Artikel

ZEISS NeurOptix Technologie: Wie Sehverhalten das Brillenglasdesign beeinflusst

27. Juli 2026
Das Bild zeigt ein Brillenglas vor schwarz-violettem Hintergrund. Auf dem Brillenglas sind ganz viele Linien, die zum Rand hin weniger werden, sich aber in der Mitte ballen. Sie sollen die Blickrichtungen durch ein Brillenglas symbolisieren.

Die ZEISS NeurOptix Technologie basiert auf der Analyse des tatsächlichen Augenverhaltens im Verlauf des Tages. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Blaupause, die Prioritäten für optimierte Brillenglasdesigns definiert.

Die ZEISS NeurOptix Technologie ist eine Design-Technologie für ZEISS ClearMind Brillengläser. Sie berücksichtigt reales Sehverhalten, natürliche Augenbewegungen und die Wahrnehmung von brillenglasbedingter Unschärfe, um die Sehbereiche im Brillenglas gezielt dort zu optimieren, wo sie im Alltag besonders relevant sind.

Was ist die ZEISS NeurOptix Technologie?

Die ZEISS NeurOptix Technologie verbindet Erkenntnisse aus Sehforschung, realem Sehverhalten, Unschärfewahrnehmung und Brillenoptik.

Ihr Ziel ist es, Brillengläser nicht nur nach optischer Korrektion zu gestalten, sondern stärker danach, wie Menschen im Alltag tatsächlich sehen: beim Lesen, Arbeiten am Bildschirm, Blickwechseln zwischen Nähe und Ferne, Bewegen im Raum oder in komplexen visuellen Umgebungen wie mit vielen Objekten mit unterschiedlichen Formen, Farben und Texturen.

Man sieht ein Balkendiagramm, das auf der Y-Achse die Prozent bis 20, auf der x-Achse verschiedene tägliche Seh-Aufgaben anzeigt.

Anteil der täglichen Sehaufgaben in % gemäß der ZEISS Global Vision Study 2020/21. Daten liegen intern vor.

Im Zentrum steht die Frage, wo im Brillenglas besonders klare Sehbereiche benötigt werden und wo brillenglasbedingte Unschärfe reduziert oder besser kontrolliert werden sollte. Daraus entsteht ein Brillenglasdesign, dass klare Sehbereiche nicht pauschal verteilt, sondern an realen Sehgewohnheiten ausrichtet.

Dies ist für komfortables Sehen entscheidend, da eine Studie von ZEISS Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am ZEISS Vision Science Lab in Tübingen herausfand, dass sich unscharfe Sehbereiche direkt auf die kognitive Belastung (engl. Cognitive Load) des Brillentragenden auswirken. Die ZEISS Visual Perception Study 2025 lieferte den wissenschaftlichen Hintergrund zur Entwicklung der ZEISS NeurOptix Technologie.

Warum ist kognitive Belastung beim Sehen relevant?

Kognitive Belastung beschreibt den Aufwand, den das Gehirn benötigt, um eine Aufgabe zu bewältigen. Beim Sehen kann dieser Aufwand unter anderem dann ansteigen, wenn visuelle Informationen unvollständig, unscharf oder schwer interpretierbar sind. Das Gehirn muss diese fehlenden Informationen ergänzen und mehr Verarbeitung leisten.

Gerade im digitalen und visuell komplexen Alltag wechseln Brillenträgerinnen und Brillenträger ständig zwischen unterschiedlichen Entfernungen, Geräten und Blickrichtungen.

Wie funktioniert die ZEISS NeurOptix Technologie im Brillenglasdesign?

Grundlage von ZEISS ClearMind Brillengläsern ist die ZEISS NeurOptix Technologie, die das reale Sehverhalten erfasst. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie: Wo schauen Menschen im Alltag tatsächlich hin? Wie häufig wechseln sie Blickrichtungen und -Entfernungen? Welche Bereiche im Brillenglas tragen in diesen Situationen maßgeblich zum visuellen Eindruck bei? So können diejenigen Bereiche im Brillenglas identifiziert werden, die bei der täglichen Nutzung am häufigsten verwendet werden. Gleichzeitig werden sie durch modernes Unschärfemanagement so optimiert, dass extrem klares Sehen möglich wird.

Entscheidend ist also nicht nur, welche Korrektionswerte ein Brillenglas erfüllen muss, sondern auch, welche Bereiche des Brillenglases für typische Sehaufgaben besonders häufig genutzt werden.

