Baustellen-Update: Baugenehmigung erteilt

Nachdem die Stadt Jena grünes Licht gegeben hat, beschleunigen sich die Arbeiten an Gründung und Rohbau – beauftragt für den „Rohbau 1“ ist ein Unternehmen aus Apolda

Es waren mehrere Kisten mit Unterlagen, die Marc Weimann Mitte Februar dieses Jahres an die Stadt Jena geschickt hat. Ihr Inhalt: Bauzeichnungen, statistische Berechnungen sowie Brandschutz- und Sicherheitskonzepte für den ZEISS Hightech-Standort Jena. Nun hat die Stadt die Baugenehmigung für das Bauprojekt erteilt. „Damit treten wir bei der Realisierung des ZEISS Hightech-Standorts in eine neue Phase ein“, sagt der Gesamtprojektleiter des zukunftsweisenden Projekts. „Erstmals geht es tatsächlich um den Aufbau und nicht nur um Arbeiten im Untergrund.“

Sichtbarstes Zeichen für die neue Phase, von der Weimann spricht, sind die ersten beiden Großkräne, deren Arme seit Juni über dem Gelände zwischen der Otto-Schott-Straße im Norden und Jenapharm im Westen kreisen. Doch die sind erst der Anfang: In der Hochphase sollen gleichzeitig acht Großkräne zum Einsatz kommen; bis zu 1.000 Handwerkerinnen und Handwerker werden dann auf der Baustelle arbeiten. Dabei greift ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept: Künftig kommen nur noch Mitarbeitende und Projektbeteiligte über mehrere Drehkreuze auf das umzäunte Gelände, die einen Genehmigungsprozess durchlaufen haben und sich entsprechend ausweisen können.

Geld für den Bau verbleibt in Region

Die Ausführung dieser Bauphase übernimmt B&V Hoch-, Kabel- und Tiefbau GmbH mit Sitz in Apolda, die Anfang Juni den Zuschlag für das Vergabepaket „Rohbau 1“ erhalten hat. „Dass wir uns nach intensiven Vergabegesprächen gegen große, deutschlandweit tätige Baufirmen durchsetzen konnten, freut uns sehr – dadurch bleibt die Wirtschaftskraft in der Region“, sagt Kevin Vogel, Kaufmännischer Geschäftsführer von B&V. Sein Unternehmen wird neben den Tiefbauarbeiten auch die Herstellung der Fundamente, Bodenplatten und Sichtbetonwände übernehmen. „Das Projekt ist der bisher größte Auftrag in unserer Firmengeschichte“, so Vogel.

Erdarbeiten abgeschlossen: 655.000 Tonnen Aushub bewegt

B&V kann umgehend mit der Arbeit beginnen, denn die Erdarbeiten auf der Baustelle sind weitgehend abgeschlossen. Dazu haben seit 2019 insgesamt rund 25.000 Sattel-LKW mit Aushub und Altlasten das Gewerbegebiet an der B87 verlassen – das entspricht einem Gewicht von 655.000 Tonnen, rechnet Weimann vor. Zudem seien für die Sanierung des ehemaligen SCHOTT-Geländes insgesamt 800 Analysen von Altlasten in verschiedenen Erdhügeln notwendig gewesen. „Trotz dieses erhöhten Aufwands liegen wir nahezu komplett im Zeitplan.“

Gründung geht voran und soll bis November abgeschlossen sein

Auch mit der sogenannten „Gründung“ geht es voran. Darunter verstehen Fachleute die Konstruktion, die den Übergang zwischen Bauwerk und Boden bildet. Beim ZEISS Hightech-Standort ist die Gründung besonders wichtig, denn es sollen sich später keine Schwingungen des Gebäudes auf den Fertigungsprozess der empfindlichen und hochpräzisen Technologien übertragen. Weimann und sein Team haben sich deshalb für eine Pfahlgründung entschieden. Einen Teil dieser Pfähle haben die Arbeiter und Arbeiterinnen bereits errichtet – bis November werden mehr als 1.200 Pfähle gesetzt, die die Bodenplatte mit dem Fels verbinden, um die Schwingungsanforderungen realisieren zu können.

Die Dimensionen der Pfahlgründung sind gewaltig: „Würde man alle Pfähle aneinanderlegen, käme man auf eine Strecke von Jena bis nach Weimar“, sagt Weimann. Dass es beim Bohren der Pfahllöcher in den Untergrund zu einer Lärmbeeinträchtigung der Anwohner bzw. der umliegenden Gewerbetreibenden kommt, ist dem Gesamtprojektleiter natürlich bewusst. „Wir sind weiterhin bemüht, Lärm und Verschmutzung so erträglich zu gestalten, wie es nur irgend möglich ist“, sagt Weimann.

Erste Etagen entstehen

Sind die Fundamente erst gesetzt, können auch die ersten beiden Untergeschosse des Rohbaus errichtet werden. Hier ist Platz für Be- und Entlüftungskanäle, für Wartungsgänge, sowie Medienkanäle für Strom-, Lüftungskanäle, Geothermieleitungen und Datenkabel. So wichtig diese Gebäudekomponenten sind, so sehr achtet Weimann und sein Team darauf, nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren: „Der Hightech-Standort in Jena wird ein sichtbar vernetztes Gebäude. Hier sollen sich Mitarbeitende begegnen, austauschen und inspirieren – geführt durch die Architektur.“ Das Zentrum werde ein Atrium bilden, das als eine Art Innenhof einen Kommunikationsraum für alle Mitarbeitende eröffnet. „Unser Ziel ist es, eine offene, kreative Atmosphäre zu schaffen, die zu neuen Ideen und Kreativität führt.“

Materialengpässe durch aktuelle Krisensituation

Schwierigkeiten bereiten den Planern indes die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine. So führen unterbrochene Lieferketten zu Materialengpässen und erschweren es, Baupreise verlässlich zu kalkulieren. Gleichzeitig sind vor allem Handwerks- und Baubetriebe in der Region stark ausgelastet – so ist es nicht immer leicht für die Planer, ausreichende und passende Angebote zu bekommen. Dennoch bleibt Weimann optimistisch: „Wir sind auf die Entwicklung vorbereitet und haben einige Prozesse an die aktuellen Gegebenheiten angepasst.“