Praxiseinblick:

Operationsmikroskop und Stuck an der Decke

Gegenüber dem dienstältesten Planetarium der Welt im Jenaer Damenviertel, in dem sich ein Jugendstilhaus an das nächste reiht und Biobäcker, Blumenläden und Natur-Friseure die gepflasterten Trottoirs säumen, liegt die zahnärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Hoffmann, Dr. Drothen, Dr. Wächter. Eine schwere Tür öffnet sich, und nach einem kurzen Gang über den Flur steht man in den Praxisräumen mit Holzdielen, Stuck an der Decke und eine Altbau-Atmosphäre, die warm und einladend ist. Man könnte glatt vergessen, eine Zahnarztpraxis betreten zu haben.

Optik und Mechanik statt Polster und Kissen

Dr. Joachim Hoffmann eilt über den Flur und verschwindet in einem der Räume. Es knarzt und knackt, die geschliffenen Holzdielen offenbaren ihr Alter. Erwarten könnte man hier ein breites Sofa, Kissen, Meißner Porzellan – stattdessen hängt von der Decke neben der Patientenliege ein großes Operationsmikroskop, das Joachim Hoffmann fast täglich nutzt.

Seit 1999 arbeitet Joachim Hoffmann mit dem Gerät. Nicht nur die Optik, sondern auch die Mechanik leisten ihm wertvolle Dienste. „Gerade hier, in dem Altbau mit den Balken und Dielen, schwingen die Fußböden – aber wenn eine Schwester durch das Zimmer läuft, darf natürlich gar nichts wackeln, wenn ich durch das Okular schaue“, berichtet Joachim Hoffmann.

Allerdings war es nicht die ausgeklügelte, gefederte Mechanik, sondern die Optik, die den Arzt vor bereits mehr als 15 Jahren überzeugte, ein Operationsmikroskop als Hilfsmittel zu nutzen. Weshalb? Wir haben Joachim Hoffmann gefragt.

Herr Hoffmann, ein etwa zwei Meter hohes Operationsmikroskop in einer Zahnarztpraxis macht doch den Patienten Angst. Wie beruhigen Sie die Menschen, die ja mittlerweile aus ganz Deutschland zu Ihnen überwiesen werden?

Joachim Hoffmann: Ein solch großes Gerät kann den Respekt vor der Behandlung erhöhen, das stimmt. Ich mache aber die Erfahrung, dass es eher Zuversicht ist, die sich ganz schnell bei meinen Patienten ausbreitet, wenn ich ihnen erkläre, welchen Nutzen das Gerät hat.

Welchen Nutzen hat es denn?

Joachim Hoffmann: Für die Patienten hat es einen direkten und einen indirekten Nutzen. Wie Sie sich vorstellen können, ist es im Mund eher dunkel; menschliche Zähne und Zahnwurzeln, das Zahnfleisch und der Kiefer liegen nicht gerade exponiert und sind eher klein. Im Wesentlichen beleuchtet und vergrößert das Operationsmikroskop das, was ich zu behandeln habe. Und das bis um das 32fache. Das erleichtert mir die Arbeit, und ich arbeite genauer und zuverlässiger.

Davon profitieren Ihre Patienten natürlich. Allerdings erwarten sie zuverlässiges und genaues Arbeiten sicherlich von jedem Zahnarzt.

Joachim Hoffmann: Die Leistung des Mikroskops unterstützt mich als Zahnarzt ungemein. Zudem können durch die Vergrößerung etwa in der Implantologie kleinere Instrumente verwendet werden. Die Mikroskopie in der Zahnheilkunde trägt also dazu bei, minimal-invasiv und somit besonders schonend zu arbeiten.

Können Sie ein Beispiel nennen – eine Behandlung, bei denen das Operationsmikroskop besonders nützlich war?

Joachim Hoffmann: Bei einem Patienten war eine Schraube im Innern des Implantatgewindes gebrochen. Die kaputte Schraube konnte ich tatsächlich nur durch die Vergrößerung und Ausleuchtung durch das Mikroskop aus dem Implantat herausholen. Andernfalls hätte ich operieren müssen – dem Patienten hat die gute Optik also eine Operation erspart.

Sie sprachen vorhin auch von einem indirekten Nutzen…

Joachim Hoffmann: Ja, der geht mit der Digitalisierung der Mikroskopie einher und ist mindestens genauso wichtig: Mit dem Gerät werden bei den Operationen Videosequenzen aufgenommen. Dann können meine Kollegen und ich zum Beispiel bei besonders guten Ergebnissen oder auch bei komplizierten Prozeduren hinterher nachvollziehen, wie die Anatomie des Patienten beschaffen und ob die Behandlungstechnik geeignet war. Dabei habe ich in den vergangenen 16 Jahren, in denen ich das Operationsmikroskop nutze, selbst sehr viel gelernt. Noch immer sehe ich mir nach jedem einzelnen Eingriff das Video an. Ich möchte damit immer individuell nachvollziehen, ob ich etwas und was ich verbessern kann.

Inzwischen haben Sie einige Videos auch für Kollegen und Studierende aufbereitet.

Joachim Hoffmann: Die Filme zeigen die Operation genau aus der „Täter“-Perspektive – eigentlich wie im „Tatort“. Kollegen oder Studierende sehen so Details, die sie sonst nie gesehen hätten. Und diese Möglichkeit, die eigene Technik an verschiedenen Beispielen aus der Behandlungspraxis zu beobachten und auszuwerten, wollte ich weitergeben: Was funktioniert gut, wo lag der Fehler? Einige Videos habe ich vor ein paar Jahren dann geschnitten und für Fachkollegen veröffentlicht.

Herr Dr. Hoffmann, vielen Dank für das Gespräch!
Dr. Joachim Hoffmann
Zahnarzt Dr. Joachim Hoffmann mit dem Operationsmikroskop in seiner Jenaer Praxis