Roboterarm, der in einer dunklen Umgebung an einem Laborgerät arbeitet
On-Demand Webinar

Laborautomatisierung in der Praxis

So planen, priorisieren und skalieren Sie erfolgreich

Webinar-Zusammenfassung

In dieser Expertenrunde diskutiert David Heinz von ZEISS Digital Innovation gemeinsam mit Robbert van Putten von Johnson & Johnson und Jeff van Doren von Takeda über Laborautomatisierung. Das Gespräch beleuchtet, wie Automatisierungsprojekte in Forschungs- und Entwicklungs- sowie in Qualitätskontrollumgebungen definiert, priorisiert und konzipiert werden können. Sie erhalten praxisnahe Einblicke in Themen wie ROI, Standardisierung, Datenintegration, Validierung, Compliance, Skalierbarkeit und die organisatorischen Rahmenbedingungen, die für erfolgreiche Initiativen zur Laborautomatisierung entscheidend sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Beginnen Sie nach Möglichkeit mit einem klaren Kapazitätsengpass: Bei kapazitätsgetriebenen Projekten lassen sich der ROI leichter definieren, Fortschritte besser messen und Vertrauen für weitere Automatisierungsmaßnahmen aufbauen.
  • Starten Sie nicht mit der komplexesten oder attraktivsten Automatisierungsidee. Die Experten empfehlen, zunächst ein vergleichsweise einfaches Pilotprojekt umzusetzen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich ist und das Vertrauen innerhalb der Organisation stärkt.
  • Standardisierung ist eine Voraussetzung für Skalierbarkeit: Röhrchentypen, Behälter, Laborverbrauchsmaterialien, Methoden, Schnittstellen und Datenformate können darüber entscheiden, ob ein Automatisierungsworkflow auf andere Labore oder Standorte übertragen werden kann.
  • Anwenderanforderungen sowie die Bereiche IT, EHS, Beschaffung, Validierung und Compliance sollten frühzeitig einbezogen werden, da Änderungen in einer späten Projektphase die Implementierung verlangsamen oder sogar zum Scheitern bringen können.
  • Bei der Laborautomatisierung geht es nicht nur um Kosteneinsparungen. Mehrwert kann auch durch eine verbesserte Datenintegrität, weniger Abweichungen, kürzere Durchlaufzeiten, eine gleichmäßigere Arbeitsverteilung, bessere Ergonomie und die Reduzierung papierbasierter Prozesse entstehen.
  • Datenintegration und offene Schnittstellen sind zentrale Voraussetzungen für eine skalierbare Automatisierung, insbesondere wenn Geräte, LIMS, Chromatographiesysteme und Softwareplattformen miteinander kommunizieren müssen.

Die Experten vertreten eine pragmatische Sicht auf aktuelle Automatisierungstrends: Prinzipien der industriellen Automatisierung, Standardisierung und robuste Schnittstellen werden als relevanter angesehen als der Hype um humanoide oder mobile Roboter.

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  • Lab Automation in Practice

    Video auf Englisch. Dauer: 60 Minuten

Referenten dieses Webinars

Porträt von Dr. Robbert van Putten
Johnson & Johnson Innovative Medicine Dr. Robbert van Putten Scientific Manager Next-gen Experimentation

Robbert van Putten ist Scientific Manager Next-Gen Experimentation bei Johnson & Johnson Innovative Medicine. Seine Arbeit konzentriert sich auf Laborautomatisierung, Hochdurchsatzexperimente, Robotik, Datenintegration und selbststeuernde Labore. Zuvor war er bei J&J in leitenden wissenschaftlichen Positionen in den Bereichen Prozessforschung und -entwicklung sowie Hochdurchsatzexperimente tätig. Mit seinem akademischen Hintergrund in Chemieingenieurwesen, Katalyse und automatisierter Reaktionstechnik verbindet er wissenschaftliche Forschung mit der digitalen Transformation von Laboren. Heute trägt er zur Entwicklung datengetriebener, automatisierter Forschungsumgebungen in den Life Sciences bei.

Porträt von Jeff van Doren
Takeda Jeff van Doren Global Analytical Instrument Lifecycle Management Lead

Jeff van Doren ist Global Analytical Instrument Lifecycle Management Lead und Lab of the Future Lead bei Takeda. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Pharmaindustrie, insbesondere in den Bereichen Impfstoff- und Methodenentwicklung, Automatisierung, Robotik und Lebenszyklusmanagement analytischer Instrumente. Seine Arbeit konzentriert sich darauf, die Digitalisierung von Laboren und den Einsatz fortschrittlicher Technologien in messbaren geschäftlichen Mehrwert zu überführen. Er ist an verschiedenen „Lab of the Future“-Initiativen beteiligt, darunter praxisorientierte Ansätze für Automatisierung, Technologieimplementierung und skalierbare Innovation. Darüber hinaus beteiligt sich Jeff an Branchendiskussionen zu vernetzten Laboren, Instrumentenkonnektivität und der bereichsübergreifenden Transformation von Laboren.

