"Ich kann immer meine eigenen Ideen einbringen und mitgestalten – jeden Tag aufs Neue"

Viele Autobesitzer fürchten es: Streusalz im Winter. Schließlich begünstigt es die Rostbildung. Für den Automobilbau ist deshalb die so genannte Galvanotechnik unheimlich wichtig. Einfach ausgedrückt, wird beim Galvanisieren ein Gegenstand mit Hilfe von Strom und einem elektrolytisch angereicherten Bad mit Metall überzogen. Im Falle einer Autokarosserie mit Zink, um diese vor Rost zu schützen. Das Feld der Oberflächentechnik bietet aber noch viel mehr Möglichkeiten: Sie macht Werkstücke aller Art nicht nur korrosionsbeständig und verschließfest, sondern manchmal auch elektrisch leitend, sehr gut gleitend oder einfach nur bunt.

Die Carl Zeiss Jena GmbH passt als zentrale Produktionseinheit der ZEISS Gruppe unter anderem Produkte durch Oberflächenveredelung ganz individuell an ihre Einsatzgebiete an, die von den Tiefen des Meeres bis ins Weltall reichen. Als Systempartner für optoelektronische Module, optische und mechanische Komponenten und Baugruppen arbeitet die Produktionseinheit dabei eng zusammen mit den ZEISS internen Unternehmensbereichen, genauso wie mit externen Firmen. Sie überzeugt sowohl mit Technologiewissen als auch mit Präzision – bei Einzelstücken und in großer Serie – und unterstützt nicht nur bei der Herstellung und Veredelung von Teilen, sondern integriert und montiert diese auch in den Produktionsprozess des Kunden.

Technik hat mich schon immer interessiert, weshalb ich – als einziges Mädchen – auch das Fach Technik in der Schule belegte. Nach der Schule wollte ich dann eigentlich Motorradmechanikerin werden. Meine Oma meinte aber: Das machst du lieber nicht! Da hast du dann immer dreckige Fingernägel.

„Es überrascht mich selbst immer wieder, in wie vielen auch ganz alltäglichen Bereichen raffinierteste Oberflächentechnik steckt“, stellt Heike fest und erzählt von einer Armbanduhr, einem Geburtstagsgeschenk. „Alle haben den Kopf geschüttelt, als ich fasziniert die Verarbeitung der Oberfläche inspizierte. Ich habe da einfach einen anderen Blickwinkel – eine Berufskrankheit sozusagen“, lacht sie. Kein Wunder, schließlich trägt Heike einen Meistertitel im Galvaniseur- und Metallschleiferhandwerk und weiß daher ganz genau, welche aufwändigen Prozesse etwa hinter hochglänzenden oder schmutz- und wasserabweisenden Oberflächen stecken.

Wenn man sich heute beruflich in diese Richtung orientieren möchte, bietet sich beispielsweise eine Ausbildung zum Oberflächenbeschichter an, die auch bei ZEISS in Oberkochen angeboten wird. Eine Berufsbezeichnung, die erahnen lässt, worum es bei dieser Tätigkeit geht. Damals, Mitte der 80er Jahre, als Heike auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, wurden hingegen Galvaniseure eingestellt. „Technik hat mich schon immer interessiert, weshalb ich – als einziges Mädchen – auch das Fach Technik in der Schule belegte. Nach der Schule wollte ich dann eigentlich Motorradmechanikerin werden. Meine Oma meinte aber: Das machst du lieber nicht! Da hast du dann immer dreckige Fingernägel“, berichtet Heike und kann sich das Lachen nicht verkneifen. Sehr zur Freude der Großmutter bewarb sie sich dann bei ZEISS. „Mein Vater arbeitete dort und überhaupt war ZEISS auch schon damals die Adresse für einen guten Ausbildungsplatz in der Region. Allein zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, war wie ein Sechser im Lotto, vor allem weil damals ein echter Lehrstellenmangel herrschte“, erinnert sie sich. Eigentlich hatte sie sich als Feinmechanikerin beworben. „Beim Gespräch wurde mir aber dann die Ausbildung zum Galvaniseur vorgeschlagen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich gar nicht so recht wusste, was sich dahinter verbirgt“, grinst sie. Nach einer intensiven Recherche war es dann der Papa, der skeptisch war. „Der Beruf wurde dann erst recht interessant für mich“, schmunzelt Heike.

