ZEISS SMT Mitarbeiter nutzt KI

Ob Sprachsteuerung im Smartphone, intelligente Systeme im vernetzten zuhause oder die Automatisierung in der Fabrik: künstliche Intelligenz ist aus unserem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch ihre Leistungsfähigkeit entsteht dort, wo man sie nicht sieht: in der Welt der Halbleiter. ZEISS SMT liefert dafür die technologische Grundlage – und nutzt KI gleichzeitig selbst, um Innovation weiter voranzutreiben.

Wenn wir heute mit einem Sprachassistenten sprechen, ein vernetztes Gerät im Alltag nutzen oder Produktionsprozesse digital steuern, erleben wir künstliche Intelligenz (KI) als etwas Selbstverständliches. Sie ist schnell, reaktionsstark und vor allem kaum sichtbar. Doch hinter dieser scheinbar unsichtbaren Leichtigkeit steckt ein enormer technologischer Aufwand – denn jede Berechnung, jedes trainierte Modell und jede Anwendung basiert auf Mikrochips, die Milliarden von Transistoren auf einer Fläche vereinen, nur etwas größer als eine Fingerkuppe. Je digitaler unsere Welt wird, desto größer wird der Bedarf an Rechenleistung, Energieeffizienz und Geschwindigkeit – und davon braucht es immer mehr. Mikrochips liefern diese Rechenleistung. Das macht die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz zum Schlüsseltreiber für das künftige Wachstum der Halbleiterindustrie. Deshalb stellt sich die Frage: Wie lassen sich immer leistungsfähigere Mikrochips herstellen, die in der Lage sind, komplexe Berechnungen in Echtzeit durchzuführen?

EUV Beleuchtungssystem

Die Zukunft der KI wird im Nanometerbereich entschieden

Die Antwort darauf kennt die ZEISS Sparte Semiconductor Manufacturing Technology (SMT): Seit mehr als 50 Jahren ist die optische Lithographie die Schlüsseltechnologie für die Herstellung von Mikrochips. Mit Hilfe der DUV-Technologie (Deep Ultraviolet Light) gelang es ZEISS SMT die steigende Nachfrage nach leistungsstarken Mikrochips mit kosteneffizienter Produktion zu kombinieren – und damit den Grundstein für die Digitalisierung zu legen. Doch künstliche Intelligenz ist nur so leistungsfähig, wie die Chips, auf denen sie läuft. Je komplexer KI-Anwendungen werden, desto höher werden die Anforderungen an die Halbleiterfertigung: Immer mehr Transistoren müssen auf immer kleineren Flächen untergebracht werden – präzise, wiederholbar und in einer Qualität, die selbst kleinste Abweichungen ausschließt. Genau hier spielt die Wellenlänge des Lichts die entscheidende Rolle: Je kürzer die Wellenlänge des Lichts, desto feiner lassen sich die Strukturen auf dem Wafer, einer dünnen, scheibenförmigen Siliziumplatte, die die Basis für die Mikrochips ist, abbilden. Bei der DUV-Technologie war eine Verkürzung der Wellen kaum mehr möglich. Mit der EUV-Technologie (Extreme Ultraviolet Light) begann ein neues Kapitel in der Chipentwicklung: Gemeinsam mit dem strategischen Partner ASML gelang es ZEISS SMT, die Wellenlänge des DUV-Lichts von 193 auf 13,5 Nanometer zu verkürzen. Damit lassen sich Strukturen auf einem Wafer-Substrat abbilden, die 5.000-mal dünner sind als ein menschliches Haar. Erst diese Präzision schuf die Voraussetzung für KI-Anwendungen, wie wir sie heute kennen. Und das Ergebnis spricht für sich: Rund 80 Prozent der weltweit produzierten Mikrochips werden mithilfe der Technologien von ZEISS gefertigt. Die Weiterentwicklung von KI und die Weiterentwicklung der Halbleiterindustrie hängen damit unmittelbar zusammen.

Kompositbild, das ein menschliches Gesicht mit mikroskopischen Zellstrukturen kombiniert und die Beziehung zwischen künstlicher Intelligenz, hochentwickelter Bildgebung und Halbleiterinnovation symbolisiert.

