Wussten Sie schon, dass ein vermeintlicher Giftmord nach rund 400 Jahren aufgeklärt wurde?

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Wussten Sie schon, dass ...

... ein vermeintlicher Giftmord nach rund 400 Jahren aufgeklärt wurde?


Es liegt fast auf den Tag genau 411 Jahre zurück, dass der dänische Astronom Tycho Brahe am 23. Oktober 1601 in Prag den Folgen eines nicht geklärten Leidens binnen weniger Tage erlag. Der ungeklärte Tod des Wissenschaftlers sorgte seither für wilde Spekulationen und mündete in einer ungeheuerlichen Anschuldigung: Es soll Mord gewesen sein – und der Täter Johannes Kepler! Das mögliche Motiv: Als dessen Assistent war er der Nutznießer von Brahes plötzlichem Tod. Die Zusammenarbeit war schwierig, da Brahe seiner Hilfskraft kaum Einblick in seine Arbeit gewährte. Vor seinem Tod verfügte der Wissenschaftler jedoch, dass Kepler die wissenschaftliche Arbeit in eigenem Namen abschließen sollte. Kepler erhielt uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Aufzeichnungen Brahes, die letztendlich die Grundlage für die Formulierung der Kepler‘schen Gesetze der Planetenbewegung bildeten.

Eine Analyse der Barthaare Brahes im Jahr 1991 entfachte die Diskussionen neu. Wissenschaftler hatten die Barthaare 1901 bei einer Exhumierung entnommen. Die Untersuchung zeigte eine erhöhte Quecksilberkonzentration – ein Hinweis darauf, dass Brahe vergiftet wurde? Ann Lee und Joshua Gilder griffen diese These 2005 in ihrem Buch „Der Fall Kepler. Mord im Namen der Wissenschaft“ auf, das für viele Kontroversen sorgte.

Jetzt ist es einem Team um Heiner Jaksch von ZEISS und Pathologen der Universität Rostock um Professor Rudolf Wegener jedoch gelungen, Kepler zu rehabilitieren und ihn vom Verdacht des Giftmords zu entlasten. Mit einem Rasterelektronenmikroskop von ZEISS führten die Wissenschaftler eine deutlich präzisere Haaranalyse als bisher durch. Wegen des guten Zustands, in dem die Haarproben erhalten waren, konnten die minimalen Strukturen der Haarporen untersucht werden. Dabei trat zutage, dass im Haar von Tycho Brahe sehr wohl Quecksilberablagerungen zu finden waren, ebenso Spuren von Blei und Antimon. Dank eines speziellen Detektors von ZEISS und der folgenden mikroanalytischen Untersuchung ließ sich aber einwandfrei nachweisen, dass Brahe das Quecksilber nicht eingenommen hatte, sondern dass es von außen auf ihn eingewirkt hat.

Zurückzuführen sind die Quecksilberspuren auf das Hantieren mit der Substanz bei alchimistischen Experimenten oder auf eine quecksilberhaltigen Salbe. Quecksilber war eine nicht seltene Zutat in Medikamenten dieser Epoche, in der Pest und Syphilis wüteten und man letztere mit Quecksilber-Verbindungen behandelte.

16. Oktober 2012

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