Auroras – Geheimnisvolle Lichter des Nordens

Den Polarlichtern auf der Spur

Die Polarlichter gehören zu den größten Wundern der Natur. Während in der Kuppel bisher fast ausschließlich Zeitrafferaufnahmen zu sehen waren, erleben Besucher dieser Show die schönsten Nordlichter in Echtzeit mit hoher Auflösung. Der Astrofotograf Kwon O Chul verwendete ein eigenes Setup aus mehreren Kameras für die lebendigen Filmaufnahmen. Der mehrfach preisgekrönte Film erzählt von Mythen in Verbindung mit den Nordlichtern und erklärt wie Polarlichter entstehen. 

Trailer

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Spezifikation

Länge 29 min
Zielgruppe Alle Altersgruppen ab acht
Charakteristik Live-Video und computeranimierte Fulldome-Grafik
Orientierung unidirektional; für konzentrische Bestuhlung geeignet
Videoauflösung 2k, 3k, 4k
Produktion/Jahr Metaspace, 2016
Sprachen Englisch, Deutsch, andere Sprachen auf Anfrage
Auszeichnungen JANUS Astro Award - FullDome Festival 2017, Jena
Audience Award - 4th International Planetarium Movie Festival 2016, Seoul

Filmreview

11. FullDome Festival Jena

Dieser Film macht süchtig auf Polarlichter.

Wir kennen Polarlichter – allerdings nicht immer aus eigener Anschauung. Wir betrachten sie in Fotografien oder folgen ihrem Tanz im Zeitraffervideo. Aber erst, wenn Sie diesen Film gesehen haben, wissen Sie was die magischen Lichter am Himmel wirklich ausmacht. Kwon O Chul bringt sie uns authentisch in die Kuppel, in Echtzeit, emotionsgeladen und weckt in uns das Verlangen, die Lichter mit eigenen Augen zu erleben. Der Film beantwortet viele Fragen. Woran dachten Generationen vor uns, die sich das grüne und rote Leuchten nicht erklären konnten? Was verursacht Polarlichter und ihre wechselvollen Farben? Wo sind die besten Bobachtungsplätze auf der Erde? Und ja, es gibt sie nicht nur auf der Erde. Saturn, Jupiter und selbst Mars schmücken sich mit leuchtenden Ringen in ihren Atmosphären.

»Aurora – Lights of Wonder« ist eine souveräne Dokumentation mit zahlreichen Übergriffen in das Genre der wissenschaftlichen Unterhaltung. Äußerst professionell gemacht, ein Kuppelerlebnis, das sich ins Gedächtnis einschreibt. Ein aktuelles Thema, dass nicht von ungefähr in unseren Kuppeln Einzug hält, ist doch die Kameratechnik endlich soweit, die filigranen Lichtervorhänge digital zu bannen. Mit dem abklingenden Maximum der Sonnenaktivität werden die Chancen auf spektakuläre Polarlichter wieder geringer, was natürlich die Jagd der Fotografen und Filmemacher zusätzlich anfeuerte.

Der Film teilt sich zwanglos in einzelne Kapitel ein, die ein professioneller Sprecher mit angenehmer sonorer Stimme verbindet. Im kanadischen Yellowknife entstanden die beeindruckenden Aufnahmen der Nordlichter. Die nächtlichen Szenen lassen das Verlangen aufkommen, diesen Anblick selbst einmal erleben zu wollen. Selten kann ein dokumentarischer Kuppelfilm so viel Emotionalität ausstrahlen: „The impression of this striking display may touch your heart and stay with you for ever.“

Ein deutlicher Wechsel der Bildsprache führt in das Kapitel des Rückblicks in die Folklore und Ansichtenwelt der Völker ohne jegliche Kenntnis der Ursachen des Nordlichts. In zweidimensionalen Animationen, in der Tiefe über mehrere Ebenen gestaffelt, erfahren wir vom Glauben an den Tanz der Geister Verstorbener in den nordamerikanischen Völkern, vom Polarfuchs, der mit seinem Schwanz den Schnee zum Himmel stiebt und zum Leuchten bringt und von der Interpretation der Lichter als Botschaften Gottes im Mittelalter. Ihren Namen verdanken sie Galileio Galilei, der das seltene rote Licht über Europa mit der Morgenröte in Verbindung brachte und es nach ihrer Gottheit „Aurora Borealis“ nannte. Die Verwendung mittelalterlicher und renaissancetypischer Zeichnungen und Gemälde für die Animationen liegt nahe.

