wie der Reduzierung von Reflexionen – die Auflösung des Mikroskops spürbar.

Am 8. Januar 1879 konnte Abbe seinem Freund Anton Dohrn vom Erfolg des neuen Produkts berichten:

,,Bei Zeiss geht es in letzter Zeit sehr gut. Wir sind mit einem Vierteljahr stets im Gedränge, um den Bestellungen entsprechen zu können. Namentlich haben die neuen Objektive (Oel-Immersion) – von welchen Sie schändlicherweise noch immer kein Exemplar erhalten haben, weil die fertig werdenden abgehen wie die warmen Semmeln – das Prestige der Werkstatt in Deutschland und außerhalb stark gehoben.

Im letzten halben Jahr haben wohl alle Berliner Institute, bei denen wir bisher noch gar keinen Fuss gefasst hatten, grosse Mikroskope hier bestellt.“

Immersionsobjektiv K von 1881 (Foto: Timo Mappes) Schnittbild der Homogenen Immersion (Foto: ZEISS Archiv)
Immersionsobjektiv K von 1881 (Foto: Timo Mappes)
Schnittbild der Homogenen Immersion (Foto: ZEISS Archiv)
Mitarbeiter
Historisches Mikroskop
1866-1878
30-60 Mitarbeiter
2.000 Mikroskope

Mikroskope für die Wissenschaft

Die 20 wichtigsten Auslieferungsorte von 1847 bis 1889
Mikroskoplieferungen 1847 – 1869
Mikroskoplieferungen 1847 – 1869
Mikroskoplieferungen 1847 – 1869 & 1870 – 1889
Mikroskoplieferungen 1847 – 1869 & 1870 – 1889
Mikroskoplieferungen 1870 – 1889
Mikroskoplieferungen 1870 – 1889

Die Grafik zeigt jeweils die wichtigsten Abnehmerorte für die beiden Zeitperioden 1847 bis 1869 und 1870 bis 1889. In den ersten 20 Jahren dominierten Residenzstädte im regionalen Umfeld von Jena und einige deutsche Universitäts- und Handelsstädte. Dazu kamen noch einzelne Orte im damaligen Russland. Dort hatten Absolventen der Jenaer Universität eine wichtige Vermittlerposition. Im zweiten Zeitraum dominieren die großen Wissenschaftszentren und Handels-Metropolen in Westeuropa. Dazu kommt New York. Auch Großhändler spielten inzwischen eine bedeutende Rolle, so in Cambridge und in Delft.

1847 – 1869 1.308 Mikroskope
1870 – 1889 13.228 Mikroskope

Quelle: ZEISS Archiv BACZ 7710-7713.
(Foto: Europakarte 1890, Quelle: GEI-Digital: http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-9923482)

Die Mikroskope in der Forschung

Albert von Kölliker (1817 – 1905) © Wikimedia Commons/public domain
Albert von Kölliker (1817 – 1905) | Der deutsche Anatom und Physiologe gilt heute als einer der Begründer der Histologie. Er arbeitete unter anderem zu den Leydig-Zellen und griff hierfür auf technische Entwicklungen wie die Einführung der homogenen Öl-Immersions-Linse durch Carl Zeiss und Ernst Abbe 1878 zurück. In der Festschrift zu seinem 70. Geburtstag hob er an mehreren Stellen die Bedeutung dieser technischen Entwicklungen durch Zeiss hervor.
Rudolf Virchow (1821 – 1902) © Wikimedia Commons/public domain
Rudolf Virchow (1821 – 1902) | Der deutsche Arzt und Pathologe, Professor an der Universität Würzburg und an der Berliner Charité, gilt als Begründer der modernen Pathologie und als einer der zentralen Wegbereiter der Zelltheorie. Daneben wurde er vor allem als Beförderer einer 'Sozialen Medizin' und durch sein Engagement für eine medizinische Grundversorgung geschätzt. Auch er nutzte für seine wissenschaftlichen Arbeiten Mikroskope von Carl Zeiss.
Louis Pasteur (1822 – 1895) © Wikimedia Commons/public domain
Louis Pasteur (1822 – 1895 | Der französische Chemiker und Mikrobiologe leistete vor allem durch seine Forschung im Bereich der Impfstoffe und durch den Nachweis, dass es sich bei der Impfung um ein allgemeines Prinzip handelt, entscheidende Beiträge zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten. Mit der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Milzbrand und später auch gegen Tollwut legte er den Grundstein für die Entwicklung einer Impfstoff-Industrie.
Leopold Dippel (1827 – 1914) © Heinrich Schenk
Leopold Dippel (1827 – 1914) | Der deutsche Botaniker testete mikroskopische Optiken und veröffentlichte bahnbrechende Arbeiten im Bereich der Mikroskopie. Über die Mikroskope von Zeiss schrieb er 1867 in 'Das Mikroskop und seine Anwendung': 'Schon bei der Besprechung des einfachen Mikroskopes hatte ich Veranlassung, Herrn Zeiss, welchem dieses Hülfsmittel der Forschung manche wichtige Verbesserung verdankt, rühmend zu erwähnen. [...] so durfte ich aus dessen Werkstätte nur Vorzügliches erwarten'.
Robert Koch (1843 – 1910) © Archiv Humboldt-Universität zu Berlin
Robert Koch (1843 – 1910) | Er gilt – neben Louis Pasteur – als einer der Begründer der modernen Bakteriologie und der Mikrobiologie. 1876 gelang es ihm, den Erreger des Milzbrands zu kultivieren und seinen Lebenszyklus zu beschreiben – spätestens seit diesem Jahr arbeitete er mit mikrophotographischen Einrichtungen aus der 'Optischen Werkstätte'. Für die Erforschung der Tuberkulose erhielt er 1905 den Nobelpreis für Medizin. Er attestierte den optischen Geräten aus der Hand von Carl Zeiss einen entscheidenden Einfluss auf seine Arbeit.
Santiago Ramón y Cajal (1852 – 1934) © Archiv Humboldt-Universität zu Berlin
Santiago Ramón y Cajal (1852 – 1934) | 1906 erhielt der spanische Neurowissenschaftler und Histologe zusammen mit C. Golgi den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Studien zum Aufbau des Nervensystems. Für seine Arbeiten nutzte Cajal die fortschrittlichsten Geräte seiner Zeit, darunter auch Mikroskope von Carl Zeiss. <br />(Foto: Wikimedia Commons / public domain)