So entsteht ein Design-Fingerabdruck: Er beschreibt, wo Klarheit priorisiert werden sollte, wie Übergänge zwischen Sehbereichen gestaltet werden und wie periphere Unschärfe so reduziert oder optimiert werden kann, dass Sehen möglichst natürlich und mühelos bleibt.

Prozess: Wie die Technologie reales Sehverhalten in ein Brillenglasdesign übersetzt

1. Reales Sehverhalten
Analyse natürlicher Augenbewegungen und typischer Sehaufgaben im Alltag.

2. Mapping auf das Brillenglas
Übertragung relevanter Blickbereiche auf die Brillenglasoberfläche.

3. Bewertung von Unschärfe
Einordnung wahrnehmbarer brillenglasbedingter Unschärfe in relevanten Zonen.

4. Brilleninduzierter kognitiver Belastung entgegenwirken.

5. Optimierte Bereiche klaren Sehens Klarheitszonen
Gezielte Priorisierung klarer Sehbereiche für alltagsrelevante visuelle Aufgaben.

Der Prozess zeigt, wie die ZEISS NeurOptix Technologie reales Sehverhalten in Brillenglasdesign übersetzt. Natürliche Augenbewegungen und typische Sehaufgaben werden auf die Brillenglasoberfläche übertragen, dort mit Blick auf wahrnehmbare Unschärfe bewertet und anschließend genutzt, um relevante Bereiche klaren Sehens Klarheitszonen gezielt zu optimieren.

Man sieht eine Illustration, die links ein Brillenglas mit jeweils recht und links unten grau hinterlegten Halsbkreisen zeigt. Rechts davon sieht man einen Ausschnitt dieser grau hinterlegten Halbkreise mit 2 Pfeilen, die die wahrnehmbare und die nicht wahrnehmbare Fläche im Brillenglas anzeigen.

Schematische Darstellung wahrnehmbarer Unschärfegrade nach Atchison et al. (2005)

Welche Rolle spielt brillenglasinduzierte Unschärfe?

Optische Eigenschaften des Brillenglases führen dazu, dass bei bestimmten Blickrichtungen oder beim Sehen durch Randbereiche des Glases das Sehen unscharf ist. Aber nicht jede Unschärfe ist gleich relevant: Manche Unschärfe wird kaum bemerkt, andere kann störend wirken oder das visuelle Verarbeiten erschweren.

Die ZEISS NeurOptix Technologie berücksichtigt deshalb die Schwellen der gerade noch wahrnehmbaren Unschärfe. Ziel ist es, jene Glasbereiche zu identifizieren, in denen Unschärfe im Alltag besonders wahrscheinlich wahrgenommen wird und dadurch zusätzliche kognitive Belastung entstehen kann.

Nach Atchison1 gibt es einen Unterschied zwischen wahrnehmbarer, störender und unverträglicher Unschärfe:

  • Wahrnehmbare Unschärfe bezeichnet ein Maß an Unschärfe, das wahrnehmbar, aber nicht unbedingt störend ist.
  • Störende Unschärfe ist ein stärker ausgeprägtes Maß an Unschärfe, das beginnt, die Sehleistung und den Sehkomfort zu beeinträchtigen.
  • Unverträgliche Unschärfe ist das höchste Maß an Unschärfe, bei dem die Sehbeeinträchtigung so stark ist, dass sie nicht akzeptiert wird.

Was bedeutet „Klar sehen. Klar denken.“ im Kontext von ZEISS ClearMind?

Der Gedanke hinter ZEISS ClearMind lautet: Je klarer relevante visuelle Informationen erfasst werden können, desto geringer kann der zusätzliche Verarbeitungsaufwand sein.

Für Brillenträger:innen ist die Technologie darauf ausgelegt, relevante Sehbereiche klarer verfügbar zu machen, periphere Unschärfe zu reduzieren und damit ein entspannteres, müheloseres Sehen im Alltag zu unterstützen.