Die aus dem Rücken auftauchende Sonne mit ihrer Chromosphäre leitet das Kapitel zur Entstehung der Polarlichter ein. In einfach gehaltener grafischer Animation taucht der Betrachter in einen Strom hochenergetischer Teilchen ein und folgt ihm auf dem Weg zur Erde. Dieser Teil der Animationen ist nicht so gelungen. Ein bläulicher Merkur und eine tiefblasse Venus enttäuschen den Betrachter, der hervorragende Bilder dieser Planeten kennt. Auch kann der „krabbelnde“ Partikelstrom kaum sein natürliches Gegenstück repräsentieren. Schade auch, dass er sich auf den Durchmesser des Erdmagnetfeldes begrenzt, was ein falsches Bild der Teilchenstrahlung wecken kann. Immerhin, deutlich wird, dass der Abbruch der Teilchenstrahlung auch der Grund dafür ist, dass Polarlichter einfach und schnell wieder verschwinden.

Ein Leichtes ist es, aus kosmischer Perspektive die Orte auf der Erde auszumachen, die für die Beobachtung der Nordlichter in Frage kommen. Die Aurorazone erstreckt sich vom nördlichen Kanada über Island noch Nordskandinavien. Eindrucksvoller als die Animation des Aurorarings um den Nordpol der Erde ist die Leuchterscheinung selbst, belegt mit weiteren überaus bewundernswerten Aufnahmen, ruhig untermalt mit klangvoller Vokalmusik. Im Übrigen, alle Aufnahmen gänzlich ohne Stichingfehler.

Die Nordlichter wechseln ihr Erscheinungsbild und das viel schneller, als gemeinhin angenommen wird. Die schönsten Spektakel dauern nur einige Minuten und dennoch lohnt sich die Beobachtung über die ganze Nacht.

Der lange bekannte 11-Jahreszyklus der Sonnenflecken wurde frühzeitig als Aktivitätswechsel interpretiert. Raumsonden zur Beobachtung der Sonne belegen heute diese Deutung. Im Film nur kurz gestreift, sind die Satellitenanimationen aber sehenswert. Nahezu unvorbereitet findet sich der Betrachter im letzten Kapitel über dem Saturn mit seinen Polarlichtern wieder und lernt auch die leuchtende Aurora um den Pol Jupiters kennen. Polarlichter sind also keine exklusive Erscheinung der Erde. Sehr originell: der Flug „unter“ dem Jupiter hinweg.

Dennoch gelingt es dem Film – ohne Wenn und Aber – das Phänomen der Polarlichter trefflich zu visualisieren und Licht hinter die Lichter zu bringen. Trotz weniger grafischer Schwächen wird jeder Besucher im Alter ab zehn Jahren die wesentlichen Zusammenhänge ihrer Entstehung und Sichtbarkeit verstehen und mit beachtlichem Erkenntnisgewinn nach Hause gehen.

»Aurora« wurde explizit für die Kuppelprojektion und unter meisterhafter Berücksichtigung ihrer kritischen Aspekte produziert. Auf eine Hauptblickrichtung orientiert, vergessen Drehbuch und Skript nicht die gesamte Kuppel einzubeziehen und den Betrachter mit Aktionen im Rücken zu überraschen. Die Naturaufnahmen mit beleuchteten Tipis begründen die besondere Ästhetik und Authentizität des Films. Dies ist wohl auch dem Originalton mit schweren Schritten im Schnee, bellenden Hunden und den jubelnden Rufen der Menschen, die das Schauspiel am Himmel genießen, zu verdanken. Zweifellos gipfelt der Film in den hellen kronenförmigen Polarlichtern eines Aurora-Substorms, unvergleichliche Aufnahmen, die für fast alle Besucher staunenswert sein dürften. Bewusst oder unbewusst nutzen diese Szenen ein Gestaltungselement, das nur in Ausnahmen in edukativen Dokumentationen vorkommt: die emotionale Begeisterung.

Die Polarlichtaufnahmen basieren auf einer eigens entwickelten Multikameratechnik, die erstmals die Aufzeichnung in Echtzeit und in 4k ermöglichte. Das perfekte Stitching und die Nachbearbeitung zur Minderung des Rauschens, zur Farbsättigung und Schärfung war mit Sicherheit eine sehr große Herausforderung. Jedenfalls ist für den Rezensenten die Sichtbarkeit der Nachbearbeitung der einzige Wermutstropfen im Film. Was auf der einen Seite die Schönheit und den besonderen Reiz des Filmes ausmacht, wird auf der anderen Seite durch die absolut notwenige Nachbearbeitung wieder etwas entzaubert. Die musikalische Untermalung in Anlehnung an bekannte Motive aus der klassischen Filmmusik ist treffend. Zurückhaltend in erklärenden Szenen, einfühlsam ansprechend in den Naturbildern, nicht zu dominant und dennoch markant. Ein harmonisches Ganzes.

»Aurora – Lights of Wonder« sollte in allen Planetarien gezeigt werden und das so bald wie möglich. Dafür spricht der populärwissenschaftliche Gehalt, aber mehr noch weil er süchtig macht, süchtig auf Polarlichter. 

Volkmar Schorcht, Fulldome Festival Foundation

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