ZEISS Planetarium Talks

ZEISS Planetarium Talks

Anika Smolinski

„Ich habe über 300.000 Sterne gefädelt“

Anika Smolinski, Sternenfädlerin

Nach meinem Schulabschluss 1995 habe ich mich überall in Jena und der Region beworben. Ich hatte schon die Zusage von einem Betrieb, bei dem ich zur Porzellanmalerin ausgebildet worden wäre. Drei Tage vor Beginn hat ZEISS angerufen und ich habe einen Ausbildungsplatz als Feinoptikerin bekommen. Nach 3,5 Jahren Ausbildung entschieden meine Lehrmeister, dass ich für die Tätigkeit des Sternefädelns gut geeignet sei. Damit konnte ich zunächst nichts anfangen, da ich ja aus der Rundoptik kam, wo vorwiegend an Maschinen gearbeitet wird. Aber aus heutiger Sicht war das goldrichtig, denn Sternefädeln ist ein reines Handwerk und es braucht viel Fingerspitzengefühl. Ich liebe diese Arbeit mit ganz kleinen und filigranen Teilen.

Ich wurde von dem damaligen Sternenfädler, der kurz vor der Rente stand, im laufenden Prozess angelernt. Es gab so viele Sachen, die man beachten musste, da jeder Projektor anders ist – aber ich liebe Herausforderungen. Für den neuen Asterion-Projektor habe ich den Prozess zum Fädeln mitentwickelt und einen Fahrplan erstellt, da der Projektor viel kleiner ist. Es müssen also genauso viel Sterne auf weniger Fläche untergebracht werden. Wir konnten sogar einen Arbeitsschritt automatisieren.

Ganz früher hat man die Sterne in eine Kupferscheibe gestochen, jetzt sind die Sterne Glasfasern, die ich mit der Pinzette unter dem Mikroskop in ein Loch fädele. Dieses Loch ist eines von vielen, das vorher mit einem Laser in eine Platte geschossen wurde. Bisher haben wir bei uns über 50 Projekte vom Typ ZKP4 gefertigt. Dabei besteht jeder Planetariumsprojektor nochmal aus 32 handgearbeiteten kleineren Fixsternprojektoren. Das heißt, dass ich in den letzten 23 Jahren über 300.000 Sterne gefädelt habe. In fast jedem ZEISS Planetarium in der Welt sind quasi meine gefädelten Sterne im Einsatz. Das ist schon etwas ganz Besonderes.

Ann Lakey

„Our love was written in the Stars“

Ann Lakey, Projektmanagerin

Nach meinem Abitur habe ich an der Jenaer Uni Betriebswirtschaft studiert und nach dem Abschluss ein Jahr am Lehrstuhl für Marketing gearbeitet. Da mein Professor 1998 einen Ruf an einer anderen Universität folgte, schickte ich eine Initiativbewerbung zu ZEISS. Über ein einjähriges Praktikum bin ich dann im Rahmen des 1996 eingeführten Altersteilzeitangebotes zu der Stelle als Projektmanagerin im Bereich Planetarien gekommen und arbeite mittlerweile 25 Jahre in diesem Job. Ich sitze noch am gleichen Platz wie an meinem ersten Arbeitstag, aber langweilig wird es nie.

Als Projektmanagerin betreue ich vor allem Kunden und diejenigen, die es werden wollen. Ich kümmere mich um das Durchsteuern des Projektes vom Erstkontakt bis zur Inbetriebnahme. Hier haben meine Kolleginnen und ich uns die Welt gebietsmäßig aufgeteilt: Ich betreue vor allem die USA, Kanada, den deutschsprachigen Raum, Osteuropa sowie Teile Asiens. Was mir besonders an meiner Arbeit gefällt ist die Gemeinschaft. Es ist sehr familiär. Man ist in der Welt viel unterwegs, aber wenn man in eine Kuppel kommt, ist das wie ein zweites Zuhause, wie ein dienstliches Wohnzimmer.

Auch meinen Mann habe ich in einer Kuppel kennengelernt. Er war damals Programmierer und Vorführer im Planetarium in St. Louis, USA, und kam mit seinem Team zur Werksabnahme des ZEISS Projektors nach Jena. Wir waren uns auf Anhieb sehr sympathisch und wir haben uns nie aus den Augen verloren, aber es hat 10 Jahre gedauert, bis wir zusammengekommen sind. Irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt: Ich war verheiratet mit drei Kindern, er lebte in den USA mit seinem Sohn und leitete mittlerweile das Planetarium. 2013 haben wir allen Umständen zum Trotz endlich geheiratet und wohnen nach zwei Jahren Fernbeziehung seit 2015 zusammen mit unseren vier Kindern in Jena. Und, wir arbeiten weiterhin zusammen, aber jetzt als direkte Kollegen: Er schult und berät unsere Kunden in der Bedienung unserer Systeme, unterstützt unser Marketing mit der Erstellung von Videos und Tutorials, macht Vorführungen unserer Technik für potenzielle Interessenten und übersetzt Inhalte für Dokumente und Webseiten. Durch die Planetarien haben wir uns gefunden, und so stand auch unsere Hochzeit unter dem Motto „Our love was written in the stars“.

