Wussten Sie, dass...

...man im Liegen mikroskopieren kann?


Archäologen möchten Original-Fundstellen nicht berühren oder verändern, bevor sie diese ausführlich dokumentiert haben. Große Objekte lassen sich einfach fotografieren, doch was passiert mit sehr kleinen Gegenständen wie Splitter oder kleinen Schmuckstücken? Diese werden mit Hilfe von Stereomikroskopen untersucht und in situ festgehalten. Dazu müssen die auf dem Bauch liegenden Archäologen das Mikroskop freischwebend langsam über den Fundort bewegen.

Dies ist etwa bei einem der spektakulärsten Funde der vergangenen Jahre in Deutschland der Fall: Archäologen des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege entdeckten Ende 2010 im Umfeld des frühkeltischen Fürstensitzes Heuneburg bei Herbertingen im Kreis Sigmaringen ein vier mal fünf Meter großes Kammerschachtgrab aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Ungewöhnlich war vor allem, dass durch Grundwasser und Staunässe die Eichenhölzer des Kammerbodens sowie Beigaben aus organischem Material vollständig erhalten waren.

Erste Untersuchungen zeigten schnell, dass eine konventionelle Freilegung des Grabes vor Ort nicht ratsam war. So wurde die gesamte Grabkammer in einem Block geborgen, um sie unter Laborbedingungen auszuwerten. Zur Identifizierung, Freilegung und Dokumentation filigraner Objekte kommt das Stereomikroskop DV4 von ZEISS zum Einsatz. Dessen Lichtleiter sind im Gehäuse verbaut, so dass sich mit Hilfe einer speziellen flexiblen Montage die gesamte Fläche untersuchen lässt. Welche Objekte dabei zum Vorschein kommen und welche Bedeutung diese besitzen, lässt sich nächstes Jahr in Stuttgart begutachten. Dann sind das Grab und seine Beigaben in der Ausstellung „Die Welt der Kelten. Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst“ zu sehen.

1. November 2011

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