Die wichtigsten Vorteile der ZEISS NeurOptix Technologie:

  • Reales Sehverhalten als Grundlage: Das Brillenglasdesign orientiert sich daran, wie Menschen ihre Augen im Alltag tatsächlich nutzen.
  • Gezielte Sehbereiche: Häufig genutzte Sehbereiche werden für klare visuelle Informationen priorisiert.
  • Optimiertes Unschärfemanagement: Periphere Aberrationen und brillenglasbedingte Unschärfe werden in relevanten Bereichen reduziert oder kontrolliert.
  • Berücksichtigung kognitiver Belastung: Das Design adressiert den zusätzlichen Verarbeitungsaufwand, der durch unscharfe visuelle Informationen entstehen kann.
  • Alltagsrelevanter Sehkomfort: Die Technologie unterstützt müheloseres Sehen bei wechselnden Sehaufgaben, digitalen Anwendungen und an langen visuell anspruchsvollen Tagen.

Wie unterscheiden sich Brillengläser mit der ZEISS NeurOptix Technologie von anderen Brillengläsern?

ZEISS NeurOptix erweitert bestehende Ansätze der Brillenglasoptimierung, indem neben der optischen Korrektion auch reales Sehverhalten, natürliche Blickbewegungen und die Wahrnehmung brillenglasbedingter Unschärfe systematisch berücksichtigt werden.

Dadurch rückt nicht nur die optische Korrektion in den Fokus, sondern auch die Frage, wie Brillengläser dazu beitragen können, visuelle Informationen klarer und effizienter verfügbar zu machen. Diese Verbindung aus Optik, Sehgewohnheiten und kognitiver Belastung ist der Kern der ZEISS NeurOptix Technologie.

Wissenschaftlicher Hintergrund der ZEISS NeurOptix Technologie

Die ZEISS Visual Perception Study 2025 bildet die wissenschaftliche Grundlage für den Zusammenhang zwischen brillenglasinduzierter Unschärfe und kognitiver Belastung.

Für ZEISS NeurOptix werden diese Erkenntnisse in ein Brillenglasdesign übersetzt, das relevante Sehbereiche priorisiert und Unschärfe gezielt managt.

Was bedeutet ZEISS NeurOptix für Augenoptikerinnen und Augenoptiker?
Für die augenoptische Beratung bietet ZEISS NeurOptix eine verständliche Brücke zwischen Technologie und Kundennutzen. Die Beratung kann erklären, warum moderne Brillengläser nicht nur Sehfehler korrigieren, sondern auch kognitive Belastung im Alltag adressieren.

Besonders relevant ist dies für Menschen, die viel am Bildschirm arbeiten, häufig zwischen Sehentfernungen wechseln oder lange Tage mit hoher visueller Beanspruchung erleben.

Die Technologie liefert damit eine fachlich fundierte Argumentation für Premium-Brillengläser: ZEISS ClearMind verbindet klares Sehen, Unschärfereduktion und potenziell geringere kognitive Belastung zu einem alltagsnahen Nutzenversprechen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  • Sie richtet das Brillenglasdesign an realem Sehverhalten aus und optimiert Sehbereiche dort, wo sie für typische Sehaufgaben besonders wichtig sind.

  • Wenn visuelle Informationen unscharf oder unvollständig sind, muss das Gehirn mehr Interpretationsarbeit leisten. Diese zusätzliche Verarbeitung kann die kognitive Belastung erhöhen.

  • Die ZEISS NeurOptix Technologie ist zentraler Bestandteil des ZEISS ClearMind Brillenglasportfolios, das Einstärken-, Digital- und Gleitsichtgläser umfasst. Alle Produkte im ZEISS ClearMind Portfolio sind ebenso als PRO Version verfügbar und beziehen die individuelle Pupillengröße auf Basis der ZEISS Individual Luminance Design 2.0 Technolgie als weiteren Individualisierungsfaktor mit ein.

  • ZEISS ClearMind Brillengläser sollen besonders klares Sehen in relevanten Sehbereichen unterstützen, periphere Unschärfe reduzieren und können dazu beitragen, die durch brillenglasbedingte Unschärfe entstehende kognitive Belastung zu reduzieren.

  • Der NASA Task Load Index ist ein standardisiertes Verfahren, mit dem Personen nach einer Aufgabe bewerten, wie belastend diese Aufgabe subjektiv erlebt wurde. Er misst also nicht direkt Gehirnaktivität, sondern die wahrgenommene Arbeitsbelastung aus Sicht der Teilnehmenden.


  • 1

    Atchison, D. A., Fisher, S. W., Pedersen, C. A., & Ridall, P. G. (2005). Noticeable, troublesome and objectionable limits of blur. Vision research, 45(15), 1967-1974