Martin Kraus

„Ich hatte immer ein Auge auf das Thema Planetarien“

Martin Kraus, Leiter ZEISS Planetarien

Ich habe in Aalen an der Hochschule Maschinenbau studiert und meine Diplomarbeit über Maschinenelemente in einem CAD-Systemen geschrieben. Dann habe ich eine Stellenausschreibung der Industriellen Messtechnik von ZEISS gesehen, die einen Softwareentwickler gesucht haben, dessen Tätigkeit genau auf das Thema meiner Abschlussarbeit gepasst hat. Ich habe mich beworben, obwohl ich kein Informatikstudium hatte, und wurde 1986 als Softwareentwicklungs-Ingenieur eingestellt. Nach fünf Jahren bin ich dann zu den zentralen Entwicklungsdiensten in der Forschungsabteilung gekommen. Das war 1991, das Jahr, als ZEISS in Jena und Oberkochen zusammengingen.

Gerade bei den Entwicklungsdiensten musste man da viel koordinieren beispielsweise das Nummernsystem vereinheitlichen, damit die Entwicklungsabteilungen nach den gleichen Prozessen arbeiten können. Dadurch hatte ich schon immer auch ein Auge auf den Bereich Planetarien, dessen Produktverlagerung nach Jena ich unter anderen auch mit betreut habe. Ich hätte damals nie geglaubt, dass ich einmal diesen Bereich leiten werde. 2001 hat es mich dann zur Medizintechnik geführt. Ich konnte mich zuvor für ein Führungskräfteprogramm qualifizieren und bin dort insgesamt 17 Jahre in unterschiedlichen Positionen tätig gewesen, zuletzt als Leiter Operations in Jena. 2018 war dann die Stelle des Leiters Planetarien ausgeschrieben. Meine Bewerbung hatte ich aber einige Wochen in der Schublade liegen, weil ich hinsichtlich meiner Chancen Bedenken hatte. Dann ging aber alles ganz schnell.

Wir sind mit 30 Mitarbeitenden sicherlich fast der kleinste ZEISS Bereich, aber der mit einer sehr großen Außenwirkung. Ich bin natürlich viel unterwegs, besuche Tagungen, Konferenzen oder Planetarien. Für mich sind die Kunden mit das Schönste am Planetariumsgeschäft. Es sind Menschen aus dem Kultur- oder Wissenschaftsbereich, die eine Passion haben und versuchen, diese zu verwirklichen. Wenn ich auf den Kongressen bin, dann ist das familiär, einfach eine sehr liebenswürdige Community. Und das Thema Sterne und Weltall begeistert eigentlich jeden Menschen, mich auch. Ich denke mir ganz oft: Habe ich nicht einen tollen Job? Ich werde sogar dafür bezahlt, dass ich ins Planetarium gehe.

Dr. Christian Dick

„Wir haben ein Schwarzes Loch als erste in 3D für die Kuppel visualisiert“

Dr. Christian Dick, Leiter Softwareentwicklung

Nach meinem Studium der Informatik an der TU München habe ich mich in meiner Promotion mit dem Thema Computergrafik und Visualisierung beschäftigt und auch nach Abschluss dieser noch drei Jahre als Postdoc geforscht. Meine Forschungsbereiche waren interaktive Visualisierungen von großen Datenmengen beispielsweise die Visualisierung von Landschaftsdaten. Ich habe Verfahren entwickelt, mit denen man besonders flüssig und ohne Rütteln beispielsweise über hochaufgelöste großräumige Terraindaten interaktiv fliegen kann. Dann habe ich mich nach einem Job in der Industrie umgesehen und eine interessante Stellenausschreibung bei ZEISS Planetarien gefunden, die perfekt zu meinen Fachkenntnissen gepasst hat. Seit 2015 arbeite ich als Softwarearchitekt bei ZEISS und bin seit vier Jahren Leiter der Softwareabteilung. Ich leite mittlerweile ein Team von sechs Personen, die alle eine top Ausbildung haben und hoch motiviert sind – das bereitet mir sehr viel Freude.

Für mich ist das besondere an einem Planetarium, dass es ein Ort ist, wo wissenschaftliche Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Man taucht aber durch die 360-Grad-Rundumsicht wirklich in das Thema ein und hat dadurch einen viel intensiveren Zugang als auf einem ebenen Bildschirm. Ich hatte schon sehr früh ein großes Interesse an der Astronomie. Ich war als Kind im Planetarium im Deutschen Museum in München. Die Visualisierungen sind für Kinder immer ein tolles Erlebnis und total spannend.

Beruflich beschäftige ich mich viel intensiver mit astronomischen Themen, zum Beispiel mit Schwarzen Löchern. Wenn man sich anschaut, welche unterschiedlichen Arten von Schwarzen Löchern es gibt, die enormen Größen, die da auftreten – das ist einfach beeindruckend, was im Universum passiert. Wir haben gerade mit unserem Team als erste ein Schwarzes Loch in 3D für die Kuppeln visualisieren können. Diese Visualisierungen entstehen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem aktuellen Stand der Technik und liefern eine hochaufgelöste und naturgetreue Abbildung des Objekts. Das bringt uns auch meinem Wunsch immer näher, dass wir zukünftig in der Kuppel durch das Universum fliegen und einen mehr oder weniger nahtlosen Eindruck bekommen, als wäre man in Echt da.


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100 Jahre ZEISS Planetarien
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