Wenn man Heike in ihrem Büro in Oberkochen besucht, dann fällt der Blick unweigerlich auf ein Plakat an der Wand, das sie von ihren Kollegen zum 25-jährigen Jubiläum bei ZEISS geschenkt bekommen hat. Inzwischen sind fast zehn weitere Jahre vergangen. „Am 11. September sind es 34 Jahre“, sagt sie. Seit Heike 1984 ihre Ausbildung angetreten hat, ist sie dem Unternehmen treu geblieben. „Das könnte man jetzt auch langweilig finden“, sinniert sie. Wenn sie aber erzählt, was sie in dieser Zeit alles erlebt hat, dann klingt das alles andere als öde. Vielmehr klingt das nach einer interessanten Karriere: Nach einigen Jobwechseln ohne Firmenwechsel – von der Auszubildenden zur Führungskraft.

Nach ihrer Ausbildung hat Heike neben dem Meistertitel berufsbegleitend den technischen Betriebswirt gemacht. Bevor sie zur Carl Zeiss Jena GmbH gewechselt hat, war sie im Gebäudemanagement in verschiedenen Bereichen tätig. Obwohl ZEISS ihre Weiterentwicklung immer gefördert hat, bedurfte es natürlich auch Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen. „Da musste ich damals als Frau schon manchmal eine Extrameile gehen“, ist Heike überzeugt. Vor allem in der Ausbildung musste sie besondere Leistung bringen, um unter fast nur männlichen Kollegen ernst genommen zu werden. Heute ist das anders. Als Führungskraft von mehreren Mitarbeitern und als geschätzte Kollegin, wird sie als Spezialistin für Oberflächen und Sauberkeit in vielen Bereichen zu Rate gezogen. Das liegt auch daran, dass sie keine Scheu hat, sich proaktiv einzubringen. „Ich denke, das ist es, was die Arbeit bei ZEISS für mich auch über diese lange Zeit hinweg interessant bleiben ließ: Ich kann immer meine eigenen Ideen einbringen und mitgestalten – jeden Tag aufs Neue.“

Mitgestaltet hat Heike auch den Bau des neuen Gebäudes vom ZEISS Unternehmensbereich Semiconductor Manufacturing Technology. „In den Bereichen Abfallwirtschaft und Abwassertechnik konnte ich den Bau der Anlage damals beratend unterstützen. Das war für mich unheimlich spannend und ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, an einem solchen Projekt mitzuwirken“, sagt sie. Überhaupt findet sie, dass sie bei ZEISS die richtigen Rahmenbedingungen vorgefunden hat, um sich persönlich entwickeln zu können. „Nach der Lehre hatte ich erstmals das Gefühl: Toll, ich kann das. Und dann hat sich so ein innerer Antrieb entwickelt“, beschreibt sie. Der ist so groß, dass sie nicht nur bei ZEISS Auszubildende betreut, sondern auch im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) sitzt und die Oberflächentechniker von morgen ausbildet.

Außerdem doziert sie in ihrer Freizeit am Zentrum für Oberflächentechnik (Z.O.G.). „Ich bin einfach immer neugierig geblieben – habe immer neue Herausforderungen gesucht“, beschreibt sie ihr Erfolgsrezept. Das gilt für ihren Beruf, aber auch für ihr Privatleben. Nach ihrem ersten Halbmarathon, den sie mit der Initiative „Lauf geht’s“ bei ZEISS gemeistert hat, ragt ihr nächstes Ziel mit fast 6.000 Meter in die Höhe: der Kilimandscharo. Und auch sonst hat sie viel von der Welt gesehen. Mit Wohnmobil oder Motorrad ist sie am liebsten unterwegs in fernen Ländern. „Wenn ich so drüber nachdenke, dann habe ich schon ein echt spannendes Leben. Auch wenn ich immer in Aalen und Oberkochen geblieben bin, ZEISS hat mich in meiner Karriere immer unterstützt und ich konnte mich stetig weiterentwickeln“, zieht Heike ein zufriedenes Resümee.

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