Wegbegleiter Otto Schott

1879 bis 1884

Am 27. Mai 1879 erhielt Ernst Abbe Post von dem jungen Chemiker Otto Schott (1851 – 1935), der eine neue Glassorte erschmolzen hatte. Bisher hatte man ganz normales Glas für den Bau von Objektiven verwendet. Nun bestand die Chance, spezielle optische Glassorten zu entwickeln. Die so erhaltenen Muster sandte er nach Jena, wo sie auf ihre Brauchbarkeit für optische Zwecke untersucht wurden.

Im Januar 1882 wurde ein glastechnisches Laboratorium in Jena eingerichtet. Ende des Jahres 1882 siedelte Schott nach Jena über. Die Geldmittel zum Erwerb eines Baugrundstücks für Schott in Jena wurden durch Carl Zeiss aufgebracht, während Abbe ja bereits die seit 1882 betriebenen labormäßigen Versuche finanziert hatte. In kurzer Zeit erzielte Schott beeindruckende Fortschritte. 

Otto Schott um 1890 (Foto: Carl Bräunlich, ZEISS Archiv). © Carl Bräunlich, ZEISS Archiv
Otto Schott um 1890

Es gelang ihm, die Eigenschaften des vorerst noch im kleinen Maßstab produzierten optischen Glases zu steuern und zugleich relativ große Proben ohne Unreinheiten oder innere Spannungen herzustellen. Im Herbst 1883 baute Zeiss erstmals Mikroskopobjektive mit Schott-Glas, die Apochromate.Das Ergebnis war phänomenal und gab einen Vorgeschmack darauf, welche Verbesserungen an optischen Instrumenten mit dem neuen Material noch denkbar waren.

Am 23. Juli 1885 wurde die Firma "Jenaer Glaswerk Schott & Genossen" gegründet. Gesellschafter waren Carl und Roderich Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott. Hauptgeschäft des neuen Unternehmens wurden später hitzebeständige Gläser.

Der Hafen wird in den Hochofen geschoben. © SCHOTT Archiv
Einsetzen eines Hafens
Einlegen der Rohglasstoffe (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Einlegen der Rohglasstoffe
Prüfen der Schmelze (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Prüfen der Schmelze
Beförderung eines glühenden Glashafens (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Beförderung eines glühenden Glashafens
Zurichtung des optischen Rohglases (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Zurichtung des optischen Rohglases
Einlegen des optischen Rohglases in die Senkformen (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Einlegen des optischen Rohglases in die Senkformen
Prüfung des optischen Glases auf Schlieren (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Prüfung des optischen Glases auf Schlieren
Prüfung des optischen Glases auf Spannung (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Prüfung des optischen Glases auf Spannung
Schleifen des optischen Plattenglases (Foto: SCHOTT Archiv). © SCHOTT Archiv
Schleifen des optischen Plattenglases
Berechnungen von Ernst Abbe zur Wasserimmersion von 1886 (Foto: ZEISS Archiv). © ZEISS Archiv
Berechnungen von Ernst Abbe zur Wasserimmersion von 1886

Ausblick

Wissenschaftsbasierte Optiken

Die neuen apochromatischen Objektive führten zu einem enormen Nachfrageschub. Hatten bis dahin begabte Optiker noch mit gepröbelten Objektiven mithalten können, so war nun auch die Konkurrenz gezwungen, wissenschaftsbasierte Optiken herzustellen, wollte sie am Markt bestehen. Zeiss Mikroskope wurden an alle Orte der Welt geliefert, wo Wissenschaft betrieben wurde. Aber auch in den Alltag von Medizinern, Hygienikern und Werkstoffprüfern hielten sie Einzug.

