Wussten Sie, dass...

... es Navigationssysteme für Gehirnoperationen gibt?


GPS (Global Positioning System) ist heute der Inbegriff für die moderne satellitenbasierte Navigation. Zuerst ausschließlich für militärische Zwecke entwickelt, ist die Navigation – also die Zielführung auf Basis von aktueller Positionsbestimmung und genauer Karteninformationen – mittlerweile ein fester Bestandteil auch in vielen zivilen Bereichen. Bei Autofahrern gehören Navis heute praktisch zum Standard. Seit den 90er Jahren gibt es auch chirurgische Navigationslösungen, die inzwischen in verschiedenen Disziplinen eingesetzt werden, z. B. um bei Gehirnoperationen noch schonender, sicherer und mit möglichst wenig Schädigung von gesundem Gewebe zu arbeiten.

Dazu ist jedoch einiges an Vorbereitung nötig: Mit Hilfe von bildgebenden Systemen wie CT/MRT wird eine Art digitale dreidimensionale Landkarte des Gehirns und der erkrankten Region (z. B. eines Tumors oder einer Gefäßanomalie) des Patienten vor der geplanten OP erstellt. Der Neurochirurg entwirft dann am Navigationscomputer mit diesen dreidimensionalen Daten des Patienten einen Plan für die Operation und markiert wichtige anatomische Strukturen, z.B. den Tumor oder bestimmte Hirnareale, die zu umgehen sind und nicht berührt werden dürfen. Zudem legt er einen Eintritts- und einen Zielpunkt für die Operation im Gehirn fest. Diese Daten werden dann an das Navigationssystem übertragen.

Während der Operation dienen verschiedene Marker am Patienten und an bestimmten navigierten Operationsinstrumenten der Orientierung. Über ein Infrarot-Kamerasystem werden die Position des navigierten Instrumentes z. B. eines Saugers oder einer Sonde und des Patienten vermessen und auf dem Monitor angezeigt. Der Chirurg erhält dadurch wichtige zusätzliche Informationen über die aktuelle Position seiner Instrumente und die Lage und Entfernung zum Tumor und z. B. dessen Ausdehnung. Gleichzeitig zeigt ihm das Navigationssystem die Strukturen an, die er auf seinem Weg zum Tumor schützen muss und nicht beschädigen darf.

Moderne Operationsmikroskope wie das OPMI PENTERO 900 von ZEISS sind bereits für die neurochirurgischen Navigationsanwendungen vorbereitet und können mit diesen Navigationssystemen verbunden werden. Ein kleiner Monitor im Mikroskop – die sogenannte Dateneinspiegelung – ermöglicht es dem Arzt, die Navigationsdaten direkt in seinem Sichtfeld zu sehen, ohne die Augen weg vom Mikroskop auf den Bildschirm des Navigationssystems wenden zu müssen.

Doch wie im Straßenverkehr sind auch diese Navigationslösungen nicht 100-prozentig perfekt; die Kontrolle durch den Chirurgen ist essentiell: Er muss kritisch überprüfen, ob die angezeigten Daten für die Navigation zum Tumor korrekt sind. Er wird hierzu auch regelmäßig während der Operation durch das System aufgefordert, die aktuelle Navigationsgenauigkeit zu verifizieren. Im Fehlerfall kann das Navigationssystem während der Operation jederzeit ausgeschaltet werden. Navigationssysteme bieten eine wertvolle Hilfestellung und Ergänzung für einen erfolgreichen Eingriff, sie ersetzen aber nicht jahrelange chirurgische Erfahrung oder gar mangelhafte anatomische Kenntnisse.

21. September 2011

Wir verwenden Cookies auf dieser Website. Cookies sind kleine Textdateien, die von Websites auf Ihrem Computer gespeichert werden. Cookies sind weit verbreitet und helfen Seiten optimiert darzustellen und zu verbessern. Durch die Nutzung unserer Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. mehr