Zuschüsse für Brillengläser: Gute Nachricht für Verbraucher, Mehraufwand für Augenoptiker

Aalen, 6. März 2017

Ab April sparen Brillenträger bares Geld beim Kauf einer neuen Brille. Vorausgesetzt, sie sind gesetzlich krankenversichert, kurz- oder weitsichtig und haben mindestens sechs Dioptrien oder eine Hornhaut- verkrümmung (Astigmatismus) und mindestens vier Dioptrien. Zumindest teilweise werden sich die Krankenkassen an den Kosten für neue Brillengläser beteiligen – wie hoch der Zuschuss sein wird und wie ihn die Versicherten bekommen, ist noch nicht klar (Kassenzuschuss Fragen & Antworten). Bislang existieren Festbeträge, die der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) neu festsetzen will.

Demnächst von den Kassen subventioniert: Brillengläser

Demnächst von den Kassen subventioniert: Brillengläser

Keine Brille auf Rezept: Zuzahlung nur für Brillengläser

„Für die Verbraucher ist die Neuregelung natürlich ein positives Zeichen, auch wenn sie nach den Angaben des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) „nur“ maximal 1,4 Millionen der insgesamt 41,2 Millionen fehlsichtigen Deutschen betrifft“, sagt Christoph Hinnenberg, Vertriebsleiter der Carl Zeiss Vision GmbH. Ganz neu ist der Passus im Heil- und Hilfsmittelgesetz, das im Februar verabschiedet wurde, nicht: „Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Regelung in ähnlicher Weise ja bis 2003 in Deutschland schon einmal existierte, auch wenn damals jeder, der auf eine Sehhilfe angewiesen war, Zuschüsse von seiner Krankenkasse erhielt“, so Hinnenberg. Die Neuauflage dieser Regelung sieht die Zuzahlung nur für Kurz- oder Weitsichtige mit mindestens sechs Dioptrien vor. Auch für Menschen mit Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) und mindestens vier Dioptrien gilt der Leistungsanspruch. Der ZVA warnt vor zu hohen Erwartungen, die „Brille auf Rezept“ wird es auch mit der Neuregelung nicht geben. Denn die Zuzahlung betrifft nur die Brillengläser – die Kosten für die Brillenfassung trägt weiterhin jeder Brillenträger selbst. Nur für Kinder unter 14 Jahren übernehmen die Kassen die Kosten für die ganze Brille.

Brillenträger profitieren beim Kauf

Zwei wichtige Aspekte sind noch unklar: Wie hoch der Zuschuss ausfallen wird und wie er abgerechnet wird. Bislang existieren Festbeträge zwischen zehn und rund 112 Euro pro Brillenglas. Die neuen Beträge will der GKV Spitzenverband noch festsetzen. Voraussetzung für den Zuschuss wird sehr wahrscheinlich eine Verordnung von einem Facharzt für Augenheilkunde sein. Der Augenarzt entscheidet damit, ob überhaupt ein Leistungsanspruch besteht und stellt das entsprechende Rezept aus. Das legt der Versicherte seinem Optiker vor und dieser rechnet sehr wahrscheinlich direkt mit der Krankenkasse ab. Brillenträger profitieren also direkt beim Kauf von der Zuzahlung, sie wird von der Rechnung abgezogen.

Auf die ca. 12.000 augenoptischen Betriebe in Deutschland kommt damit allerdings auch ein gesteigerter bürokratischer Aufwand hinzu. Und: Auch mit Rezept vom Augenarzt wird die Refraktion beim Augenoptiker – die Berechnung der Brillenglasstärke – nicht entfallen. „Der Augenoptiker kann genau berechnen, welchen Grad der Korrektur das Auge genau braucht und die passenden Brillengläser empfehlen“, so Christoph Hinnenberg.  

