Zähne der Reptilienart Kayentatherium

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Wussten Sie schon, dass …

… die Zähne zeigen, was fossile Tiere gefressen haben?


Einer der spannendsten Bereiche in der Entwicklungsgeschichte der Tiere ist der Übergang von Reptilien zu Säugetieren. Hier gibt es zahlreiche Mischformen, die aufgrund neuer Erkenntnisse immer wieder zwischen den Tierklassen hin und her sortiert werden oder eigentlich zu beiden gezählt werden müssten. Eine der umstrittenen Familien ist die der Tritylodontidae. Nach den ersten Fossilienfunden ihrer Zähne 1847 und 1866 in Württemberg wurden sie als älteste Säugetierfamilie betrachtet.

Ihr Schädel ist tatsächlich sehr säugetierähnlich und ihr Gebiss erinnert an die heutigen Nagetiere. Jedoch sehen die Zähne selbst völlig unterschiedlich aus. Daher sind die Entwicklungen der Zähne von Tritylodontidae und Nagetieren aufgrund ähnlicher Ernährungsweise parallel verlaufen. Die heutigen Nagetiere stammen aber nicht von dieser fossilen Tierfamilie ab. Diverse andere Merkmale – zum Beispiel im Unterkiefergelenk, den Gehörknöchelchen oder am Schultergürtel – weisen darauf hin, dass es sich bei den Tritylodontidae tatsächlich um Reptilien handelt.

Um herauszufinden, welche Nahrung diese Tierfamilie bevorzugte, wurden Zähne der Art Kayentatherium mit Hilfe eines Zoom-Mikroskops von ZEISS für große Objektfelder am Steinmann-Institut der Universität Bonn untersucht. Mit dem neuen System sind die Wissenschaftler in der Lage, sehr hoch aufgelöste Bilder mit hervorragender Tiefenschärfe zu erstellen. Entsprechend konnten sie wichtige Bereiche auf den Zahnoberflächen ablichten. Diese sogenannten Facetten bilden sich während des Kauvorgangs durch den Kontakt der Zähne in Ober- und Unterkiefer. Dadurch werden diese Stellen glatt geschliffen und reflektieren Licht.

Auf den Facetten entstehen aber auch Kratzer, die die Bewegungen des Unterkiefers beim Kauen widerspiegeln. Durch die Analyse dieser Kratzer lassen sich Aussagen über den Kauzyklus treffen und Rückschlüsse auf die bevorzugte Nahrung ziehen. Bei Kayentatherium waren dies ausschließlich Pflanzen. Damit ähneln sie den heutigen Nagetieren, die ebenfalls überwiegend Pflanzen fressen. Während die Nagetiere ihre Unterkiefer dabei von hinten nach vorne bewegen, kaute Kayentatherium immer von vorne nach hinten. Steile, hintereinander geschaltete Scherkantenpaare auf den Höckern der Backenzähne zerschnitten die Nahrung dabei sehr effektiv. Welche Pflanzenarten Kayentatherium fraß, lässt sich aber nicht sagen. Hier gibt der damalige Lebensraum Hinweise. Er bestand wohl zu einem Großteil aus Equisetum, einem Schachtelhalmgewächs, das ähnlich wie Gras den Boden bedeckte.

15. Januar 2013

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