Eine Erfindung, die Leben verlängern kann

Möglichst viel krankes, gleichzeitig möglichst kein gesundes Gewebe entfernen – die Fluoreszenztechnologie kann Neurochirurgen bei diesem Balanceakt während einer Operation am Gehirntumor helfen.

Prof. Dr. med. Walter Stummer

Weniger als zwei Prozent aller Krebserkrankungen bei Menschen sind Gehirntumore1. Eine seltene und trotzdem eine gefürchtete Erkrankung – bedeutet ihre Diagnose doch häufig, dass der Patient nur noch wenige Jahre oder gar Monate zu leben hat. Denn die Wucherung lässt den Druck im Gehirn immer weiter, zuletzt lebensbedrohlich, steigen.
Noch immer sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, aber eine Operation verbessert die Lebensqualität und kann Leben verlängern. Heilen kann sie aber die Krankheit oftmals nicht.
„Die radikale Resektion bösartiger Tumore ist sehr, sehr wichtig“, erklärt Prof. Dr. med. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Münster. Er meint das Herausschneiden der wuchernden Zellen. Da bösartige Tumore, zum Beispiel so genannte Glioblastome, aber in gesundes Gewebe infiltrieren, ist es häufig nicht möglich, den Tumor vollständig zu entfernen. Denn dann würden auch die funktionalen Bereiche, etwa das Sprachzentrum, beschädigt werden. Die Lebensqualität des Patienten steht in der verbleibenden Zeit im Vordergrund.
Die Fluoreszenztechnologie kann Chirurgen dabei helfen, diesen Balanceakt während einer Operationso gut wie möglich zu meistern: Sie ermöglicht die intraoperative Visualisierung von Tumorgewebe während der Operation und unterstützt so den Neurochirurgen, zwischen krankem und gesundem Gewebe zu unterscheiden.
Prof. Dr. Stummer war eine der treibenden Kräfte als die Fluoreszenztechnologie für die intraoperativeVisualisierung von gesundem und krankem Gewebe erfunden wurde. In Zusammenarbeit mit ZEISS entwickelte er zwischen 1998 und 2007 diese klinische Applikation, die seit mehr als zehn Jahren unter dem Namen ZEISS BLUE 400* in Operationsmikroskope und nun auch in das Robotische Visualisierungssystem KINEVO 900 von ZEISS integriert werden kann. Prof. Dr. Stummer und sein Team nutzen die Technologie am Universitätsklinikum Münster wie viele andere Ärzte weltweit heute regelmäßig.
Das Fluoreszenzmodul BLUE 400 von ZEISS hat als einziges im Rahmen einer multizentrischen Phase-III-Studie2 seine Effizienz erfolgreich bewiesen.

1World Health Organization (WHO): World Cancer Report 2014, p. 511.

2Stummer W, Pichlmeier U, Meinel T et al.: Fluorescence-guided surgery with 5-aminolevulinic acid for resection of malignant glioma : a randomised controlled multicentre phase III trail. Lancet Oncol 7: 392-401, 2006 (http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(06)70665-9/abstract)

* Not available in all markets.