Brillengläser: Hochwertiges Material extrem wichtig

Hinzu kommt: Wer stark fehlsichtig und auf seine Brille angewiesen ist, legt zu Recht Wert auf qualitativ hochwertige Brillengläser – und ist bereit in Markenprodukte zu investieren. Besonders leichte, dünn geschliffene oder entspiegelte Brillengläser liegen dann trotz Zuschuss immer noch im hochpreisigen Segment. Oder sind gar nicht zuschussberechtigt, denn die Krankenkassen behalten sich vor, auf welches Material sie die Zuschüsse gewähren. „Gerade aber stark fehlsichtige Menschen sollten nicht an den Brillengläsern sparen und auf hochwertiges Material setzen“, rät Christoph Hinnenberg. „Wir haben nur diese Augen und sollten ihnen das beste Produkt gönnen.“

Kassenzuschuss für Brillengläser: Weitere Informationen

Deutscher Bundestag verabschiedet Änderung des Heil- und Hilfsmittelgesetzes (HHVG)

Christoph Hinnenberg, ZEISS

Deutscher Bundestag verabschiedet Änderung des Heil- und Hilfsmittelgesetzes (HHVG)

Auch der Unternehmensbereich Vision Care von ZEISS verfolgt diese Neuerung. Hierzu Christoph Hinnenberg, Vertriebsleiter der Carl Zeiss Vision GmbH

Am Donnerstag, den 16. Februar 2017, hat der Deutsche Bundestag eine Änderung des Heil- und Hilfsmittelgesetzes (HHVG) verabschiedet. Demnach sollen gesetzlich versicherte Erwachsene künftig wieder eine Sehhilfe auf Rezept erhalten. Diese Neu-Regelung gilt für Patienten mit Kurz- oder Weitsichtigkeit von mehr als sechs Dioptrien oder einem Astigmatismus ab vier Dioptrien. 

Viele Medien haben darüber bereits berichtet. Und der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (kurz ZVA) betont: „Was die konkreten Auswirkungen der Gesetzesänderung angeht, ist derzeit noch vieles im Unklaren. Sicher ist neben der ausgeweiteten Anspruchs-berechtigung vorerst nur eines: Die Neuregelung wird bei allen Beteiligten einen gesteigerten bürokratischen Mehraufwand verursachen. Der ZVA steht deshalb in engem Austausch mit den Landesinnungsverbänden und Innungen, so dass die Innungsbetriebe demnächst alle erforderlichen Informationen erhalten, sobald uns diese vorliegen.“ (Quelle: ZVA; die ganze Pressemitteilung können Sie hier nachlesen)

Auch der Unternehmensbereich Vision Care von ZEISS verfolgt diese Neuerung. Hierzu ein Zitat von Christoph Hinnenberg, Vertriebsleiter der Carl Zeiss Vision GmbH: „Für die Verbraucher ist die Änderung natürlich ein positives Zeichen. Auch wenn die Neuregelung nach Angaben des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) „nur“ maximal 1,4 Millionen der insgesamt 41,2 Millionen fehlsichtigen Deutschen betrifft. Und wir dürfen dazu nicht vergessen, dass diese Regelung in ähnlicher Weise ja bis 2003 in Deutschland schon einmal existierte, auch wenn damals jeder, der auf eine Sehhilfe angewiesen war, Zuschüsse von seiner Krankenkasse erhielt. Sie hatte aber auch damals schon nicht nur Vorteile. Für viele Verbraucher sind Augenärzte die Experten für die Augengesundheit – und Augenoptiker die Experten für die Augenglasbestimmung und den Brillenkauf. Wenn es den Zuschuss nur gegen Verordnung vom Augenarzt gibt, kann es sein, dass sich Verbraucher für eine neue Brille eben erst an den Augenoptiker wenden, wenn sie zuvor beim Augenarzt waren. Einen Termin beim Arzt gibt es oft erst nach längerer Wartezeit, nicht wie beim Optiker auch sehr kurzfristig. Das könnte dazu führen, dass Verbraucher viel Zeit verstreichen lassen, bevor sie eine neue Brille kaufen. Und das ist nicht im Sinne einer guten und zeitgemäßen augenoptischen Versorgung – gerade für Brillenträger mit höherem Korrekturbedarf.“
(Stand: 22. Februar 2017)
 

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