„Der Rückbau läuft geordnet und planmäßig.“

​​​Marc Weimann ist als Gesamtprojektleiter bei ZEISS für den neuen ZEISS Hightech-Standort Jena verantwortlich. Hier berichtet er über den aktuellen Stand der Arbeiten, insbesondere über die Anforderungen an den Lärm- und Staubschutz, die bei einem solchen Projekt erfüllt werden müssen.​

Wie laufen die Bauarbeiten gerade?

Momentan sind wir immer noch in der Phase der Baufeldfreimachung. Diese Phase ist in mehrere Unterabschnitte eingeteilt und deren Übergang verläuft teilweise fließend. Nachdem im Frühjahr 2020 alle Bestandsmieter ausgezogen sind, werden auch die letzten Gebäude zurückgebaut. Der Rückbau läuft sehr geordnet und planmäßig. Insgesamt realisieren wir eine Nutzfläche von rund 80.000 Quadratmetern. Der Bau wird dann zirka 220 Meter breit und 150 Meter lang sein und über eine Bruttofläche von 130.000 Quadratmetern verfügen.

 

ZEISSBAUSTELLE Jena
Mobile Schutzwände nehmen den Schall auf.

Man konnte den Rückbau der ehemaligen SCHOTT Gebäude auf Fotos im Web verfolgen – da sind schwere Maschinen im Einsatz.

Durch diese Maschinen können wir weitestgehend schonende Rückbauverfahren anwenden. Jeder Bauherr ist dazu verpflichtet, Lärm- und Staubaufkommen zu mindern. Wir haben beispielsweise Wasserstrahler eingesetzt, um die Staubentstehung zu minimieren. Die Betonzange, die den Stahlbeton abbeißt und auf dem Boden ablegt, arbeitet sehr viel leiser als zum Beispiel eine Abrissbirne – von Sprengungen ganz zu schweigen. Beim Rückbau der Gebäude hier gibt es außerdem den Vorteil, dass die umliegenden Werkhallen oder Bäume zusätzlich einen natürlichen Lärmschutz bieten. Wenn das nicht gegeben ist, stellen wir mobile Schutzwände auf, die den Schall aufnehmen – zum Beispiel in Form von Containern.

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Regelmäßige Schallmessungen rund um die Baustelle.
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Schonende Rückbauverfahren sorgen für weniger Lärm- und Staub.
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Der Einsatz von Wasserstrahlern minimiert die Staubentstehung.

Da fahren sicherlich auch viele LKWs zur Baustelle und wieder weg?

Die tägliche LKW-Anzahl schwankt relativ stark und ist abhängig vom Abtransport der Baustoffe, der wiederum von den umweltchemischen Laborergebnissen bestimmt wird. Grob geschätzt würde ich sagen, dass momentan nicht mehr als zehn bis zwanzig täglich die Baustellen verlassen. Die Routen der LKWs sind vorgegeben – sie fahren nicht durchs Stadtzentrum, sondern über die Moritz-von-Rohr-Straße oder die Otto-Schott-Straße. Die Zahlen werden sich aber im Laufe der Aushubarbeiten noch erhöhen.

Wie stellen Sie sicher, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen?

Vor dem Rückbau haben wir in allen Gebäuden Proben von Wänden und Böden entnommen, um diese im Labor fachgerecht untersuchen zu lassen. So konnten wir abschätzen, was auf uns bei der Entsorgung zukommt. Trotzdem gestaltet sich die Entkernung sehr komplex. Im Inneren tragen wir Wände, die mit Schadstoffen belastet sind, mit einer Art Staubsauger ab, sodass keine Fasern nach draußen gelangen. Auch der Beton wird in Wertstoffklassen sortiert ablegt. Je nach Einordnung kommt er zur fachgerechten Entsorgung auf eine der Deponien in der Umgebung oder wird zur Weiterverwendung von einem geräuscharmen Brecher zerkleinert.

ZEISSBAUSTELLE Jena
Schadstoffe gelangen mit dem Staubsauger nicht nach draußen.

Gab es Kritik?

Nein. Bisher wurde keine an uns herangetragen. Wir achten aber auch sehr darauf, dass die vorgegebenen Anforderungen an den Schallschutz eingehalten werden. Im Vorfeld gab es eine Informationsveranstaltung für alle Anwohner in der Jenaplan-Schule Jena. Auf der Baustelle wird unter der Woche von 7.00 bis 18.00 Uhr gearbeitet. Am Samstag darf man bis 15.00 Uhr nur innerhalb der Gebäude tätig sein. Wir messen den Schall an neun Punkten rund um die Baustelle morgens und abends etwa 10 Minuten lang. Die Werte werden zwar immer wieder kurzzeitig überschritten, Ursache ist aber nicht die Baustelle. Da die Messpunkte an der Otto-Schott-Straße und in der Nähe des Westbahnhofs liegen, ist die Lärmbelastung durch den Berufs- und Stadtverkehr oder die Bahn wesentlich höher.

Der Beton wird recycelt?

Genau. Es soll möglichst viel unbelastetes Material wieder eingebaut werden. Separieren und Wiederverwenden ist nachhaltiger und spart die Kosten für den teuren Abtransport. Wir zerkleinern den recycelten Beton so stark, dass er später den Untergrund für die neuen Gebäude bilden kann.

Wo finde ich noch mehr Informationen rund um das Projekt?

Das Projektinformationsbüro in der Otto-Schott-Straße öffnet in Kürze. Hier können sich interessierte Bürger und Mitarbeiter zweimal pro Woche über den Baufortschritt informieren. Außerdem finden Interessierte hier auf der Website​ alle Informationen rund um den Bau – dort stehen wöchentlich neue Fotos von der Baustelle zur Verfügung.

 

Auch der Rückbau hat seinen ästhetischen Reiz

Ungewohnte Perspektiven und Farben auf der Baustelle

 © Sandro Most © Sandro Most
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