So kommt die Farbe in die Sonnenbrille

Ein Besuch in der ZEISS Färberei klärt diese Frage.

Die Gläser werden aus dem Fabbad geholt

Die Gläser werden aus dem Fabbad geholt.

Wie werden eigentlich Sonnenbrillengläser eingefärbt? Ein Besuch in der ZEISS Färberei klärt diese Frage.

Betritt man die Färberei in der Brillenglasproduktion von ZEISS am Standort Aalen, fallen sofort die vielen Wasserbecken auf, in denen die Brillengläser in 95 Grad heißem Wasser eingefärbt werden. In den Becken befinden sich die unterschiedlichsten Farben aus dem ZEISS Farbspektrum. Nichts hier ist „von der Stange“ – alle Farben werden von den Mitarbeiterinnen direkt vor Ort gemischt – für rund 3.000 Sonnenbrillengläser am Tag. „Trotz standardisierter Prozesse, die es in der Färberei natürlich auch gibt, ist sie für mich die kreative Ecke im ZEISS Werk“, beschreibt Stephan Schurr, Leiter dieser Abteilung.

Schon beim Mischen zeigen sich die Erfahrung und große Kenntnis der Färberinnen: Selbst das kleinste Milligramm Farbpulver mehr oder weniger hat Einfluss auf das Ergebnis und auf das finale Sonnenbrillenglas. Ein bisschen zu viel gelb – und schon ergibt sich ein anderer Rotton, wenn das Glas am Ende der Färbezeit aus dem Färbebecken kommt.

So färbt ZEISS Sonnenbrillengläser

Im Alltag fragt man sich wohl eher selten, wie eigentlich die Farbe in das Glas der Sonnenbrille kommt. Oft wird vermutet, dass der Farbton bereits im Herstellungsprozess ins Brillenglas gebrannt wird. Für Sonnenbrillen, die es fertig zu kaufen gibt, wird der Kunststoff tatsächlich bereits eingefärbt. Doch bei Gläsern mit Sehstärke ist es ganz anders: In der ZEISS Färberei werden klare Brillengläser aus Kunststoff von Hand gefärbt und so zu individuellen Sonnenbrillengläsern. Jedes Glas wird einzeln von einer Färberin in die Hand genommen, in ein Farbbecken getaucht, in dem es dann die Farbe absorbiert. Erstaunlich: Nirgendwo stehen Stoppuhren oder Wecker, um die Färberinnen daran zu erinnern, die Gläser aus dem Becken zu nehmen. Rein nach Erfahrung und Gefühl bewegen die Färberinnen sich zwischen den Farbbecken hin und her und wissen genau, welches Glas wie lange benötigt, um die gewünschte Farbe anzunehmen.

Hier noch ein bisschen länger, hier nur noch ein paar Sekunden. Hat das Brillenglas letztlich die Farbe aufgenommen, kontrolliert die Färberin das Farbergebnis unter einer Tageslichtlampe. So stellt sie sicher, dass das Ergebnis auch dann stimmt, wenn die Brille mit den farbigen Gläsern später im Sonnenlicht getragen wird. Ist das Glas schon perfekt, oder muss farblich noch etwas nachgebessert werden? Vielleicht noch ein kurzer Tauchgang im Blau-Becken – dann passt es.

Als letzter Schritt folgt das Entfärben. Hierbei wird natürlich nicht wieder die komplette Farbe entfernt, sondern nur die überschüssigen Farbreste vom fertigen Sonnenbrillenglas. Das ist wichtig, da sich die Farbe durch das Auftragen der Hart-Schicht verändern würde.

Deshalb ist die ZEISS Färberei fest in Frauenhand

„Ein paar Jahre lange hat hier mal ein Mann gearbeitet, aber eigentlich sind hier nur Frauen tätig“, berichtet Prozessbetreuerin Elke Maierhöfer. Sie und ihre Kolleginnen haben die Färberei fest in Frauenhand. Die rein weibliche Besetzung hat einen logischen Grund: Frauen erkennen Farben besser und genauer, dies ist durch mehrere Studien belegt. So tritt zum Beispiel die Rot-Grün-Blindheit (auch Rot-Grün-Schwäche genannt) fast ausschließlich bei Männern auf. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen die Farben für die Sonnenbrillengläser genauer erkennen, von vorneherein größer. Neuere Studien zeigen noch deutlicher den Unterschied beim Sehen zwischen den Geschlechtern: Frauen sehen Farben besser und Männer sich schnellbewegende Objekte.

Die Fachkompetenz und Handarbeit der Färberinnen führt übrigens dazu, dass es beinahe keine Sonnenbrillenfarbe gibt, die die Frauen nicht herstellen können. „Ich kann alles färben“, sagte eine Färberin selbstbewusst. „Mir würde keine Farbe einfallen, die ich noch nicht gemacht habe oder nicht machen kann.“ Und Stephan Schurr erzählt: „Es ist auch schon vorgekommen, dass wir Farbmuster in Form von Schals oder Kleidung bekommen haben und dann Sonnenbrillengläser in genau dieser Farbe eingefärbt haben.“ Prominente wie Beth Ditto und Sir Elton John haben in Aalen schon ihre ganz eigenen Farben anmischen lassen.

Fünf Fakten zum Brillenglasfärben bei ZEISS:

  1. Das Färben von Sonnenbrillengläsern aus Kunststoff ist kein Lehrberuf und erfordert vor allem Erfahrung und Spaß an der Arbeit. Viele Frauen sind bereits seit 25 Jahren und länger bei ZEISS tätig.
  2. Die Färberinnen färben, ohne die Zeit zu messen. Das heißt, sie entscheiden mit ihrer langjährigen Erfahrung, ob die Brillengläser bereits genug Farbe gezogen haben.
  3. Stimmt die Farbe des Sonnenbrillenglases noch nicht, schwenken die Färberinnen die Gläser manchmal nur ein paar Sekunden in einem anderen Farbbecken, um die Farbe auszugleichen.
  4. Die Färberinnen arbeiten so exakt, dass 98 Prozent aller Sonnenbrillengläser bereits im ersten Anlauf die richtige Farbe haben.
  5. Die Färberinnen sind nicht spezialisiert auf bestimmte Sonnenbrillenfarben, das heißt: Jede Färberin kann alles färben. Egal, welches Glas, welche Farbe oder welcher Verlauf gewünscht ist.

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