Frühlingsupdate von der Baustelle

Interview zum aktuellen Stand der Bauarbeiten

Als stellvertretender Gesamtprojektleiter gibt uns Markus Knierim ein Baustellen-Update. Dabei spricht er über die Pläne und Ziele für das Jahr 2021.

Hightech-Standort Jena

Seit unserem letzten Gespräch sind mehr als vier Monate vergangen. Was hat sich seitdem auf der Baustelle getan?

Wir haben damals im November gerade mit der dritten und letzten Rückbauphase begonnen, in der die verbleibenden Gebäude auf dem Gelände zurückgebaut werden. In dieser Phase befinden wir uns immer noch. Trotz des kurzfristigen Wintereinbruchs sind wir seitdem gut vorangekommen.

Sie sprechen von der dritten Rückbauphase. Woran hat man in den vorherigen beiden Phasen gearbeitet?

In der ersten Rückbauphase von April bis August 2019 wurden der Güterschuppen direkt an den Bahngleisen und einige bereits seit Längerem leerstehende Gebäude zurückgebaut. In der zweiten Phase ab Juni 2020 erfolgte dann der Rückbau von ehemaligen Produktions- und Lagerhallen. Und in der dritten Phase werden jetzt alle übrigen Gebäude auf dem Gelände zurückgebaut.

Ein Bild aus dem Livestream der Baustelle zeigt, wie der kurzfristige Wintereinbruch das Gelände zu einer unbekannten Winterlandschaft gemacht hat.
Das Zeitraffer-Video zeigt die Arbeiten der Rückbauphasen bis heute.

Ist in dieser letzten Rückbauphase noch mit Lärm und Verschmutzungen zu rechnen?

Auch in dieser Phase kommen unsere bewährten Lärm- und Staubschutzmaßnahmen zum Einsatz. Als leise Alternative zur Abrissbirne verwenden wir zum Beispiel eine Betonzange, die den Stahlbeton abreist und auf dem Boden ablegt. Um die Staubentstehung zu minimieren, wird der Rückbaubereich und der Bauschutt vor der Beladung – soweit technisch und witterungsbedingt möglich – befeuchtet.

Woran wird – abgesehen von den Rückbaumaßnahmen – im Moment noch auf der Baustelle gearbeitet?

Neben den finalen Rückbauarbeiten beschäftigen wir uns gerade vor allem mit der Sanierung des Bodens. Als technische Absicherung der Baugrube muss hierfür ein sogenannten Verbau errichtet werden. Dieser Verbau besteht aus 20 Meter langen, nebeneinander angebrachten und in Bohrlöchern eingelassenen Betonpfählen. Zusammen ergeben diese Betonpfähle eine bis zu 600 Meter lange Bohrpfahlwand, welche die Baugrube an drei Seiten absichern. Hierfür wurde bereits mit der Baustelleneinrichtung begonnen. Die Fertigstellung ist bis Ende dieses Jahres geplant.

Und dieser Verbau ist nötig für die Boden-Sanierung?

Genau! Wir können nur dann die Altlasten aus den tieferen Bodenschichten entfernen, wenn die Wände der Baugrube ausreichend abgesichert sind.

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Zu Beginn des Frühlings sind die Rückbauarbeiten wieder im vollen Gange.
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Was versteht man unter der Boden-Sanierung und warum ist diese notwendig?

Im Boden des ehemaligen SCHOTT Geländes befinden sich Abfälle aus der intensiven industriellen Nutzung des Geländes in den letzten 100 Jahren. Im Zuge der Boden-Sanierungsarbeiten wird das Gelände von diesen Altlasten befreit. Zum fachgerechten Umgang mit den Altlasten hat ZEISS bereits 2019 ein Gutachten erstellen lassen und einen Sanierungsplan erstellt. Aufgrund der vorgefundenen Menge an Altlasten wurde dieser Anfang des Jahres noch einmal erweitert. Unser Ziel ist es, bis Ende 2021 die insgesamt ca. 80.000 m² große Fläche vollständig von Altlasten zu befreien.

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Die Altlasten werden auch aus tiefen Bereichen entfernt.
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Und diese Altlasten werden dann fachgerecht entsorgt?

Sowohl der Bodenaushub als auch der Bauschutt wurden auf Schadstoffgehalt untersucht. Belastetes Material wird auf entsprechenden Deponien in der Umgebung fachgerecht entsorgt. Unbelastetes Material wird vor Ort recycelt und erneut verbaut. Wir zerkleinern den recycelten Beton so stark, dass er später den Untergrund für die neuen Gebäude bilden kann. Schließlich sind das Separieren und Wiederverwenden des Materials nachhaltiger und logistisch einfacher umzusetzen.

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Frühlingssonne auf der Baustelle
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An welcher Stelle des Bebauungsplanverfahren befinden Sie sich aktuell und wann startet der eigentliche Bau des Hightech-Standortes?

Die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanverfahrens wurde im Oktober abgeschlossen und die eingegangenen Stellungnahmen zum Planentwurf im Januar geprüft. Nach dem im Frühjahr 2021 erwarteten Satzungsbeschluss werden wir bis Herbst 2021 mit Hochdruck an der Entwurfsplanung weiterarbeiten, um im Anschluss den Bauantrag zu stellen. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, werden wir mit den eigentlichen Bauarbeiten beginnen und erste Module des Gebäudes errichten.

Dann entsteht ein beindruckender, modularer Gebäudekomplex mit vielfältigen Möglichkeiten des Arbeitens, der Kommunikation und des Austausches mit Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit. Die Module sind dabei frei handhabbar. Vier Module werden im ersten Bauabschnitt realisiert. Hier werden voraussichtlich die Sparten Medical Technology und Industrial Quality & Research sowie die Montage der Carl Zeiss Jena GmbH und einige zentrale Funktionen der Carl Zeiss AG angesiedelt. Die anderen Module sind für weitere Bauabschnitte und als Erweiterungsmöglichkeiten vorgesehen.

Kann man sich im Bürgerinfobüro bald wieder über das gesamte Bauvorhanden informieren?

Wir hoffen sehr, dass wir das Bürgerinfobüro bald wieder öffnen können. Zum Schutz der Besucher vor dem Coronavirus musste wir die Räumlichkeiten leider schließen. Zuvor wurde das Bürgerinfobüro sehr gut angenommen. Sobald wir unsere Türen wieder öffnen können, informieren wir natürlich über alle bekannten Kanäle.

Vielen Dank für das Gespräch!