Der Sprung zur Projektleiterin

Sie liebt das Kribbeln im Bauch – jedes einzelne Mal. Den Sprung ins Wasser nimmt sie so bewusst wahr, wie nur möglich. Den erhöhten Puls, das Rauschen der Luft. Und dann ist alles still. Untertauchen. Das Wasser ist kalt, der Reflex zu atmen greift sofort. Ihr Blick geht nach oben. Die Wasseroberfläche ist nicht weit. Noch zwei kräftige Züge mit den Armen. Auftauchen. Atmen. Glücklich sein.

Inkeri kennt diesen Sprung – sie hat ihn schon öfter gewagt. Und auch wenn das Wasser dabei immer kalt war: gesprungen ist sie trotzdem jedes Mal. So entwickelte sie sich von der Personalreferentin mit BWL-Hintergrund zur Leiterin eines internationalen Teams, das die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt. „Wichtig ist nur, dass man von seinen Vorgesetzten die Schwimmflügel bekommt – zumindest für die erste Zeit“, sagt sie. „Aber den Mut zu springen, den muss man schon selbst haben.“

Unter Technikern Zuhause

Wenn Inkeri heute durch das Kundenzentrum für augenoptische Geräte bei ZEISS geht, bleibt sie bei nahezu jedem Produkt stehen und erklärt dessen Funktionsweise. „Technik ist kein Hexenwerk, das ist alles total logisch“, sagt sie dann, wenn sie verwundert ob ihres Wissens angesehen wird.

Nachdem sie den ersten Sprung gewagt hatte, von der Personalabteilung zur Leitung des globalen Service im Bereich der Augenoptik, musste sie sich intensiv mit der Technik der Geräte beschäftigen. „Da habe ich mich die ersten sechs Monate mit ins Call-Center gesetzt und alles an Informationen aufgesaugt, was ich bekommen konnte“, sagt Inkeri. Schräge Blicke habe es zu Beginn schon gegeben, als einzige Nicht-Physikerin unter Naturwissenschaftlern. „Aber wenn man ehrliches Interesse zeigt – und natürlich auch eine Lernkurve vorweist – wird man schnell akzeptiert.“

Nach zwei Jahren übernahm sie zusätzlich zum technischen Service auch die komplette Produktmanagement-Abteilung, der nächste Sprung ins Ungewisse. Aber ihre externe Sicht auf die Dinge als Generalistin unter Technikern wurde geschätzt. Überall wo sie war, durfte sie Prozesse optimieren – und sich fachlich weiterentwickeln. „Von meinen Vorgesetzten wurde ich immer wieder zu neuen Aufgaben empowert, und dazu hatte ich eben auch das richtige Mindset“, sagt sie. Go for it!

Verantwortung für Digitalisierung

Das dachte sie sich auch, als sie mit einem der drei großen Digitalisierungsprojekte im Bereich der Augenoptik bei ZEISS betraut wurde. Gemeinsam mit ihrem Team kreierte Inkeri eine Plattform, über die Optiker und Ärzte Messgeräte fernsteuern können. Sie überprüfen so einfacher das Sehen und die Augengesundheit der Leute und können diese dadurch manchmal sogar langfristig erhalten. Ein Patient beim Optiker bekommt die weiterführende Augenüberprüfung durch einen Spezialisten gleich dazu. Das führt zwei Dienstleistungen räumlich zusammen, die sich oft bedingen.

Eine solche Plattform existierte bis dato noch nicht. „Und die ersten Vorstellungen auf Messen waren auch wirklich überwältigend. Damit definieren wir die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit Sehschwächen neu – und machen sie so komfortabel wie möglich“, sagt sie. Was Inkeri und ihr Team in agilen Prozessen schuf, war für viele Augen öffnend. Eine solche Möglichkeit kam ihnen schlichtweg nie in den Sinn. „Aber wenn Henry Ford die Menschen gefragt hätte, was sie bräuchten, hätten sie auch gesagt: schnellere Pferde.“

Auf dieser Welle reiten Inkeri und ihr agiles Team in digitales Neuland. Wichtig ist ihr dabei aber, dass niemand auf der Strecke bleibt. „Als direkte Vorgesetzte habe ich die Verantwortung für die Entwicklung meiner MitarbeiterInnen. Ich muss dahinter sein, dass meine Leute kreativ eingesetzt werden und immer dazu lernen“, sagt sie. Für ihre eigenen MitarbeiterInnen hat sie die Schwimmflügel also schon bereit liegen. Nur springen, das müssen sie selbst.

Weitere Artikel

Das könnte Sie interessieren