Vereinzelt wurden auch schon andere optische Produkte hergestellt, zum Beispiel Refraktometer zur Messung der Konzentration von Lösungen. Aber erst in den 1890er Jahren wurden die neuen technologischen Möglichkeiten auf eine Vielzahl von Produkten wie Ferngläser, Fotoobjektive, astronomische Geräte, Spektroskope und geodätische Geräte angewendet und neue Geschäftsfelder eröffnet, was das Unternehmenswachstum weiter beschleunigen sollte.

Stativ mit Mikrometerbewegung und Kippe aus dem Jahr 1882 (Sammlung Mappes)
Stativ mit Mikrometerbewegung und Kippe aus dem Jahr 1882 (Sammlung Mappes)
Mitarbeiter
Historisches Mikroskop
1879-1884
60-170 Mitarbeiter
5.000 Mikroskope

Späte Jahre

1884 bis 1888

Therese Zeiss, seit 1884 die Ehefrau vom Sohn Roderich, hat sich an die letzten Lebensmonate ihres Schwiegervaters so erinnert:

„Im Herbst 1888 verschlechterte sich der Zustand von Carl Zeiss zusehends. […] Zusammengesunken, wirkte der früher aufrechte und lebhafte Mann mit dem weißen Vollbart und dem gütigen Gesicht mit den noch immer strahlenden Augen jetzt klein und schmal. […] Er interessierte sich auch jetzt noch für unsere Gärten, für Blumen und Obst. In seiner Art hatte er etwas Leises und war sehr bescheiden, zu bescheiden in seinem Auftreten. Auch seine Stimme war leise und sanft; sein Blick wirkte stets wach, hell und durchdringend. […] 

 

Wenn er früher mit alten Freunden zu einem Gartenfest zusammenkam, wie er sie oft und gern feierte, dann gab es Faßbier und Rostbratwürste. Er konnte dann sehr vergnügt sein, war aber nie laut. Wenn er alle Kinder um sich hatte, erzählte Carl Zeiss gern Witze. Es gab bei solchen Gelegenheiten immer ausgesucht gutes Essen und sehr gute Weine, über den die Söhne und Schwiegersöhne an solchen Tagen freie Schlüsselgewalt hatten.“

Carl Zeiss um 1888 © ZEISS Archiv
Carl Zeiss um 1888

Am 3. Dezember 1888 schloss er die Augen. Auf dem an die Garnisonkirche angrenzenden Johannisfriedhof wurde Carl Zeiss beigesetzt. Acht seiner treuesten Mitarbeiter trugen den Sarg. Ihn zierte ein Messingkreuz mit eingelegten Objektivlinsen, das in der Optischen Werkstätte angefertigt worden war.

Blick auf Jena nach Nord (Landgrafen), 1891 © Foto: ZEISS Archiv
Blick auf Jena nach Nord (Landgrafen), 1891
Blick auf Jena und das Zeisswerk nach Nord-Ost, 1891 (1: Haus von Carl Zeiss, Verwaltung im Erdgeschoss, Wohnung im ersten Stock, Buchbinderei im Dachgeschoss; 2 und 3: Gebäude für Mechanik und Optik, 4: Abbes Wohnhaus). © Foto: ZEISS Archiv
Blick auf Jena und das Zeisswerk nach Nord-Ost, 1891 (1: Haus von Carl Zeiss, Verwaltung im Erdgeschoss, Wohnung im ersten Stock, Buchbinderei im Dachgeschoss; 2 und 3: Gebäude für Mechanik und Optik, 4: Abbes Wohnhaus)
Blick auf Jena nach Ost (Fuchsturm), 1891. © Foto: ZEISS Archiv
Blick auf Jena nach Ost (Fuchsturm), 1891.
Mitarbeiter
Historisches Mikroskop
1884-1888
291
10.000 Mikroskope

Gedanken über den Ururgroßvater

Die Ururenkelin von Carl Zeiss studierte Mikrobiologie in Kiel und Miami und promovierte in Göttingen zum Dr. rer. nat.

Sie war in verschiedenen Unternehmen der Pharma-Industrie in Forschung und Entwicklung und Qualitätsmanagement tätig. Heute berät sie Firmen bei der Herstellung pharmazeutischer und medizintechnischer Produkte.

Signatur von Carl Zeiss