Porträt von David Heinz
ZEISS Digital Innovation Dr. David Heinz Business Development Manager

Dr. David Heinz ist Business Development Manager bei ZEISS Digital Innovation und beschäftigt sich mit der Digitalisierung und Automatisierung von Laboren in der Pharma- und Life-Science-Industrie. Er ist auf die Integration von Daten, Systemen und KI-gestützten Ansätzen spezialisiert, um vernetzte und datenzentrierte Forschungs- und Entwicklungsprozesse zu ermöglichen. Vor seiner Tätigkeit bei ZEISS hatte er verschiedene Führungspositionen in der Biotechnologie inne, in denen er die Entwicklung und Skalierung innovativer Produkte und Geschäftsbereiche vorantrieb.

FAQs

  • Zu den typischen Herausforderungen zählen unklare Zielsetzungen, technisch nicht skalierbare Konzepte, eine zu späte Einbindung relevanter Stakeholder, fehlende Standardisierung und Schwierigkeiten bei der Begründung des ROI.

    In Qualitätskontroll- und GMP-Umgebungen kommen weitere Herausforderungen hinzu, darunter regulatorische Auswirkungen, Validierung, begrenzte räumliche Kapazitäten, Budgetfragen, Herstellersupport sowie Unterschiede bei Behältern und Laborverbrauchsmaterialien.

    Die Diskussion zeigt außerdem, dass Automatisierungsprojekte schnell übermäßig komplex werden können, wenn Teams versuchen, zu früh zu viele Prozesse gleichzeitig zu automatisieren.

  • Die Experten empfehlen, mit einem klar definierten Problem zu beginnen, idealerweise mit einem Kapazitätsengpass, bei dem sich der Mehrwert und der ROI leichter messen lassen.

    Statt mit dem größten oder komplexesten Projekt zu starten, sollten Teams einen überschaubaren Anwendungsfall auswählen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich umgesetzt werden kann und dadurch Vertrauen und Glaubwürdigkeit innerhalb der Organisation schafft.

    Darüber hinaus wird betont, wie wichtig es ist, direkt ins Labor zu gehen, bestehende Arbeitsabläufe zu beobachten und die bisherigen Anforderungen kritisch zu hinterfragen, bevor der automatisierte Prozess konzipiert wird.

  • Laborautomatisierung kann durch zusätzliche Kapazitäten, einen höheren Durchsatz, weniger manuelle Arbeit, eine bessere Datenqualität, verbesserte Compliance, weniger Abweichungen, eine Reduzierung papierbasierter Prozesse, kürzere Durchlaufzeiten und eine bessere Ergonomie Mehrwert schaffen.

    Die Experten weisen darauf hin, dass Kosteneinsparungen häufig der am einfachsten zu quantifizierende Bestandteil eines Business Case sind. Sie sind jedoch nicht der einzige relevante KPI.

  • Standardisierung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine skalierbare Laborautomatisierung.

    Unterschiede bei Röhrchentypen, Behältern, Laborverbrauchsmaterialien, Methoden, Geräten und Datenformaten können die Übertragbarkeit von Automatisierungslösungen zwischen verschiedenen Laboren oder Standorten einschränken.

    Die Experten beschreiben Standardisierung insbesondere in bestehenden Brownfield-Laboren als große Herausforderung. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass Automatisierung langfristig dazu beitragen kann, konsistentere und einheitlichere Prozesse zu etablieren.

  • Viele Projekte zur Laborautomatisierung sind letztlich auch Datenprojekte.

    Automatisierte Systeme erzeugen Daten, die in bestehende Softwareumgebungen wie Laborinformations- und Managementsysteme – kurz LIMS – oder Chromatographiedatensysteme übertragen werden müssen.

    Die Experten diskutieren die Bedeutung offener Schnittstellen, APIs, Software Development Kits und nicht proprietärer Datenformate. Diese unterstützen die Integration und reduzieren den wiederkehrenden Aufwand für die Entwicklung individueller Gerätetreiber.

  • In Qualitätskontroll- und GMP-Umgebungen müssen Validierung und Compliance von Beginn an berücksichtigt werden.

    Jeff van Doren erläutert, dass globale Validierungs- und Compliance-Teams bereits vor der Beschaffung in die Definition der Anwenderanforderungen eingebunden werden.

    Darüber hinaus werden Themen wie Audit Trails, Vergleichbarkeitsstudien und die Frage diskutiert, ob sich die regulatorischen Auswirkungen verändern, wenn eine Tätigkeit von einem Roboter anstelle eines Menschen ausgeführt wird.

  • Die Experten sehen Prinzipien der industriellen Automatisierung, Modularität, offene Schnittstellen, Standardisierung und eine stärkere Datenintegration als wichtige zukünftige Entwicklungsrichtungen.

    Deutlich zurückhaltender bewerten sie stark sichtbare Technologien wie humanoide oder mobile Roboter, insbesondere wenn das konkrete praktische Problem, das damit gelöst werden soll, nicht klar definiert ist. 

    Agentische KI für die robotergestützte Automatisierung wird als experimentelles Anwendungsfeld in Forschung und Entwicklung genannt. In der Qualitätskontrolle wird ihr Einsatz hingegen weiterhin stark durch Validierungs- und Compliance-Anforderungen begrenzt.

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