ZEISS Hightech-Standort Jena: Von Bohrpfählen, Boden-Sanierung und Bauschutt

Interview zum aktuellen Stand der Bauarbeiten

Markus Knierim ist als stellvertretender Projektleiter für den neuen ZEISS Hightech-Standort Jena verantwortlich.

Was passiert gerade auf der Baustelle?

In der nun bevorstehenden dritten Rückbauphase werden die letzten Gebäude auf dem ehemaligen SCHOTT-Gelände zurückgebaut. Parallel dazu laufen aktuell Boden-Sanierungsarbeiten, um das Baufeld von Altlasten und verschütteten Gebäudegründungen zu befreien. Punktuell sind Schadstoffe auch in tiefere Bereiche eingedrungen. Um auch diese Bereiche sanieren zu können, bereiten wir gerade einen Verbau mit Bohrpfählen vor. Ein Verbau ist eine technische Absicherung der Baugrube an den Seitenwänden. Dadurch wird sichergestellt, dass das umliegende Niveau nicht in die Baugrube abrutschen kann.

Wie tief muss denn gegraben werden?

Teilweise geht das bis zu 16 Meter unter die bestehende Geländeoberfläche. In manchen Bereichen sind wir dann bereits in massivem Sandstein.

Mit wie viel Aushub rechnen Sie und was passiert damit?

Insgesamt werden das rund 400.000 Kubikmeter Erdreich sein. Sowohl Bodenaushub als auch Bauschutt werden auf Schadstoffgehalte untersucht – belastetes Material wird fachgerecht entsorgt. Um unnötige Transporte zu vermeiden, wird unbelasteter Bauschutt recycelt und beispielsweise zur Arbeitsraumverfüllung wiederverwendet.

Immer wieder sorgen archäologische Funde auf Baustellen für Aufsehen. Wie gehen Sie vor, wenn Sie bei den Grabungsarbeiten auf ein Relikt aus der Vergangenheit stoßen?

Das Gelände als Teil des ehemaligen SCHOTT-Werkes war fast vollflächig bebaut. Archäologische Funde sind deshalb nicht zu erwarten.

Was ist mit unterirdischen Tunneln?

Wir haben tatsächlich unterirdische Gänge und Stollen gefunden. Sie gehörten zu den glaswerkstypischen Anlagen der Gaserzeugung und -verteilung. Wegen ihrer geringen Tiefenanlage wurden sie einschließlich aller Fundamente komplett zurückgebaut. Für die Flächen des ZEISS Hightech-Standorts in Jena sind ZEISS keine historischen Quelle bekannt, die auf andere unterirdische Anlagen hinweisen beziehungsweise betreffen sie nicht das Baufeld des Neubaus.

Gibt es noch andere Herausforderungen, die sich in dieser Bauphase ergeben können?

Ein Neubauprojekt in diesem Umfang stellt das gesamt Projektteam vor vielfältige Herausforderungen. Neben dem erfolgreichen Abschluss der Planungs- und Genehmigungsprozesse sind die Koordinierung und Steuerung der Abläufe innerhalb des Projekts entscheidend für den Baubeginn. Die öffentliche Auslegung ist beendet. Im nächsten Schritt muss die Stadt den Satzungsbeschluss fassen, der dann zeitgleich bekanntgegeben wird und in Kraft tritt.

Für den neuen Uni-Campus in Jena wurde vor kurzem der Grundstein gelegt. Wann wird das beim Hightech-Standort soweit sein?

Die feierliche Grundsteinlegung steht symbolisch für den Beginn der Rohbauarbeiten und muss nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Baubeginn zusammenfallen. Der Aushub der Baugrube wird aber oft auch mit einer anderen Zeremonie begangen – dem sogenannten Spatenstich. Viele verwenden auch den Begriff „Baggerbiss", da der Spaten heute nur noch symbolisch für die erste inszenierte Bauhandlung steht. Wann und ob es eine entsprechende Veranstaltung mit Vertretern des Bauherren, der Stadt und des Landes beim Hightech-Standort geben wird, können wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um Corona leider noch nicht sagen.

Vielen Dank für das Gespräch!​

Auch der Rückbau hat seinen ästhetischen Reiz

Ungewohnte Perspektiven und Farben auf der Baustelle