Künstliche Intelligenz als strategisches Werkzeug

Doch die Beziehung zwischen ZEISS SMT und künstlicher Intelligenz ist keine Einbahnstraße: ZEISS SMT schafft nicht nur die technologischen Voraussetzungen für KI, sondern nutzt ihre Möglichkeiten auch selbst, um Innovationen noch effizienter zu entwickeln und zu produzieren. Dabei verfolgt ZEISS SMT einen ganzheitlichen Ansatz: KI wird nicht als isolierte Technologie betrachtet, sondern systematisch dort integriert, wo sie den Arbeitsalltag spürbar erleichtert und Freiräume für kreative und strategische Aufgaben schafft. Das Spektrum reicht von KI-Unterstützung im Arbeitsalltag über optimierte Geschäftsprozesse bis hin zu hochspezialisierten Anwendungen in der Fertigung. Um dabei höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten, setzt ZEISS SMT auf eine On-Premise-Lösung, bei der die jeweiligen Daten in den unternehmenseigenen Datencentern verarbeitet werden. Denn Wissensschutz steht an erster Stelle: Vertrauliche Informationen bleiben geschützt, während die Vorteile moderner KI-Technologien voll ausgeschöpft werden. So nutzen Kolleginnen und Kollegen bei ZEISS SMT KI-gestützte Tools, um schneller, präziser und effizienter zu arbeiten – ob bei der Recherche, der Dokumentation oder der Analyse komplexer Daten.

Bengt Wunderlich

KI ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das konkreten Wert für das Unternehmen schaffen muss. Sie soll unseren Mitarbeitenden ermöglichen, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: Zusammenarbeit, Innovation und Qualität. Entscheidend ist dabei, dass wir die Technologie so einsetzen, dass sie zu unseren Werten und Sicherheitsstandards passt – nicht umgekehrt.

Bengt Wunderlich Head of Digital Transformation Management
EUV Objektiv

Intelligente Systeme für komplexe Herausforderungen

Doch KI entfaltet ihren Nutzen nicht nur im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden – sie wird auch zunehmend zu einem integralen Bestandteil der gesamten Wertschöpfungskette. Von der Softwareentwicklung bis zum Einkauf: KI-gestützte Systeme beschleunigen Prozesse und schaffen Raum für fundierte Entscheidungen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Entwicklung ist der sogenannte Machine Agent – ein intelligentes Assistenzsystem, das die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine grundlegend verändert. Wie ein digitaler Krake verknüpft der Machine Agent dabei zahlreiche Wissensquellen des Unternehmens und macht sie in schnell und effizient zugänglich. In der Praxis bedeutet das: Tritt eine Störung auf, analysiert das System die Situation, identifiziert mögliche Ursachen und führt Schritt für Schritt durch den Lösungsprozess, bis die Anlage wieder läuft. Doch der Machine Agent ist weit mehr als ein Notfallhelfer: Maschinenführer finden schnell die richtige Arbeitsanweisung, Technologen greifen auf bewährte Lösungswege zurück, die Instandhaltung erhält strukturierte Anleitungen und Entwicklungsteams analysieren komplexe Fehlermuster über Systemgrenzen hinweg. Das System wird dabei kontinuierlich weiterentwickelt – durch Dokumentation und Nutzerfeedback wird es mit jeder Interaktion präziser. Was früher zeitaufwendige Recherche in verschiedenen Systemen erforderte, geschieht nun in Sekunden. Das Ergebnis: schnellere Problemlösungen und kürzere Stillstandzeiten, und Mitarbeitende, die ihr Erfahrungswissen gezielter einsetzen können.

Ein Zusammenspiel, das die Zukunft gestaltet

Inmitten aller technologischen Dynamik bleibt eines zentral: der verantwortungsvolle Umgang mit KI. ZEISS SMT setzt KI dort ein, wo sie einen sicheren und echten Mehrwert schafft. Chancen wie die Optimierung von Prozessen, die Beschleunigung von Geschäftsprozessen und die Gewinnung neuer Erkenntnisse sind dabei ebenso wichtig wie ein klarer Blick auf mögliche Risiken. Deshalb verfolgt ZEISS SMT einen Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt: das Einhalten von ethischen Richtlinien und Standards sowie „Human-in-the-Loop-Ansätze“ haben oberste Priorität. KI soll dort eingesetzt werden, wo sie zuverlässig, transparent und verantwortungsvoll wirkt. Denn Technologie entfaltet ihren größten Nutzen, wenn sie den Menschen unterstützt und stärkt.

Bengt Wunderlich
Autor Bengt Wunderlich Head of Digital Transformation Management