Grüne Gebäude

Nachhaltiges Bauen am ZEISS Hightech-Standort Jena

Nachhaltiges Wirtschaften ist für ZEISS ein Grundprinzip der Geschäftstätigkeit und gehört auch beim Thema Bauen zu den wichtigen Leitgedanken. Am neuen ZEISS Hightech-Standort in Jena werden moderne Konzepte für eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes sorgen.

Laut Umweltbundesamt sind zirka 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland auf Gebäude zurückzuführen. Das möchte Dr. Nicole Ziegler für ZEISS ändern. Sie ist als Head of Sustainability bei ZEISS verantwortlich für nachhaltiges Wirtschaften. „Wir haben seit 2010 die CO2-Emissionen trotz doppeltem Umsatz und gesteigerter Wertschöpfung nahezu konstant halten können“, erklärt sie. Damit nicht genug. Ziegler will die globale Nachhaltigkeitsstrategie von ZEISS und die Umsetzung des Ziels CO2 Neutralität bis 2025 weiter vorantreiben. Dazu gehört zu allererst Energie- und Ressourcenverbrauch in allen Abläufen und Prozessen kontinuierlich zu verringern. Dafür prüft sie gemeinsam mit Experten jedes größere Entwicklungs- sowie Investitionsvorhaben des Unternehmens auf das Thema Nachhaltigkeit – so auch den neuen ZEISS Hightech-Standort Jena.

 Dr. Nicole Ziegler, Head of Sustainability bei ZEISS
Dr. Nicole Ziegler, Head of Sustainability bei ZEISS

Inmitten der Stadt entsteht in den nächsten Jahren ein hochmodernes Gebäude mit mehr als 100.000 m² Bruttogeschossfläche. Inzwischen sind fast alle alten Gebäude auf dem ehemaligen SCHOTT-Gelände zurückgebaut. In den kommenden Monaten heben Bagger rund 400.000 Kubikmeter Erdreich aus. Bauschutt und Bodenaushub werden dabei immer labortechnisch untersucht und fachgerecht entsorgt, wenn nötig. Der übrige Beton wird zerkleinert und recycelt – so kann möglichst viel unbelastetes Material wieder eingebaut werden. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern spart auch Kosten für den Abtransport. Recycling nimmt aber nur einen kleinen Teil beim klimafreundlichen Bauen ein.

„Nachhaltig ist eine Immobilie erst, wenn sie über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet wird, also von der Errichtung bis zum Rückbau“, erklärt Marc Weimann, Gesamtprojektleiter des neuen Hightech-Standorts in Jena. „Dabei beziehen wir die Standortauswahl, die Flächenvorbereitung genauso mit ein, wie die Auswahl der Materialien, die in der Zukunft entsorgt werden müssen“. Bei der Planung unterstützt ein digitaler Zwilling des Gebäudes, der ein Abbild der Realität erzeugt und sich dynamisch weiterentwickelt. In Echtzeit können die Architekten und Planer Entscheidungen treffen, um alle Komponenten, von der Fassade bis zur technischen Ausstattung, sehr früh zu optimieren. Denn es gibt hohe Standards mit einem ausgeklügelten Punktesystem, die hier gefordert sind. „Unser Ziel ist das Zertifikat der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen in Gold“, erklärt Weimann. Die DGNB-Zertifizierung bestätigt, dass Immobilien nach standardisierten und umfassenden Kriterien geplant, gebaut und später auch betrieben werden.

Geothermie und Abwärme für gutes Klima

Eine besondere Bedeutung erhält beim nachhaltigen Bauen die Energieversorgung von Gebäuden. „Heute erhält das ZEISS Werk in Jena fast die gesamte Energie aus Fernwärme, im Neubau soll dies auf weniger als zehn Prozent reduziert werden“, so Ziegler. Das soll vor allem durch die Bereitstellung und Nutzung regenerativer Energiequellen und dem Einkauf von nachweisbar grüner Energie ersetzt werden.

Aufgrund der guten Beschaffenheit des Bodens am neuen Standort wird deshalb eine Sonden-Geothermieanlage installiert, die die Wärme- bzw. Kälteenergie des Untergrundes nutzt und gleichzeitig eine minimale Belastung für das Erdreich darstellt. Die im Boden gespeicherte Energie wird im Sommer durch eine reversible Wärmepumpe zur Kühlung des Gebäudes genutzt. In den Wintermonaten kann die Energie des Erdreichs in den Heizkreislauf eingespeist werden und beheizt so den Hightech Standort Jena.

Das Sondenfeld für die Geothermieanlage befindet sich unter dem Parkplatz an der Bahnlinie.
Das Sondenfeld für die Geothermieanlage befindet sich unter dem Parkplatz an der Bahnlinie.

„Eine andere regenerative Quelle zum Beheizen des Gebäudes ist die effiziente Nutzung von Abwärme“, erklärt Weimann. Diese entsteht beispielsweise durch den motorischen Antrieb der vor allem für die Produktionsprozesse notwendigen Druckluftanlage oder bei der Erzeugung von Kälteenergie.

Zudem wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Gelände für die dezentrale Energieversorgung des neuen Hightech-Standorts zuständig sein. Auch hier wird Abwärme durch den Motor generiert und genutzt, der den Strom erzeugt – über 20 Prozent des Bedarfs können damit abgedeckt werden. Einen kleinen Anteil trägt auch die Photovoltaik-Anlage auf dem Parkhaus in der Moritz-von-Rohr-Straße zu einer umweltschonenden und nachhaltigen Gebäudeinfrastruktur bei. Bei Spitzenlasten oder technischen Störungen steht zusätzlich die Fernwärme der Stadtwerke als sogenannte Redundanz für die Wärmeversorgung zur Verfügung. Langfristiges Ziel ist es aber, auf fossile Energieträger ganz zu verzichten.

Grüne Infrastruktur

Die vielen Grünflächen am Gebäude tragen nicht nur zur Attraktivität bei und erhöhen die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Stadtquartieren; sie haben auch einen positiven Einfluss auf die Umwelt. Die begrünten Sockelgeschosse funktionieren zusätzlich wie eine natürliche Dämmung und bieten eine hohe Behaglichkeit im Gebäude.

Die natürliche Dämmung der Wände isoliert im Winter und bewahrt im Sommer vor einem starken Aufheizen. „Das Mikroklima wird mit begrünten Wänden deutlich verbessert“, erklärt Weimann. Denn Pflanzen produzieren Sauerstoff und binden Kohlendioxid. Außerdem absorbieren sie Schallwellen, das zum Lärmschutz beiträgt.

Grün soll auch die Infrastruktur beim zugekauften Strom sein: Hier wird ZEISS weiterhin verstärkt auf regenerative Energiequellen aus Photovoltaik, Windkraft und Biogas Strom zurückgreifen. Herkunftsnachweise der Anbieter stellen hierbei die CO2-Neutralität sicher. „Das Energiekonzept, was wir für den Hightech-Standort Jena geplant haben, ist ein absoluter Vorreiter bei den ZEISS Gebäuden“, so Ziegler. „Es zahlt in allen Punkten auf unsere Nachhaltigkeitsstrategie ein“.